[sind wir denn noch nicht gnug]

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Simon Dach: [sind wir denn noch nicht gnug] (1632)

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Sind wir denn noch nicht gnug
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Die Zeit her mit genommen?
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Wenn werden wir doch klug
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Den Straffen zu entkommen?
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Es sind drey volle Jahr
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Seit uns der Krieg zerrissen,
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Da Drangsal und Gefahr
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Vns grawsam hart geschmissen.

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Die Pest hat uns verheert,
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Das Vieh ist uns gestorben,
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Mars hat das auffgezehrt
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Was wir durch Müh erworben,
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Der Himmel ist uns feind,
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Daher das Liecht der Sonnen,
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Das uns so selten scheint,
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Nur Thränen hat gewonnen:

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Die Gerste reiffet nicht,
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Kein Sommer ist gewesen,
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Ist, nun der Herbst anbricht,
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Noch erstlich ein zu lesen,
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Selbst die Natur wird laß
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Vnd misset Hertz und Hände,
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Jetzt ist es all zu naß,
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Itzt stürmet es ohn ende.

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Vnd kömpt der Segen ein,
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Wer weis wer ihn verzeeret,
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Die Wild' ist noch nicht rein,
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Keydan itzt auch verheeret,
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Das arme LandVolck fleucht
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Zu Vns mit Furcht und Schrecken,
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Wie, wann der Habicht zeucht,
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Die Tauben sich verstecken.

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Für dieser Nachbarschafft
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Hat mir allzeit gegrawet,
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Kein Leben keine Krafft
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Wird schier in mir gechawet,
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Gedenck ich nur daran.
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Lasst keinen Fried euch träwmen,
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Kein guttes, eh und wan
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Sie nicht die Grentzen räumen.

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Von jenem andern Heer
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Wil ich nicht einmal sagen
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Das ietzt zu Land und Meer
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Bekrieget Coppenhagen:
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O eine grosse Noht,
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Darinn wir alle schweben,
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Gefängnis Trübsal Tod
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Die stehn nach unserm Leben.

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Vnd wir in dieser Stad
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Wir können uns noch brüsten,
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Sind übrig fett und satt
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Von Hoffart und von Lüsten.
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Wir schlummern, druckt das Joch
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Vns gleich von allen seiten,
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Als wären bey uns noch
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Es lauter güldne Zeiten.

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O flieht' mit aller Macht
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Das Gold und das Geschmeide
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Die Leinen-Flieger Tracht,
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Vnd geht im Bettel-Kleide,
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Für allen wenn ihr nun
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Vor ewren Gott wollt tretten,
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Ihm einen Fußfall thun
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Mit Thränen und Gebehten.

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Vieleicht wird er bewegt
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Vns Gnade zu gewehren,
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Als der erbarmen trägt
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So bald wir uns bekehren:
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Wer aber dieses thut
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Der hat sich nicht zu kräncken
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Wenn auch der Hellen Glut
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Ihn woltte gar erträncken.

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Denn seine Zuversicht
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Ist Gott in allen Nöhten,
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Der lässt die Seinen nicht
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Auch scheint er sie zu tödten,
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Ja er nimmt ihrer war
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Wie Daniels Gesellen,
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Der keinem nicht ein Har
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Versengt ward in der Hellen.

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Der weis sich ewer auch,
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Fraw, trewlich anzumassen
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Seyd ihr nach Glaubens brauch
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Ihm gantz und gar gelassen:
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War ist es, dieser Zeit
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Ach! umb den Haußwirth kommen
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Ist nicht geringes Leid,
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Ihr Schutz wird ihr genommen.

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Allein ist Gott nicht mehr?
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Ihr habt euch vor zu schawen
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Damit ihr nicht zu sehr
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Auff Fleisch setzt das Vertrawen.
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Den Meinen sag ich offt
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Wenn Kranckheit mich befallen:
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Gott sey, auff den ihr hofft,
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Ergebt euch dem für allen.

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Nicht führet umb mich Pein
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Sterb' ich heut oder morgen,
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Ihm bleibt die Ehr' allein
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Euch besser zu versorgen,
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Auff mich nur sehen, heisst
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Auff Menschen sich verlassen,
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Das uns des Herren Geist
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Verbohten aller massen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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