[ein Denckmahl dir zu schreiben]

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Simon Dach: [ein Denckmahl dir zu schreiben] (1632)

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Ein Denckmahl dir zu schreiben,
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Herr Kröl, ist meine Pflicht,
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Ich muß es lassen bleiben,
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Die Kranckheit lässt mich nicht:
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Bey dieser Hitze singen,
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Vnd seiner mächtig seyn,
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Ist Tag aus Nacht erzwingen
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Vnd Wasser aus dem Stein.

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Chimären Vngehewer,
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Augien Stall und Wust,
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Vnd, Sterope, dein Fewer
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Wohnt itzt auff meiner Brust,
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Für Hitze meiner Lungen
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Ist gar kein Speichel schier
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Auff meiner schwachen Zungen
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Vnd alles glut bey mir.

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Kein Hirsch kömpt so geronnen
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Vnd lescht den Schlangen-stich
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Mit einem kühlen Bronnen,
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Noch Tantal sehnet sich
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So ängstig nach den Quellen,
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Als ich, ob eine Kunst
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Mir endlich möchte fällen
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Den grossen Durst. Umbsonst.

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Der Artzt ist selbst dawider
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Setz' ich die Feder an,
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Spricht: Dieses schwächt die Glieder,
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Laß schreiben wer da kan.
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Lass' ich es nach? mit nichten,
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Die Liebe treibt mein Spiel,
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Ich muß dir etwas tichten,
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Es klinge wie es wil.

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Doch wie sol das nicht klingen
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Was wahre Treu erdacht,
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Vnd Freundschafft lehret singen?
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Kein schöner Music-Pracht
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Kan also Gott gewinnen
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Als wenn ohn falschen Neid
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Ein Band von trewen Sinnen
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Macht' ein' Einhelligheit.

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Offt sind wir zu dir kommen
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Der selig' Albert, ich.
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Dein Gart hat auffgenommen
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Vns beyde brüderlich,
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Wie liessest du da blicken
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(wo ist die süsse Ruh?)
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In tausent Liebes-Stücken
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Dich und dein Hertz dazu.

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In dem da auff uns hielten
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Lufft, Bäume, Vögelein
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Vnd wir zusammen spielten,
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So sangest du darein,
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Da ward kein Wort verlohren
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So üppigheit gesucht,
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Da hat man nicht geschworen,
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Da hat man nicht geflucht.

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Es ward da nicht gefehdet,
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Kein Mensch ward da zerlegt
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Und hinterrücks beredet
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Wie zu geschehen pflegt.
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Das Gras des Höchsten Güte,
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Der Erden reicher Leib,
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Die Bäum' und ihre Blüte
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War unser Zeit-vertreib.

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Nun ist dies Band zerstücket,
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Erst Albert unser Sinn
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Ist lang hinweg gerücket,
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Jetzt fährest du auch hin,
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Ich rühre noch die Glieder,
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Doch fehlt es nur ein Haar,
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So lieg' ich auch danieder
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Vnd ziere meine Baar.

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Wie aber ist es kommen,
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Daß du durch diesen Fall
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Vns bist hinweg genommen?
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Mein Sinn forscht überall.
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That es dein böses Leben?
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Kein Kind kan frömmer seyn.
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Warst du dem Soff ergeben
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Vnd andern Lastern? nein.

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Wenn hat man nicht gesehen
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Dich in der Frommen Raht
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Gott umb Erbarmung flehen
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In unsrer Missethat?
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O wohnte bey uns allen
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Nur deine Frömmigheit,
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Er hätt' uns nicht befallen
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Der Jammer dieser Zeit,

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Dieß grausam Vngewitter
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Für welches letzten Noht
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Ich wie ein Laub erzitter'
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Vnd bleibe nur nicht tod.
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Es sind der Satzung Hände
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Die machen es mit dir,
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Du lieber Freund, ein Ende,
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Und holen dich von hier

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In deine stille Kammer,
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In deine stoltze Ruh.
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Du hast für allem Jammer
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Da Aug- und Ohren zu,
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Was etwa heut und morgen
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Vns hie begegnen sol,
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Da-lässt du uns-für sorgen,
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Du aber schläffest wol.

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Vnd hast du nicht empfunden
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Was Lust die Eh gewehrt,
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So waren auch nicht Wunden
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Die deinen Tod beschwert.
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Kein schlechtes ists verscheiden
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Und Weib und Kind allein,
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Wer weis zu welchem Leiden,
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Hie lassen übrig seyn.

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Leb wol in solchen Wonnen
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In solchem hellen Pracht,
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Für dem der Glantz der Sonnen
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Ist eine finstre Nacht!
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Dein Grab müss' ewig grünen,
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Die Nymfen müssen dir
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Asch' und Gebein bedienen
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Mit allzeit-stiller Zier:

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Ich wäre schier gewesen,
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Mein Durst nimmt aber Ruh,
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Ich scheine zu genesen,
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Gott weis allein wozu:
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Ihm hab ich Danck zu sagen,
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Er längert mir den Lauff:
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Doch kompt zu grössern Plagen
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Ihm mancher wieder auff.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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