Ists möglich? kanst du noch an unsre Linden dencken

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Christiana Mariana von Ziegler: Ists möglich? kanst du noch an unsre Linden dencken Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Ists möglich? kanst du noch an unsre Linden dencken,
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Ich wünschte mir mit dir dich wieder hier zu sehn,
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Das Schicksal läßt sich nicht nach unsern Willen lencken,
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So weh uns offtermahls darbey pflegt zu geschehn.
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Mein! Wie bezeugst du dich bey dem so strengen Orden,
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Der deinen Hoffnungs-Kahn durch wilde Fluthen treibt,
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Weil du, du schreibst es selbst, ein Geistlicher geworden.
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Wohl dir! Wofern dein Sinn und Schluß darbey verbleibt.
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Du kanst in solchen Stand deswegen doch noch schertzen,
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Dergleichen Schreibens-Art verdamt euch leichte nicht;
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Es klebt doch immer was noch an der Männer Hertzen,
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Ob gleich die Heiligkeit von aussen wiederspricht.
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Wir Menschen sollen uns als Nächsten alle lieben,
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Und also hindert dich gar nicht dein Closter-Stand.
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Vielleicht ist von der Welt dir noch was übrig blieben,
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Dein artger Spaß und Schertz ist mir gar wohl bekandt.
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Indessen bin ich dir vor deinen Wunsch verbunden,
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Den deine Feder mir zum neuen Jahr geweyht.
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Ich wünsche dir dafür so viel vergnügte Stunden,
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Als Flora hier und dar schon Blumen ausgestreut.
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Was neues weiß ich dir vor dißmahl nicht zu schreiben,
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Denn es paßiret nichts, das meldens würdig wär,
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Die Welt lästs immer noch beym alten Conto bleiben,
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Ich gebe, wie du weist, Histörgen nicht Gehör.
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Du fragst, ob mich noch nicht ein Zauber-Blick gefangen?
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Ich lache, daß man mir von solchen Sachen schreibt,
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Du weist ja, daß ich stets des Amors Strick entgangen,
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Und daß mein Hertze frey und ungebunden bleibt.
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Ein Blick kan meinen Geist nicht, wie man denckt, verführen,
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Ein Seuffzer legt mir nicht gleich Band und Fesseln an,
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Mein Auge läst der Welt nie Brand und Feuer spühren,
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Und Amor, welchen ich nicht um mich leiden kan,
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Flieht, wann er mich erblickt, er ist mir nicht gewogen,
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Sein sonst so mächtiges Geschoß ist ohne Krafft.
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Du weist ja, eh du noch von uns hier weggezogen,
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War diese Vanität bey mir längst abgeschafft.
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Inzwischen lebe wohl und schreibe mir bald wieder.
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Hör ich, daß Hymen dir bald läst den Braut-Crantz weyhn,
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So will ich, haßt du nicht aus Eckel meine Lieder,
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Mit tausend Freuden dir ein Hochzeit-Carmen streun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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