Wie hart ist nicht der Schlag, der unsre Hertzen trifft

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Christiana Mariana von Ziegler: Wie hart ist nicht der Schlag, der unsre Hertzen trifft Titel entspricht 1. Vers(1727)

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Wie hart ist nicht der Schlag, der unsre Hertzen trifft,
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Was ist wohl in der Welt, das uns mehr Kummer stifft?
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Als diß, daß man Dich soll, entflohner Printz, vermissen,
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Und wir nicht mehr den Saum von deinen Purpur küssen;
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Ihr Bäume! zeigt mit uns zugleich auch euer Leid,
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Was nutzet euch nunmehr das grüne Feyer-Kleid,
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Worinnen man bißher mit Lust auch sahe prangen,
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Es schickt sich selbiges nicht zu bethränten Wangen.
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Beblühmte Wiesen! legt das Schmeltzwerck wieder ab,
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Das euch der Floren Hand aus ihren Schatz-Hauß gab,
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Laß, fahler Pleissen-Strand, durch mattes Rauschen hören,
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Daß deine Wellen sich in Thränen-Saltz verkehren;
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Ihr Musen, die ihr ihm, so bald er angelangt,
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Ein frohes Jubel-Lied auf euren Häynen sangt,
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Hängt Harff und Zitter auf, werfft eure Flöten nieder,
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Und singt bey seiner Flucht nur eitel Klage-Lieder.
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Seitdem, verreißter Printz, hier unsre Linden-Stadt,
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Von Deiner Herrlichkeit den Strahl vermisset hat,
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Sieht alles dunckel aus, der Mauern ödes Wesen,
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Läst uns ein Ebenbild von Wüsteneyen lesen;
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Die Sonne hüllet sich in trübe Wolcken ein,
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Die Deiner Nachbarschafft hier soll beraubet seyn,
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Und Luna, die den Glantz von Deinen lichten Orden
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Verliehrt, ist blaß und bleich vor Kümmerniß geworden.
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Wir stellen uns mit Schmertz die Treflichkeit von Dir,
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Und Deine Seltenheit noch augenblicklich für;
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Ein jeder, welcher Dich und Deinen Geist erblicket,
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Hat sich Dein Bild recht tieff in Seel und Hertz gedrücket,
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Bewundre solches nicht, warum gleich aller Welt
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Dein mehr als prächtger Strahl in die Gedancken fällt,
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Es reitzen uns darzu die Götter gleichen Gaben,
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Vor die man, Grosser Printz, muß Lieb und Ehrfurcht haben;
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Jedoch was schildern wir zu desto größrer Pein
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Uns Deine Schöhnheit ab? Da Deines Purpurs Schein
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Nach andern Völckern sich bedaurens-werth will lencken,
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Woran wir wahrlich recht mit Eifersucht gedencken,
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Ihr Pierinnen kommt, hier ist der Linden-Plan,
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Erwählt den schönsten Baum, schneidt seinen Nahmen an,
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Damit noch dermahleinst die späthe Welt mag lesen,
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Wie schmertzlich, leider uns! sein Abschied sey gewesen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

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