Mein Engel! deiner Huld ist sicher nichts zu gleichen

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Christiana Mariana von Ziegler: Mein Engel! deiner Huld ist sicher nichts zu gleichen Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Mein Engel! deiner Huld ist sicher nichts zu gleichen,
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Ich tauschte, glaube mir, davor kein Käyserthum,
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Wie könt ich selbge wohl in höhern Grad erreichen?
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Dein gantzes Hertz ergibt sich mir zum Eigenthum.
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Du schmeichelst meinen Blat, als ob es dich ergötzte,
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Galante Breßlerin, wie schertzt dein netter Kiel?
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Ja wann selbst deine Hand die Sylben vor mich setzte
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So glaub ich, daß so dann dir meine Schrift gefiel.
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Mein Unvermögen will mich mehr als deutlich lehren,
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Daß meine Stümperey vor nichts zu schätzen ist;
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Der Ruhm, der dir gebührt, kan mir nicht zugehören,
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Ich weiß mehr als zu wohl, daß du die Sonne bist.
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Drum müssen wir vor dir uns wie die Sterne neigen;
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Gesetzt, daß auch dein Strahl uns Licht und Glantz verleiht,
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Kan doch der Schimmer nicht so hoch, als deiner, steigen,
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Denn alle Welt erkennt an dir die Treflichkeit.
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Der gantze Musen-Chor muß mir hier Beyfal geben,
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Und also bleibt diß Blat von Lacq und Schmincke frey.
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An meinen Hertzen sieht man keinen Fürniß kleben,
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Drum haßt so Mund und Kiel auch alle Heucheley.
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O! Soll ich nicht einmahl den frohen Tag erblicken?
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An den ich, Edle, dich persönlich küssen kan,
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Die Freude würde mich aus Schranck und Zirckul rücken,
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Ich träffe gantz gewiß schon hier den Himmel an;
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Dein Umgang würde mir die Stunden süsse machen,
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Ich speißt' und träncke nicht, so lang ich dich vor mir,
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Du Pallas unsrer Zeit, leibhafftig sähe lachen,
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Denn meine Sehnsucht ist gar ungemein nach dir.
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Jedoch was gieß ich Oel in meiner Sehnsucht Flammen?
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Was greiffet meine Hand nach Schatten, Wind und Lufft?
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Ich weiß, wir kommen doch, mein Engel, nicht zusammen,
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Denn zwischen mir und dir ist eine grosse Glufft.
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Diß muß mir allen Schmertz, Annehmlichste, versüssen,
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Daß ich, obgleich dein Mund von mir entfernet heißt,
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Noch deine Feder kan an jenes Stelle küssen,
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Die mich mit Ambra-Kost und Lieblichkeiten speißt.
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Laß deine Muse mich fein öffters nur besuchen,
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Ihr Zuspruch flösset mir so Geist als Leben ein.
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Will das Verhängniß gleich uns durch Entfernung fluchen,
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So soll doch unser Geist beysammen stündlich seyn.
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Hör ich von deinen Wohl, so will ichs mit dir theilen,
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Und schreckte dich ein Fall, so fühlt ich auch den Riß;
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Denn wohntest du von mir noch mehr als hundert Meilen,
44
So würckt die Sympathie doch zwischen uns gewiß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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