[gott du hast unser gnug begehrt]

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: [gott du hast unser gnug begehrt] (1632)

1
Gott du hast unser gnug begehrt,
2
Uns gnug zu dir gelocket.
3
Wer hat sich groß zu dir bekehrt?
4
Wer nicht sein Hertz verstocket?
5
Nun ist dein Zorn auch angebrandt,
6
Wie wird es uns ergehen!
7
Dann deiner außgereckten Hand
8
Taug nichts zu widerstehen.

9
Die Pestilentze dein Gericht,
10
Greifft umb sich hin und wieder,
11
Der Glocken Klang-Lied feyret nicht,
12
Wir fallen häuffig nieder
13
Und tragen für einander Scheu.
14
Wir müssen einsam leben
15
Und uns der alten Lieb und Treu
16
Aus Todes-Furcht begeben.

17
Wir fliehen unsre Stadt und Hauß,
18
Und keiner seine Sünden,
19
Der schauet hie, der dort hinauß,
20
Gesunde Lufft zu finden.
21
Wo aber ist dem Leben Raht,
22
Wolt ich die Welt auch fliehen,
23
Wann ich nicht meiner Missethat
24
Werd auß dem Wege ziehen?

25
Ein Hirsch, dem schon des Jägers-Pfeil,
26
Das Hertz hat eingenommen,
27
Es lauff in Windgeschwinder Eil,
28
Wird es dem Todt entkommen!
29
Wol dem, der von der Sünden läst,
30
Kein Gifft wird den erschleichen,
31
Ja er wird beydes hie der Pest,
32
Der Höllen dort entweichen.

33
Hilff, Vater, uns in diesem Lauff,
34
Dein Sohn, das wahre Leben,
35
Thu seine Seit und Händ uns auff,
36
Dareinn wir uns begeben,
37
Und weil wir deines Eiffers Glut
38
(wie recht) empfinden müssen,
39
Lehr uns die wolverdiente Ruht
40
In tieffster Demuht küssen.

41
Laß uns auß großer Bangigkeit
42
Des Todes nicht verzagen,
43
Dann wer hat nicht zu seiner Zeit
44
Die Schuld dir abzutragen?
45
Und wol uns, daß dein Krieges-Schwerdt
46
Nicht eindringt zu uns allen,
47
Und wir geschätzt sind noch so werth,
48
In deine Hand zu fallen.

49
Breit über uns in der Gefahr
50
Die Flügel deiner Gnaden,
51
Nimm unser Tritt und Wege war,
52
So wird kein Gifft uns schaden,
53
Trett' auch die Höll in einen Sinn,
54
Uns feindlich zu bestreiten,
55
Und fielen tausend Scharen hin
56
Umb uns auff allen Seiten.

57
Geriethen wir dann in den Todt,
58
So hilff uns ihn bezwingen,
59
Bleib bey uns in der letzten Noht
60
Und lehr uns sieghafft ringen,
61
Nimm unsre Seel in Abrams Schoß,
62
Die sich umb dich bewerben,
63
Die Pest sey zehenmal so groß,
64
Sie können selig sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.