Des Portes

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Hans Aßmann von Abschatz: Des Portes (1672)

1
Nichts/ was des Himmels Zorn auff unsre Schultern legt/
2
Was unsre Zärtligkeit mit Furcht und Schrecken trägt/
3
Nicht Sorge/ Leyd und Qual/ nicht Kummer/ Angst und Wehe/
4
Nicht Armutt/ Streit und Haß/ nicht Brand noch Wassers-Noth/
5
Nicht Hitze/ Kält und Frost/ nicht Hunger/ Mord und Tod/
6
Gleicht sich an Grausamkeit dem schweren Joch der Ehe.

7
Gesetze/ welches dient zum Hencker unsrer Lust/
8
Durch dessen rauhen Zwang entsteht in unsrer Brust
9
Verachtung/ Eyffer/ Neyd/ Verdruß und Widerwillen!
10
Gefängnis/ welches Leib und Geist zugleich bestrickt/
11
Gifft/ welches unsre Rast und Ruh zu Grabe schickt/
12
Das zu vergleichen steht den bitter-süssen Pillen.

13
Man sagt/ als Jupiter Prometheus kühne That
14
Zur Straff in vollem Grimm und Zorn gezogen hat/
15
Als sein verfluchter Leib den Vogeln ward zur Speise/
16
So habe sich noch nicht sein Eyffer abgekühlt;
17
Damit man nicht wie vor mit seiner Gottheit spielt/
18
Strafft er die arme Welt auff mehr denn eine Weise.

19
Es wird ein Weib von ihm den Menschen zugeschickt/
20
Der Lieb- und Freundligkeit aus ihren Augen blickt.
21
Die Alabaster Hand trägt alles Ubels Saamen
22
Gefüllet in ein Horn/ Furcht/ Feindschafft/ Traurigkeit/
23
Die Sorge samt dem Schmertz/ das Alter/ böse Zeit
24
Und was man auff der Welt hat vor verhasste Nahmen.

25
Aus ihrer Stirne macht die Venus Helffenbein/
26
Apollo flösset ihr beliebte Reden ein/
27
Ihr Hertze stält Vulcan/ Mars giebet ihr zur Steuer
28
Den kühn- und frechen Mutt/ den man noch heute schaut.
29
Der Mensch erkieset sie alsbald zu seiner Braut/
30
Wie wird doch ihm und uns die schnöde Wahl so theuer!

31
Hiervon soll der Tyrann/ der Ehstand/ kommen her:
32
Zu herrschen über uns ist einig sein Begehr/
33
Die Freyheit/ seinen Feind/ kan er nicht um sich leiden:
34
Sein Auge winckt/ es lacht der Mund/ uns lockt die Hand/
35
Den/ der zu nahe traut/ umfast ein solches Band/
36
Daß ihn der blasse Tod allein davon kan scheiden.

37
An seiner Seiten hält die Mühsamkeit die Wacht/
38
Der Fleiß/ die Arbeit giebt auff Thun und Wincken Acht.
39
An der Trabanten statt pflegt um thn her zu lauffen
40
Neyd/ Eyffer/ nebst der Furcht/ die unbekannte Pein/
41
(so schätzet sie der Wahn) Actäons Hirsch zu seyn/
42
Die späte Reue sieht man schlüssen diesen Hauffen.

43
Die blasse Traurigkeit/ der Zorn verfolgen ihn/
44
Die Liebe/ wo er herrscht/ pflegt weiter fort zu ziehn/
45
Die seiner Grausamkeit soll Deck und Larve geben.
46
Denn sie von langer Zeit zu siegen abgericht/
47
Ihr eigen Ober-Herr kennt kein Gesetze nicht/
48
Läst keinen schnöden Zwang an ihrem Hofe leben.

49
Der Dichter Schaar erzehlt von Plagen ohne Zahl/
50
Vom Steine Sisyphus und von Ixions Qual/
51
Vom schwartzen Cerberus und von Megärens Schlangen/
52
Und was sie uns noch mehr Erschrecklichs bilden für:
53
Diß alles geht noch hin: viel schwerer scheinet mir
54
Zu leiden/ wen das Joch der Ehe hält gefangen.

55
In ein Gefängnis seyn versteckt auff Lebens-Zeit/
56
Ertragen tausend Müh und Widerwärtigkeit/
57
Ein greulich Weib bey sich im Hauß und Bette wissen/
58
Sie hütten/ wo sie schön/ nachforschen was man sagt/
59
Mit steter Furcht/ mit Zorn/ und Sorge seyn geplagt/
60
Ist mehr als Tityus von seinem Geyer büssen.

61
Ich schweige/ was uns mehr vor Kummer wird gemacht/
62
So manchen schweren Tag/ so manche böse Nacht/
63
So manch verdrüßlich Wort/ und so viel herbe Klagen:
64
Wer diese zählen will/ wird eh der Sternen Heer/
65
Die Blumen durch den Mäy/ den leichten Sand am Meer/
66
Die Aehren durch das Feld in ein Register tragen.

67
Warum denn brauchen wir Vernunfft und Augen nicht/
68
Zu fliehen diesen Ort wo andern weh geschicht!
69
Warum denn wollen wir nicht diesen Abgrund meyden?
70
Selbst unser Untergang gefällt uns allzuwohl/
71
Wir schmieden dieses Schwerdt/ das uns verletzen soll/
72
Und suchen uns den Fels/ an dem wir Schiffbruch leiden.

73
Hielt unsre Augen nicht ein tieffer Schlaff verblendt/
74
Es würde die Gefahr am Hochzeit-Tag erkennt/
75
Und was vor Glück und Lust ins künfftig sey zu hoffen.
76
Der hellen Fackeln Brand stimmt unserm Brande bey/
77
Der Musicanten Schall/ die Unruh/ das Geschrey/
78
Scheint unser künfftig Leyd und Leyden auszuruffen.

79
Hört Menschen/ die ihr nicht auff rechtem Wege seyd/
80
Und eilet gleich/ als blind/ in schwere Dienstbarkeit/
81
Seht auff das mindste wie und wen ihr sollet nehmen:
82
Bringt euch ein reiches Weib viel Schätz und Gütter ein/
83
So muß eur Ohre taub/ die Zunge stumm zu seyn/
84
Das Auge nicht zu sehn sich alsobald bequemen.

85
Was bildet ihr nicht ein ihr auffgeblasner Geist/
86
Der den verachten Mann bald so/ bald anders heist/
87
Und täglich/ daß er ihr nicht werth noch würdig/ saget?
88
Was sie gedenckt und thut ist voller Tyranney.
89
Ein Sclave/ welchen stets der schweren Geissel Bley/
90
Der harte Prügel treibt/ ist nicht/ wie er/ geplaget.

91
Bringt sie die Armutt euch zur Steuer in das Hauß/
92
So weichet alle Lust und alle Freude draus/
93
Der nackten Kinder Last/ die Brodt zu heischen pflegen/
94
Der leeren Kasten Zahl/ des Mangels Uberfluß
95
Macht/ daß man Tag und Nacht in Sorgen leben muß.
96
Da/ wo die Armutt ist/ kömmt alles ungelegen.

97
Nehmt ihr ein schönes Weib/ so dencket zuvorhin/
98
Daß Furcht und Sorge nie von eurer Schwelle ziehn/
99
Des Nachbars Blicke kan eur Eyffer nicht verbitten/
100
Ihr stellt ein jeder nach: Wer jeden hindern will
101
Der richtet wenig aus und unterfängt sich viel/
102
Ein schönes Frauensbild ist sehr beschwert zu hütten.

103
Nehmt ihr ein häßlich Weib/ Vergnügen gutte Nacht!
104
Aus eurem Hauße wird ein Kercker euch gemacht/
105
Kein Sonnenschein wird euch erfreuen oder plagen/
106
Die Thränen sind eur Tranck/ Betrübnis eure Kost.
107
Denckt bey euch selber/ was ihr haben könt vor Lust/
108
Des schönsten Weibes kriegt man satt in dreyen Tagen.

109
Wen ein vergiffter Pfeil von Amors Bogen trifft/
110
Der brauche nur alsbald das starcke Gegen-Gifft:
111
Es wird ihm Lieb und Lust in kurtzer Zeit vertreiben.
112
Hat dein verliebtes Hertz entzündet fremde Zier:
113
Begehrstu kalt zu seyn? vermähle dich mit ihr.
114
Kein besser Mittel kan Hippocrates verschreiben.

115
O Leben/ welches uns das Leben sauer macht/
116
Tod/ den der Tod allein kan tödten/ gutte Nacht!
117
Zur Rache müsse sich mein ärgster Feind vermählen.
118
Mein ungezwungner Geist bleibt von dir ungefällt/
119
Die Freyheit gehet mir vor alles in der Welt/
120
Ich will mir eh ein Grab/ als eine Frau erwählen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.