Es quälte sich mein Geist mit eyfrigen Verlangen

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Christiana Mariana von Ziegler: Es quälte sich mein Geist mit eyfrigen Verlangen Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Es quälte sich mein Geist mit eyfrigen Verlangen,
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Eh mir, beliebter Freund, dein angenehmer Brief,
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Den ich, ich schwör es dir, mit rechter Lust empfangen,
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Nach langen Hoffen doch noch in die Hände lieff.
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Du müßtest, meynt ich, schon im Reich der Toden stecken,
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Drum schickt ich den Mercur an Charon würcklich ab,
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Um deinen Auffenthalt mir schleunig zu entdecken,
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Der aber mir von dir gar keine Nachricht gab.
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Denn, dacht ich, wäre noch der liebe Freund am Leben,
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So lieffe wohl ein Blatt von seinen Händen ein,
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Und wolt er selber mir davon nicht Nachricht geben,
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So würd ein andrer doch an seiner Stelle seyn.
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Jedoch ich bin nun froh, von deinen Wohl zu hören,
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Drum such ich wiederum erfreut die Leyer vor.
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Ich lasse mich nicht mehr Verdruß und Sorgen stöhren,
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Und mein Muse hebt ihr mattes Haupt empor.
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Das lieblichste Concert ist mir zu Händen kommen,
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Es ist, ich läugne nicht, nach meinen Gout gemacht,
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Was Wunder wenn ich es mit Freuden auffgenommen,
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Es klingt als hätt H-- diß Kind zur Welt gebracht.
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Der Componiste sey von Süden, West, und Norden,
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So rühm ich doch die Kunst, die niemand tadlen kan;
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Ich sehe, daß er nicht an dir zum Lügner worden,
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Und gibt er dir noch mehr, so nimm es willig an.
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Der Geitz muß, denckst du wohl, sie gantz besessen haben,
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Weil sie, dem Fodern nach, gantz unersätlich heist.
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Du weist, daß mich nichts mehr als die Music kan laben,
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Denn dieses Element ernehret Seel und Geist.
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Es kan mir in der That kein größrer Dienst geschehen,
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Als wenn ich, wie du selbst davon kanst Zeuge seyn,
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Vom lieben Noten-Volck mich soll umringet sehen,
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Ich räumte, gieng es an, ihm alle Zimmer ein.
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Indessen geb ich dir mein Beyleid zu verstehen,
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Weil du, wie mir dein Kiel die sichre Nachricht giebt,
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Wilst in der Einsamkeit, wie Eremiten, gehen,
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Da du doch ehemahls den Umgang sehr geliebt.
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Ich kan durch Nachsinn nicht, ich schwör es dir, erreichen,
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Warum dein muntrer Geist Gesellschafft fliehen will.
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O dürfft ich dich einmal nur heimlich überschleichen,
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So fänd ich also dann vielleicht das Widerspiel.
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Wird dir die Zeit zu lang, du kanst sie dir verkürtzen,
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Ruff deine Muse nur, sie wird, Geliebter Freund,
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Die Stunden alle dir mit Zucker überwürtzen,
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Die deiner Meynung nach recht herb und bitter seyn,
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Und mir wird auch zugleich ein schöner Vortheil bleiben,
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Denn läst die Clio sich bey dir geschäfftigt sehn,
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So wirst du künfftig hin an mich noch eher schreiben,
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Als es die Zeit daher zu meinen Schmertz, geschehn
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Dein virtuoser Kiel kan mir viel Stärcke schencken,
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Du weist, wie schwach und lahm mein Pegasus noch heist,
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Ich weiß noch leider! nicht den Ziegel recht zu lencken,
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Den Phoebus offt vor Zorn mir aus den Händen reist.
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Drum will ich fernerhin von dir viel schönes hoffen,
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Laß deiner Flöthen Thon mir eine Vorschrifft seyn,
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Und ist, geschickter Freund, mein Wünschen eingetroffen,
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So will ich dir viel Danck vor deine Dienste weyhn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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