Gerechter Gott, wo wil es hin

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Simon Dach: Gerechter Gott, wo wil es hin Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Gerechter Gott, wo wil es hin
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Mit diesen kalten Zeiten?
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Was Straffe hastu doch im Sinn
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Mit uns verkehrten Leuten?
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Was wird der stete Reiff und Schnee,
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Der Schlossen Fall zu Land und See
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Uns Armen noch bedeuten?

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Die Sonn ist hoch, der liebe Tag
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Beynahe funffzehn Stunden,
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Noch liegt das Erdreich wie es lag,
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Durch strengen Frost gebunden.
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Dem Landmann sincket Muht und Hand,
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Dieweil das Eisen-harte Land,
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Noch keinen Pflug empfunden.

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Der Himmel steht nicht wie er stund
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Mit Land und See vertragen,
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Natura scheint den alten Bund
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Erzürnt uns auffzusagen,
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Dieweil ihr Wechsel nun gebricht
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Mit Kält und warme Sonnen-Licht,
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Mit Nächten und mit Tagen.

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Die Frühlings-Bohten kamen schon
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Mit Singen angezogen,
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Die sind zugleich mit ihrem Ton
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Für rauher Lufft verflogen,
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Man bringt kein Grähtchen fast zu Kauff,
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Die Fisch und alles wird zu hauff
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Von uns zu ziehn bewogen.

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Das Wild geht Krafftloß und verwirrt
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Nach Nahrung in den Heyden,
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Das Vieh ist traurig wie der Hirt
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Und kann sich nirgends weyden,
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Es blöckt und brüllt in grosser Schaar,
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Man mus das Stroh von Dächern gar
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Für sie zu Futter schneiden.

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Der theure Holtz-kauff zehrt uns schier
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Das Marck aus allen Beinen,
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Man hört mit Jammer da und hier,
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Für Frost das Armuht weinen,
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Es schreyt dich an aus Angst und Qual:
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Erbarm dich Gott, und laß einmahl
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Die Sonne lieblich scheinen.

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Wir aber sehen dis Geschrey,
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O Gott für dir verlohren,
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Es kömmt nicht deinem Hertzen bey,
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Als wer auch dies erfroren.
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Du kennst zwar unser Ungemach
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Und hörst uns auch, ach aber ach,
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Mit ungeneigten Ohren.

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Dies alles liebster Vater macht
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Der Winter unsrer Hertzen,
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Die wir durch kalte Sünden-Nacht
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Dein Gnaden-Licht verschertzen.
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Wer ist auff dich in Lieb entbrand?
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Drumb sind in Frost auch umbgewand,
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Herr deine Liebes-Kertzen.

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Wer hat dein heiliges Geheiß
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Zu halten sich beworben?
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Zu allem guten sind wir Eyß,
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Und durch und durch erstorben,
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Hie ist kein Füncklein Liebe mehr,
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Für Lust zu Wollust, Geld und Ehr,
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Und was uns sonst verdorben.

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Wir klagen, Herr, dir solches Leid
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Mit Kummer im Gewissen,
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Ach laß in solcher Härtigkeit
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Uns ja unhingerissen,
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Erwärm uns durch dein Gnaden-Licht
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Und laß uns unser Angesicht
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Von heissen Thränen fliessen.

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Und siehest du denn uns nicht an,
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Das nimmer wird geschehen,
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Was hat dir Vieh und Wild gethan,
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Das neben uns muß flehen?
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Vernimb nur ihr Geschrey und Weh,
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Die Thier hastu zu Ninive
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Schon vormals angesehen.

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Du Sonne der Gerechtigkeit,
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Laß deinen Glantz uns strahlen
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Und dann die liebe Frühlings-Zeit,
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Feld, Wald und Berge mahlen,
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Laß sanffte Wind und Sonnenschein,
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Sampt Regen die gehabte Pein
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Zehnfältig auch bezahlen.

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Du suchtest vor heim Land und Stadt,
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So offt wir dich anrieffen,
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Laß itzt auch deiner Füsse Pfad
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Mit Fett und Oele trieffen:
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Erhör uns Herr in aller Noht,
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Uns, die wir deines Sohnes Tod
91
Mit Glauben fest ergriffen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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