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Die liebliche Johannis-Beer
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Bewegt mich jetzt, zu GOttes Ehr,
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Ein neues Liedchen anzustimmen.
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Ich seh’ sie durch der Blätter Grün,
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Gleich einem funckelnden Rubin,
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In rohtem Schimmer gläntzend glühn,
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In rothem Licht und Feuer glimmen.
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Wenn man zuerst die gelblich grüne Blüth’,
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Wie zierlich sie gebildet, sieht;
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Ergetzet sich mit Recht ein Menschliches Gemüth.
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Indem die spielende Natur
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Sie mit der zierlichsten Figur
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Und sanften Farben ausgeschmücket:
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Allein was wird gar bald an ihr erblicket?
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Ein jedes Blümchen dehnet sich
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Am Stengel in vollkommner Ründe,
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Und zeiget recht verwunderlich
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Ein Kügelchen, so ich erst grünlich finde;
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Doch wird nicht lang’ hernach aus diesem Grünen
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Das allerschönste Roth. Man sieht es, wie Carbunckeln,
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Durchsichtig gläntzen, glühn und funckeln.
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Man ründe funckelnde Rubinen,
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Mit allen Fleiß, mit aller Kunst und Müh,
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Man schleiffe, man poliere sie,
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Und sehe denn, ob man in ihnen
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An Ründe mehr Vollkommenheit,
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An Röth’ und Glut mehr Glantz und Lieblichkeit,
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Als an der funckelnden Johannis-Beer,
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Zu ihrer und zu unsers Schöpfers Ehr,
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Ersehn und finden kann?
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Zumahl sie all an kleinen Stangen,
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In andrer Ordnung noch, als wie die Trauben, hangen.
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Ja, was noch mehr, man trift in ihnen an
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An Farben, und Geschmack von süsser Säurlichkeit
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Solch einen grossen Unterscheid,
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Als man nicht leicht an andern Früchten findet;
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Da mit der Röhte sich bey vielen weiß verbindet,
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Da viele gäntzlich weiß, theils leibfarb, schwartz so gar.
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Die alle nun bedeckt der grünen Blätter-Schaar.
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Die ebenfals mit sondrer Zierlichkeit
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Von Fingern der Natur formiret,
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Und nett, wie Wein-Laub fast, gezieret.
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Wie angenehm, wie lieblich, und wie schön
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Die Frucht nun anzusehn;
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So lieb- und nützlich ist der säurlich süsse Saft
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Und sein’ erquickende sanft kühlend’ Eigenschaft,
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Da sie nicht roh’ allein,
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Der Zungen angenehm, dem Blut erfrischend seyn;
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Nein, da sie auch, in Zucker eingeleget,
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So wol den Krancken, als Gesunden,
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Zu laben zu ergetzen pfleget.
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Welch eine Linderung wird nicht im Stein empfunden,
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Durch ihre schwartze Frucht! Wenn uns das Wasser
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Nicht minder in der Gicht und Winden auch
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Ist heilsam, ist bewehrt und dienlich ihr Gebrauch.
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Ach mögten wir denn doch, wenn wir dich sehn und essen,
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Beliebte Frucht, in dir des Gebers Güt’ ermessen
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Und ihm in unsrer Lust zu dancken nicht vergessen!