Ein gantz besondrer Trieb zwingt warlich mich zu dichten

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Christiana Mariana von Ziegler: Ein gantz besondrer Trieb zwingt warlich mich zu dichten Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Ein gantz besondrer Trieb zwingt warlich mich zu dichten,
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Und die Begierde stöhrt vor dißmahl meinen Geist,
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Drum muß ich dir so gleich, mein werther Freund, berichten,
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Daß mein Verlangen groß nach deinen Wohlstand heist.
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Ich dencke Tag vor Tag, was muß Herr N-- machen?
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Sein Phöbus liegt vielleicht mit ihm zugleich auch kranck,
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Ich höre nichts von ihm; bey so gestalten Sachen,
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Weiß ich dem Musen-Gott wahrhafftig schlechten Danck.
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O könt ich doch ein Kraut und ächtes Pflaster finden,
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Wenn ja dein Pegasus auf lahmen Füssen steht;
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Ich wolt ihn, glaub es mir, mit eigner Hand verbinden,
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Weil mir dergleichen Fall recht nah zu Hertzen geht.
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Sag, warum wilst du nicht die süssen Thone rühren,
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Ist denn dein Sayten-Spiel so gantz und gar verstimmt?
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Will deine Muse nicht den Helicon mehr zieren?
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Wann noch ein Fünckgen Gunst in deinen Hertzen glimmt,
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So hilff Apollens Ruhm noch fernerhin besingen,
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Du bist sein liebster Sohn, der ihm zur Seiten sitzt,
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Denn deiner Lieder Schall, die gantz besonders klingen,
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Erweisen, daß er dich vor allen andern schützt.
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O laß mich von der Gunst die Brosamen geniessen,
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Wenn euch Calliope der Musen Tafel deckt,
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Du wirst verhoffentlich nicht schon die Freundschafft schliessen,
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Durch deine Zuschrifft wird mein Geist recht aufgeweckt.
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Er liegt ein halbes Jahr und länger noch im Schlummer,
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Dein Schweigen macht, daß mir Hertz, Geist und Muth entfällt;
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Ich mache warlich mir darüber grossen Kummer,
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Und sinne hin und her, was dich zurücke hält.
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Ergreiffe deinen Kiel und laß mich balde wissen,
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Ob du mein Freund annoch wilst heissen und auch seyn,
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So will ich Hofnungs-voll hier meine Reime schliessen;
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Doch nein! es fällt mir noch was zu berichten ein.
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Herr N-- der artge Mann, den ich nicht anders kannte,
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Als nur dem Rufe nach, nun aber von Person,
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Nach dessen Känntniß ich recht vor Verlangen brannte,
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Denn jeder rühmte mir ihn als Amphions Sohn,
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Der würde, hofft ich, mir von seiner Kunst was weisen;
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Allein mein Bitten ward mir leider! nicht gewährt
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Er war gleich in Begriff schon wieder wegzureisen,
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Doch hat er gegen mich sich endlich noch erklährt,
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Nach seiner Ankunfft mir etwas zu überschicken,
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Daß er aufs Clavicin mit eigner Hand gesetzt,
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Wanns Ouverturen sind und starck gesetzte Stücken
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So wird mein Ohr dadurch schon zum voraus ergötzt.
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Dergleichen Symphonie kan mich vergnüget machen,
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Ach rede doch mein Wort, so viel als möglich ist,
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Und lege was darzu von deinen eignen Sachen,
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Weil du mit ihm in Streit um Rang und Vorzug bist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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