Soltst du, mein Engel sehn, wie kranck ich mich befinde

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Christiana Mariana von Ziegler: Soltst du, mein Engel sehn, wie kranck ich mich befinde Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Soltst du, mein Engel sehn, wie kranck ich mich befinde,
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Und vor Melancholey die matten Hände winde;
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So bliebe wahrlich nicht dein Hertz von Stahl und Stein,
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Du würdest gegen mich nicht mehr tyrannisch seyn.
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Die Zunge lechtzt vor Durst, sie weiß kaum mehr zu lallen,
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Das Auge bricht, mein Leib ist schwach und so verfallen,
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Daß noch ein schmahler Schritt nach meinen Grabmahl ist,
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Worzu mir deine Hand die Steine selber list.
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Mein Engel, kanst du noch an mir so grausam handeln?
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Läßt du mich sonder Trost nach meiner Grube wandeln?
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Ists möglich, daß dich so nach meinen Blute dürst?
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Bedencke, daß du nun an mir zum Mörder wirst.
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Ist bis nunmehr der Danck vor meine Lieb' und Flammen,
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Daß du zum Opfer-Heerd wilst selbsten mich verdammen,
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Und rächend mich vertilgst, was hab ich denn gethan,
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Das einen solchen Groll und Haß erregen kan?
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Ich bin dir allezeit mit Ehrfurcht nachgegangen,
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Die Frechheit hatte nie das Wappen ausgehangen;
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Du warst mein andres ich, mein Angel-Stern und Licht,
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Mein Auge suchte dich, und sonsten keine nicht.
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Doch alles dieses will bey dir gar wenig taugen,
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Es machet mich vielmehr in deinen schönen Augen
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Zum Greuel, schönstes Kind, dein fest verstopftes Ohr
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Bleibt bey den Klagen taub noch immer, wie zuvor.
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Dis ist was meinem Leib auf Sieche-Betten leget,
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Und auf die Stirne schon des Todes Merckmahl präget.
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Ist dir mit meinen Blut gedient, so nimm es hin,
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Damit ich dir auch noch zuletzt gehorsam bin.
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Tyrannin! nimm das Hertz, zerfleische Marck und Knochen,
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Dein kalter Sinn hat mir das Leben abgesprochen;
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Komm, komm und säume nicht, ich blöse schon die Brust,
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Und wart auf meinen Tod mit gantz besondrer Lust.
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Kan mein entseelter Leib dir Freud und Lust erwecken,
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So weyde dich daran, ich will mich willig strecken,
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Mein Geist empfindt vielleicht, hört gleich der Cörper nicht,
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Was dein verstockter Mund zu meinen Leichnam spricht.
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O! solte, Schönste, dir die Haut darbey nicht schauren;
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Dich wird, wiewohl zu späth, mein armes Leben dauren.
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Jedoch was hilfft es mir? mir nützt es nichts im Tod,
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Gnug, mein beklemmter Geist entreißt sich aller Noth.
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Die Fesseln springen weg, die Band und Ketten reissen,
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Der Tod erbarmet sich, so grausam du geheissen.
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Die letzte Stunde schlägt, ich fühle schon den Stoß,
44
Mein Engel! lebe wohl! du wirst mich nunmehr loß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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