Jerusalem du schöne Stadt

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Simon Dach: Jerusalem du schöne Stadt Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Jerusalem du schöne Stadt
2
Vnd wahres Frewden-Leben,
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Die der Mann vor gesehen hat
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Hoch in den Lüfften schweben,

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Den Patmos und die wüste See
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Gefänglich hielt' ümbschlossen,
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Als Sathan alles ärgste Weh
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Bracht' auff die Christgenossen,

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Du Wohnhaus solcher Herrligkeit
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Die weder uns zu Sinnen
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Mag kommen noch in diese Zeit,
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Gott wohnt bey dir darinnen.

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Der ist dein ewig-helles Liecht,
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Von dem du Glantz gewonnen,
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Darümb darffst du des scheines nicht
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Des Mondes noch der Sonnen.

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Das Gold muß uns das höchste seyn,
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Dir wil es unwehrt fallen,
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Die Thör in dir sind Edelstein,
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Die Gassen sind Cristallen.

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Kein Brand, kein Frost beleidigt dich,
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Kein Mangel kan dich irren,
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In dir regt keine Mißgunst sich,
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Kein Leid kan dich verwirren.

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Du nimmst allein die Vnschuld an,
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Vnd kennst allein die Frommen,
27
Was hie nicht Sünde lassen kan
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Das thar in dich nicht kommen.

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Vnd was hie stets auff Rosen geht,
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Dem Hochmuht ist ergeben,
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Nicht nach den wahren Gütern steht,
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Das wird in dir nicht leben.

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Denn die verträget nicht dein Hauß
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Die hie zu Gott nicht eilen,
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Die Hunde stößt man dort hinaus,
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Woselbst sie ewig heulen.

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Du hältest unsre Lüst' im Zaum
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Beschneidst uns an den Sinnen,
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Daß die Begierden wenig raum
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Allhie bey uns gewinnen,

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Daß wir der schnöden Sündensucht
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Der Erden uns entziehen,
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Vnd durch des Fleisches strenge Zucht
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Hinauff begierig fliehen.

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Ertragen frewdig Armuht, Noht,
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In die Gedult uns hüllen,
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Vnd standhafft seyn biß in den Todt,
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Dieß ist ümb deinet willen.

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Schaw was für eine Seele wir
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Aus diesem Leben senden,
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Ihr Sinn und Hoffnung war nach dir,
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Vnd selig anzuländen.

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Sie kömpt von hier aus grosser Quaal
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Vnd wie aus schweren Banden,
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Hat manchen Drang in diesem Thal
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Der Thränen außgestanden.

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Kein reiner Schnee wird also weis
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Als zwar ihr Kleid befunden,
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Das rühret von dem rohten Schweiß
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Vnd von des Lammes Wunden:

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In welchen sie es hell gemacht,
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Sein purpurrohtes Leiden
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Ist ihre Königliche Tracht,
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Sonst kennt sie keine Seiden.

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Sie floh' hie für der Sünden Pfuel,
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Hat allzeit liecht geschienen,
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Jtzt sucht sie Gott vor seinem Stuel
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Ohn unterlaß zu dienen.

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Nimm sie geneigt und freundlich an,
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Was Menschen hie beleiden
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Vnd Kümmerniß erwecken kan
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Müss' ewig von ihr scheiden.

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Der auff dem Stuel sitzt liebe sie,
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Sey ihre Hut und Pflege,
75
Daß kein Verdruß und keine Müh
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Sich irgends ümb sie rege.

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Das Lamm im Stuel nehm' ihrer war
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Vnd weide sie für allen,
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Daß keine Trübsal und Gefahr
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Mög' ewig auff sie fallen.

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Er wolle Leben, Geist und Liecht
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Zu trincken sie gewehnen,
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Vnd Gott wisch' ab jhr vom Gesicht
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Den Vnmuht aller Thränen.

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Vnd irr' ich, oder hat sie schon
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Wornach sie trug verlangen?
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Ich sehe sie vor Gottes Thron
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Was sie gewünscht empfangen.

89
Weg ist ihr Schmertz, weg ihre Pein,
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Weg ihrer Kranckheit Plagen,
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Der sie must' unterwürffig seyn
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In ihren Lebens-Tagen.

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Sie weis von keiner Arbeit Last,
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Vergnügung, Frewde, Stärcke,
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Heil, Leben, Danck sampt Fried und Rast
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Sind ewig ihre Wercke.

97
Herr Fischer, diese Seligkeit
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Ertragt als Christen sollen,
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Dieß wär' ein unerhörter Neid
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Sie ihr mißgönnen wollen.

101
Sonst gönnt ihr jedermann sein Glück,
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Ja habt daran ergetzen,
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So daß ich euch in diesem Stück
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Weis wenig vor zu setzen.

105
Wie manchem bietet ihr die Hand,
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Daß er ein Mann kan bleiben,
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Vnd gründet also seinen Stand
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Als wenig werden gläuben.

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Ihr schätzt es auch für ewre Pflicht
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Den Musen bey zu springen,
111
Denn hievon geben viel bericht
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Vnd Kisch für allen dingen.

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Jtzt woltet ihr ein Vnhold seyn,
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Vnd ewre Liebste neiden
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Daß ihr ein selig Stündelein
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Geendet alles Leiden?

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Thut wie ihr angefangen habt,
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Strewt aus mit reichen Händen,
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Die Kunst werd' also fort begabt,
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Lasst ewren Sinn nicht wenden.

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Wer Armuht fühlt, der müsse nicht
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Für ewren Augen weinen,
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Nein, sondern lasset ewer Licht
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Für allen Menschen scheinen.

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So werdet ihr zu seiner Zeit,
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Satt dieser eiteln Erden,
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Ihr in der ewign Herrligkeit
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Dort beygesellet werden.

129
Vnd säetet ihr hie Fürsten gleich,
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Doch sind es schnöde Gaben,
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Dort sollet ihr das Himmel-reich
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Dafür zu erndten haben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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