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An einer Pflantze feuchter Spitze
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Sah ich, in früher Morgen-Zeit,
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Als Erd’ und Luft voll reiner Heiterkeit,
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In einem Tröpfgen Thau, viel helle bunte Blitze.
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Ich sprach, als ich vor Lust mich kaum besann,
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Das bunte Tröpfgen folgends an:
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Wie kommt es, daß in deiner Ründe
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Ich ein so herrlich, buntes Licht,
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Mit fast geblendetem Gesicht,
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In solchem hellen Schimmer finde?
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Drauf deucht mich, daß ich sehend hörte,
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Wie es, mit klarer Schrift, mich dergestalt belehrte:
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Was mich mit solchem Glantz erfüllt,
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Ist das mir eingeprägte Bild
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Der Sonne, die so wunder-schön,
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Und die ihr, obgleich ihre Pracht
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Allein die Creatur so schön, so herrlich, macht;
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Dennoch kaum würdigt anzusehn.
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Damit ich nun, so viel an mir,
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Die Quell des Lichts und Lebens dir,
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Zu unsers grossen Schöpfers Preise,
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Doch wenigstens im Abdruck weise
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So stell ich dir ihr herrlich Licht,
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Durch meine Klarheit, ins Gesicht.
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Ja ich verricht’ es nicht allein;
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Viel Millionen an der Zahl
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Bestreben sich, nebst mir, um auch den Strahl,
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Den allbelebenden und Wunder-reichen Schein,
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In deutlicher Copie, zu zeigen;
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Damit ihr zum Original,
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Durch ihren Glantz gerührt, bewundernd möget steigen.
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Ich ward gerühret durch die Klarheit
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Der von dem Tropffen Thau mir angezeigten Wahrheit;
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Ich wendete mein geist- und cörperlich Gesicht,
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Voll Lust und Danck, zum hellen Sonnen-Licht,
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Und danckte GOtt, daß er derselben Pracht
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Dem schönen Morgen nun, nach dem der Tag verschwunden,
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Und sich der Abend eingefunden,
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Folgt’ eine ja so schöne Nacht.
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Ich sahe denn, bey heitrer Luft, im Dunckeln,
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Die ungezehlten Sterne funckeln.
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Wie ich nun früh, vor Lust erstaunt, den Thau gesehen;
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So kam bey noch in mir vorhand’nen Thau-Jdeen,
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Nun auch der helle Himmel mir
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Als wie ein weites Feld von gläntzendem Sapphir,
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Und, recht wie Tropfen Thau, die hellen Sterne für.
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O! rieff ich, welch ein Feld! O! welch ein Wunder-Thau,
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Womit ich es erfüllet schau!
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O welche Tropfen! deren Grösse
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Ich kaum mit den Gedancken messe!
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Und die, wie unser Thau, ihr Prangen
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Nur blos von einer Sonn’ empfangen!
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O! welche Sonne! die nicht nur solch Sonnen-Heer,
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Aus ihrem ew’gen Lichtes Meer,
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Als so viel Tropfen schmückt und zieret;
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Nein, die derselben Kraft und Pracht,
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Durchs Feur der Lieb’, hervorgebracht,
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Zum Nutz der Creatur formiret!
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Ach laß, o ew’ges Liebes-Licht,
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So oft ich, in des Himmels Höhe,
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Der Sonnen grosse Tropffen sehe;
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Doch meine Seele, durchs Gesicht,
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Zu dir, in ihrer Meng’, als so viel Staffeln, steigen,
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Und, voller Ehrfurcht, nie von deinem Ruhme schweigen!