An Seine Hoch-Reichs-Gräfliche Excellenz Tit. Herrn

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christiana Mariana von Ziegler: An Seine Hoch-Reichs-Gräfliche Excellenz Tit. Herrn (1727)

1
Der Tag,
2
An dem Du ehemahls das Licht der Welt erblickt,
3
Man sieht am Horizont viel tausend Sternen brennen,
4
Doch Dein Geburths-Gestirn macht unsre Stadt entzückt.
5
Die Musen machen sich bereit zum sing- und dichten,
6
Dieweil man wohl mit Recht Dich ihren Schutz-Gott heißt,
7
Es kan ihr embßger Kiel nichts herrlichers verrichten,
8
Als daß er heute Dir gebückt sein Opfer weißt.
9
Nicht wundre Dich,
10
Erlesne Schaar den Saum von Deinen Purpur küst,
11
Denn ob sie gleich darbey mit Ehrfurcht sich besinnen,
12
Daß Du ein Krieges-Gott nach Famens Ausspruch bist,
13
So kan Dein Anblick doch sie nicht so leicht erschrecken,
14
Die Pallas, welche sie beschützt und auch regiert,
15
Pflegt sich mit einen Helm und Pantzer zu bedecken,
16
So offt sie diese Schaar auf Phöbens Häyne führt.
17
Man sieht auf dem Casquet von Dir die Feder blitzen,
18
Doch führst Du selbge mit zugleich auch in der Hand,
19
Dein Arm weiß Krieges-Volck und Musen zu beschützen,
20
Denn beydes ist der Welt mehr als zu wohl bekannt;
21
Diß aber möchte Dich vielleicht in Wunder setzen,
22
Daß meine schwache Hand den Ohnmachts-vollen Kiel,
23
Am Tag, den Sachsen-Land vor küssens-werth muß schätzen,
24
Dir aus besondern Trieb zur Seiten legen will.
25
Was dünckt Dich,
26
Wagt sich, es ist zu frey, an Deine Tafel hin,
27
Allwo Dir Männer nur gebeugt ihr Opfer bringen,
28
Zu deren Orden ich nicht mit zu zehlen bin.
29
Doch mein Beginnen ist nicht strafbar zu benennen,
30
Schau nur,
31
Und sag, ob wir uns nicht darzu mit stellen können?
32
Sie seynd mit gleicher Tracht, wie wir, auch angethan.
33
Kan meine Muse gleich Dir keinen Weyrauch zeigen,
34
Den man bey jauchzenden und jubel-vollen Schreyn,
35
Sieht biß an Baldachin erhabner Seelen steigen,
36
So laß den Willen doch der That hier ähnlich seyn.
37
Es mögen andre Dir, die nettre Flöten führen,
38
Mit einen Helden-Lied erfreut entgegen gehn,
39
Ich scheue mich vor Dir mein Saitenspiel zu rühren,
40
Drum soll ein schlechter Wunsch hier statt des Opfers stehn:
41
Der Himmel müsse Dich auf Adlers Flügeln tragen,
42
Damit Dein edler Fuß nichts zu befürchten hat,
43
Er überstreue Dir bey froh- und heitern Tagen,
44
Mit Rosen und Jesmin stets Deine Lagerstatt.
45
Das Glücke lasse Dir noch so viel Jahre blühen,
46
Als Männer an der Zahl vor Deinem Hause stehn,
47
Die täglich auf die Wacht nach Deinen Winck aufziehen,
48
So wird es Dir so wohl, als dort dem Nestor, gehn.
49
Indessen will ich mich in Deine Huld empfehlen,
50
Verbleib,
51
O! laß mir Deine Gunst von keinem Neider stehlen,
52
Weil derer allzuviel, die mir zuwider seynd.
53
Ich kenne Dich zu wohl, Du bist ein Feind von Heucheln,
54
Und so getröst ich mich ein selbst erwünscht Geschick.
55
Solt ich mir allzu viel,
56
So gönne diesem Blatt nur einem holden Blick.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christiana Mariana von Ziegler
(16951760)

* 28.06.1695 in Leipzig, † 01.05.1760 in Frankfurt (Oder)

weiblich, geb. Ziegler

deutsche Schriftstellerin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.