Thu die Begierden in den Bann

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Simon Dach: Thu die Begierden in den Bann Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Thu die Begierden in den Bann,
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Vnd sey der Sünden Obermann,
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Bleib Gottes, frey, dein eigen,
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So hast du höher es gebracht
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Als müsten sich vor deiner Macht
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Ost, Nord und Abend neigen.

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Was herrscht ein König weit umbher,
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Das Reich der Erden, und das Meer
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Ist seinem Raht zu wenig,
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Ist er der schnöden Lüste Knecht?
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Ihr Herr seyn, dieses ist erst recht
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Ein Fürst seyn oder König.

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Liebt ihr Gewaltigen Verstand,
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Habt ewren Zorn stets in der Hand,
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Lasst keine Lust euch treiben
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Ohn die Gesetz und Urtheil führt,
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Dann lasst euch König', als gebürt,
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Und was ihr seyn wollt, schreiben.

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Ihr seyd es einem falschen Wahn,
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Der Todes-Furcht seyn unterthan,
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Jetzt dies jetzt das begehren,
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Beweglich seyn den Wellen gleich
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Heisst dienen, müst' auch alles Reich
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Euch Huldigung gewehren.

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Wer aber macht uns also frey
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Von der Begierden Tyranney?
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Kan Zeno es verrichten
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Sampt andern die hievon gelehrt?
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Vnd ob man Plato, ob man hört
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Dich, Socrates? mit nichten,

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Wie hochgewitzt sie sonst auch sind,
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Hie sind sie ungeschickt und blind,
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Kan Moses uns erretten?
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Ach nein, Er zwingt nur, flucht und dreut
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Vnd schleusst uns in die Dienstbarkeit
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Mit einer ewign Ketten.

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Die Freyheit ist des Himmels Gut,
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Gott hat sie durch sein eignes Blut
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Sehr thewer uns erworben,
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Wer das im Glauben fassen kan
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Ist alsobald, ein freyer Mann,
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Der Sünden abgestorben.

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Er giebt der schnöden Lust nicht raum,
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Hält die Begierden streng' im Zaum,
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Sucht einig Gott zu leben,
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Hat Scham der Laster Joch zu ziehn,
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Nachdem sein Heyland sich für ihn
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Selbst in den Tod gegeben.

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Wer solcher Art ist fey gemacht
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Tritt unter sich der Erden Pracht,
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Vnd kan nichts höhers werben,
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Ist hie schon Gottes Engeln gleich
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Vnd hat ein ewigs Königreich
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Vnd Priesterthum zu erben.

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Vnd stürmt dies Leben zu ihm ein
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Mit Armut und mit Kranckheit Pein,
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Gedult macht ihn bescheiden,
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Er trägt sein Creutz getrost und still,
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Vnd weis, wer dort mit herrschen wil,
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Der mus auch hier mit leiden.

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Die ärgste Knechtschafft endlich scheint
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Der Tod zu seyn, der letzte Feind,
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Zeigt er uns seine Klawen,
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Ins ewig' Elend uns verbannt,
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Da wir der Schatten finstres Land
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Vnd die Verwesung schawen.

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Was aber ist der Frommen Tod?
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Nichts als die Endschafft aller Noht,
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Ihr Wünschen und Verlangen,
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Der Haffen ihrer grossen Müh,
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Vnd eine Thür durch welche sie
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Zur Freyheit erst gelangen.

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Die Nacht nach der ein Freytag tagt
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Den keine Finsterniß verjagt,
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Als welcher hat gewonnen
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Zu seinem Schein das wahre Licht
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Das aller Schatten Macht zerbricht
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Und gläntzt für tausend Sonnen.

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Nun diesen Freytag feyrest du,
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O Freytag, in gewünschter Ruh,
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Der Dienst der eiteln Erden,
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Den du fast eilffmal sieben Jahr
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Getragen, muß dir immerdar
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Nun Ruh und Freyheit werden.

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Gebrauch dich ihr, O Seele, wol,
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Wir sind noch aller Knechtschafft vol
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Weil wir im Leibe wohnen,
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Gott mach uns hie der Sünden frey
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Vnd leg' auch uns im Himmel bey
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Die güldnen Freyheit-Kronen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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