Wer wissen wil was ein Soldat

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Wer wissen wil was ein Soldat Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Wer wissen wil was ein Soldat,
2
Der zwar ein Hertz zu fechten hat,
3
Nicht aber viel von Glück sol sagen,
4
Für Noht und Elend müss' ertragen,

5
Und wie der Herr zu seiner Zeit
6
Die Seinen auß der Dienstbarkeit
7
Vnd auß der schweren Arbeits-Ketten
8
Mit Freuden wisse zu erretten,

9
Der sehe Hans von Kalckstein an,
10
Er wird in diesem werthen Mann
11
Die Tapfferkeit sammt Noht und Grauen
12
Gleich wie in einem Spiegel schauen.

13
Du Weichling, welcher für den Feind
14
Allein die reiche Beute meint,
15
Und seine Mannheit darthut nimmer,
16
Ohn wann er kömt zum Frauenzimmer.

17
Geh, troll dich nur von hinnen weit;
18
Ihr, die jhr liebt Gefahr und Streit,
19
Vnd reicht dem Feind hin euer Leder,
20
Kommt, schärfft mir beydes Geist und Feder.

21
Ich fühle nicht gemeinen Brand,
22
Vnd wil durch eine weise Hand
23
Der Nachwelt zu erkennen geben
24
Deß werthen Mannes Glück und Leben.

25
Er war von vierzehn Jahren kaum,
26
Als er sich mit dem weiten Raum
27
Der Arbeit außzog einzulassen,
28
Vnd, was zur Tugend führt, zu fassen.

29
Sein treues Hertz und reiner Mund
30
Ward Joachim von Loß erst kund,
31
Da ist er bey dem grossen Sachsen
32
Zwey Jahr an Leib und Witz gewachsen.

33
Da er von dannen weiter kam,
34
Vnd Jochim Schulenburg jhn nahm,
35
Der auff Liebrose war gesessen,
36
Daß seiner Trew noch nicht vergessen.

37
Nach diesem macht er sich zurück,
38
Und höret hie von schlechtem Glück,
39
Dann jhm der Vater, sein Verlangen,
40
Schon durch den Tod war außgegangen.

41
Was solt' er thun? Sein Alter war
42
Da eben acht und zehen Jahr.
43
In dem er anders nichts kan schaffen,
44
Gewinnt er Liebe zu den Waffen.

45
O könt' ein Mensch von ferne sehn
46
Was künfftig sol mit jhm geschehn,
47
Er würde manches Vnglück meiden,
48
Nein, hierauß quillt das meiste Leiden.

49
Diß was wir haben in der Hand,
50
Ist offtmals uns nicht recht bekand,
51
Daß wir es wüsten aller Enden
52
Zu unserm Vortheil anzuwenden.

53
Ist die Gelegenheit vorbey,
54
Vnd nicht gebraucht, ereugt sich Rew
55
Verlust und Gram, und was von Plagen
56
Ein Epimetheus muß ertragen.

57
Geschweige daß der Zukunfft Stand
58
Zuvor uns solte seyn bekand.
59
Diß hat auch dieser Mann empfunden
60
Durch manche Leibs- und Hertzens-Wunden.

61
Er geht in Lieffland, und verspricht
62
Weil dazumal die Moscowitten
63
Mit jhm Smolensko wegen stritten.

64
Da sahe gantz Littauen jhn,
65
Biß jhn die Wild hieß weiter ziehn,
66
Vnd jhn die Nieper auffgenommen,
67
Wohin das gantze Heer war kommen.

68
Hie sah' er seiner Mannheit Feld,
69
Wie offt verließ er das Gezelt,
70
Hat jetzt insonders, jetzt mit Hauffen
71
Dem Feind ein Vortheil abgelauffen.

72
Sie suchten in Smolensko Brod
73
Zu bringen für der Hungersnoht,
74
Diß hat der Moscowit gerochen,
75
Vnd in dem Walde sich verkrochen.

76
Vnd als er es verhindern wil
77
Entsteht ein schönes Waffenspiel,
78
Es wird gefochten manche Stunden,
79
Biß daß der Feind ward überwunden.

80
Da ward deß Kalcksteins tapffere Hand
81
Für vielen andern gnug erkant,
82
Er wütet umb sich hin und wieder,
83
Vnd legte manchen Mann danieder.

84
Bleibt so der Sieg nun jmmer sein?
85
Vnd führt das Glück jhn nur hinein,
86
Vnd wil sich wieder von jhm drehen,
87
Eh er sich dessen wird versehen?

88
Nicht anders, als die Rede singt,
89
Daß man dem Feinde Vorraht bringt,
90
Schickt Chotgewitz auß Deutsch' und Polen,
91
Deßwegen Kundschafft einzuholen.

92
Den Deutschen wohnt' auch Kalckstein bey,
93
Der Vorraht war ein bloß Geschrey,
94
Als solches Thomascheffsky spürte,
95
Der die zween Hauffen Pohlen führte,

96
Wil er Gefangne bringen ein,
97
Die dessen Zeugen sollen seyn,
98
Vnd nimmt (o Vorwitz hoch zu schelten!)
99
Die Schiltwach von den Haupt-Gezelten.

100
Da kriegt die Kühnheit jhren Lohn
101
Nicht eine halbe Meil davon,
102
Sie werden alle rings umbgeben,
103
Er kömmt sammt vielen umb sein Leben.

104
Herr Kalckstein kämpffet ritterlich,
105
Vnd wehrt gleich einem Löwen sich,
106
Hat manchen Streich sammt einer Wunden
107
Vom Schuß forn an dem Haupt empfunden.

108
Doch siegt des Feindes grosse Macht,
109
Er wird gefangen weggebracht,
110
Vnd muß zwey Jahr viel harte Plagen
111
Im Thurn weit zu Stolitza tragen.

112
Dir, Alexander Leßle, sey
113
Gott zugethan mit aller Trew,
114
Dir und den Deutschen, die zu leben
115
Ihm heimlich Vnterhalt gegeben.

116
Jedoch als Leßle wird befreyt,
117
Kömmt er noch mehr in Dienstbarkeit,
118
Ein Abgesandter war zugegen
119
Und zwar der Crimmer-Tartarn wegen.

120
Der hört von der Gefangnen Noht,
121
Viel blieben Hungers wegen tod,
122
Viel würden sonst ihr junges Leben
123
Gezwungen kläglich auffzugeben.

124
Vnd bittet ihrer funffzehn auß,
125
Die führt er weg fern in sein Haus,
126
Ihn Kalckstein mit, der jhm nach gnügen
127
Soll seinen Acker knechtisch pflügen.

128
Wo nimt er hierzu Kräffte her?
129
Sein Leib ist von den Banden schwer,
130
Der Thurn hatt' jhm die Macht entzogen,
131
Vnd alles Blut schier außgesogen.

132
Constantinopel fällt jhm ein,
133
Da wünschet er verkaufft zu seyn,
134
Auß Hoffnung der, so ist gefangen,
135
Könn' eh zur Freyheit da gelangen.

136
Er bringet seine Bitte vor,
137
Der Tartar reichet jhr sein Ohr,
138
Sagt Ja: und als der Früling kommen,
139
Da hat Byzantz jhn auffgenommen.

140
Da wird er auff den Marckt gestellt,
141
Vnd auch verkaufft für wenig Geld,
142
Und muß in strenge Knechtschafft gehen
143
Auff erst-gefertigter Galeen.

144
Vnd damit wallt er hin und her
145
Bald in den Strömen, bald im Meer,
146
Wird über seinem Dienst geschlagen,
147
Vnd muß Durst, Hitz und Hunger tragen.

148
Wie mag er jhm in solcher Noht
149
Gewünschet haben offt den Tod,
150
Vnd Gott gefleht, er woll jhn retten
151
Auß dieses schweren Dienstes Ketten.

152
Was Jammer hat es jhm gebracht,
153
Wann er an Preussen je gedacht
154
Mit Wunsch es nur so gut zu haben,
155
Als die hie pflügen oder graben.

156
War dieses also gnug? Ach nein,
157
Es war der Anfang seiner Pein,
158
Wiewol erst nach drey vollen Jahren
159
Sein Bassa todes ist verfahren.

160
Weil dieser alles durchgebracht,
161
Vnd eine grosse Schuld gemacht,
162
Muß man sein Gut da über hauffen,
163
Den Schuldnern gnug zu thun, verkauffen.

164
Der Bassa, welcher, Rhodos, dich
165
Beherrscht, bringt die Galee an sich,
166
Vnd diesen lieben Mann imgleichen,
167
Wer kan sein Elend gnug erreichen?

168
Die Herren haben sich verkehrt,
169
Nicht seine Noht, die jmmer währt,
170
Vnd zwischen mehr als tausend Fällen
171
Ihn umbgetrieben auff den Wellen.

172
Er sagt auff einem Finger her
173
Die Inseln im Aegeer Meer,
174
Ist offt Eubeen umbgeflogen,
175
Offt durch den Hellespont gezogen.

176
Durch die so offt geschehne Fahrt
177
Hin nach Constantinopel ward
178
Die See jhm kündig solcher massen,
179
Als bey uns hie nicht sind die Strassen.

180
Offt sahe Co und Leßbos jhn,
181
Offt Sunium fürüber ziehn,
182
Sein Riem hat Delos offt bestriechen,
183
Ist offt für Candien gewichen.

184
Vorauß die handelreiche Stadt,
185
Die den berühmten Pharos hat,
186
Wo Alexander ligt begraben,
187
Die soll er offt besuchet haben.

188
Mit was Gemüt hat er erkant
189
Der Christen hochbedrengten Stand,
190
Vnd wie beseufftzt' er hin und wieder
191
Den Drangsal seiner Glaubens-Brüder.

192
Daß Gott ihr grosses Angst-Geschrey,
193
Der Saracenen Tyranney,
194
Des Türcken Stoltz an allen Enden
195
Gar kein Erbarmen trägt zu wenden?

196
Vnd keinen Heiland aufferweckt
197
Der jhn mit seinem Wetter schreckt,
198
Vnd mus das grosse Theil der Erden
199
Von jhm ohn End besessen werden?

200
Wir werden hie von uns verheert
201
Vnd fallen selbst in unser Schwerd,
202
Durch Macht, die ihn gnug könte zwingen,
203
Sind wir bemüht vns vmbzubringen.

204
Indessen wächst sein Vbermuth
205
Durch der so schönen Länder Gut,
206
Und hofft auch unser Land zu kriegen
207
Weil wir vns in den Haaren liegen.

208
Wo aber bleibt Herr Kalckstein mir?
209
Die Sonne bringt des Sommers Zier
210
Indessen siebenmal der Erden,
211
Lässt siebenmal es Winter werden.

212
Weil er von diesem Bassa weiß
213
Vnd ihm gedient in Frost und Schweiß,
214
Vnd Gott nun endlich auch sein Flehen
215
In Gnaden anhebt anzusehen,

216
Ach aber durch was Schwierigkeit!
217
Ein Oelschnitz hielt' vmb selbe Zeit
218
Sich zu Constantinopel eben
219
(was kan sich endlich nicht begeben?)

220
Der sorgt vnd thut mit aller Trew
221
Ob er wo zu erfragen sey,
222
Die Nachricht fehlet allerwegen,
223
Wie weit ist Rhodos abgelegen?

224
Wer kan nur forschen die Galee?
225
Wo schweiffet sie auff welcher See?
226
Ob sie mag umb Egyptens Ecken
227
Vmb Cypern oder sonst wo stecken?

228
Doch füget sich was Gott behagt,
229
Er wird zuletzt noch ausgefragt,
230
Was Frewd' entstund in seinem Hertzen
231
Nach des so langen Dienstes Schmertzen!

232
Constantinopel aber macht
233
Daß ihm nicht lang die Hoffnung lacht,
234
Er solt' und muste dahin kommen
235
Wolt' er in Freyheit seyn genommen.

236
Was Hoffnung war zu diesem nun?
237
Was solt er immer nachmals thun?
238
Solt' ihm dieß Mittel auch entfliehen?
239
Wie hat er da zu Gott geschrien.

240
Der ihm auch dazumal nicht schlieff,
241
Sein Herr muß ein Maltheser Schiff
242
Ohn zweiffel ihm zu gut bezwingen
243
Vnd nach Constantinopel bringen,

244
Da fährt er mit und jauchtzend ein,
245
Doch bald eräugt sich wieder Pein,
246
Er wil der Knechtschafft sich entbinden,
247
Wo war nun Geld hiezu zu finden?

248
Eh' er nach Hause schreiben kan
249
Vnd wiederumb Bericht kömpt an,
250
Was Zeit ist mitler weil vergangen,
251
Wie kränckt ihn Sorg hie, da Verlangen.

252
Indessen fährt er wiederumb
253
Die Insuln durch gerad und krumm,
254
Aegypten-ein vnd auch zurücke
255
Vnd sieht Byzantz mit gutem Glücke.

256
Sein Lösegeld zwar hätt' er gern,
257
Das aber hielte sich gar fern,
258
Er geht erbärmlich abgerissen
259
Nackt an dem Leib, nackt an den Füssen.

260
Er macht an den und jenen sich,
261
Ein ieder fragt, wo kenn' ich dich?
262
Vnd wer wil einem Menschen trawen
263
Wann er einhergeht als ein Grawen?

264
Ein Koch aus Holland war zuletzt
265
Der ihn in rechte Freyheit setzt,
266
Das Geld ihm vorstreckt, doch indessen
267
Sich und sein Vortheil unvergessen.

268
Vnd dieß hat also Gott geschickt
269
Der seinen Jammer angeblickt
270
Vnd ihn einmal zur guten Stunden
271
Der strengen Dienstbarkeit entbunden.

272
Darauff kömpt auch sein Wechsel an,
273
Wie hocherfrewet ist der Mann,
274
Ihm muß das Hertz im Leibe wallen,
275
Sein Lobgesang ist Gott für allen.

276
Wo ist sein lang-gewachsen Har
277
Vnd was erst schewlichs an ihm war?
278
Er darff die Armut nicht mehr leiden,
279
An stat des Sackes trägt er Seiden.

280
Für Wasser trinckt er edlen Wein,
281
Gieng erst verzagt ietzt frisch herein,
282
Kan eilends grosse Freunde nennen
283
Den vormals niemand wolte kennen.

284
Dieß ist des Glückes Wanckelmuth,
285
Das kehrt sich allzeit nach dem Gut,
286
Vnd hat dahin zu kommen Grawen
287
Wo Noth vnd Armuth ist zu schawen.

288
Nichts ist mehr übrig als daß er
289
Sein Segel lencket auff das Meer
290
Und eilet zu den lieben Seinen
291
Die lange Zeit nach ihm schon weinen.

292
Dieß thut er, Chio nimmt ihn auff,
293
Von dannen kehrt er seinen Lauff
294
Sicilien zu, kömpt nach Messinen,
295
Da wil es ihm zu seyn nicht dienen,

296
Er wendet stracks nach Napels sich,
297
Von dannen schawt er, Rom, auch dich,
298
Von dar Livorno ihn genommen
299
Und nach Marsilien heisset kommen.

300
Er fährt durch Franckreich an der Rhon
301
Vnd spricht die schöne Stad Lyon,
302
Biß daß Pariß ihn weiter schicket
303
Vnd er so, Holland, dich erblicket.

304
Das bringet ihn mit trewer Hand
305
In sein gewünschtes Vaterland,
306
Mit dem er sich nicht hatt' vmbfangen
307
Weil vierzehn Jahr herumb gegangen.

308
Sey wehrte Mutter hoch erfrewt,
309
Hie endet sich dein langes Leid,
310
Du hattest deinen Sohn verlohren
311
Den siehst du ietzt als new gebohren.

312
Er kömpt der alle Kindes-Pflicht
313
Dir, wenn du alten must, verspricht,
314
Vnd wenn du solst von hinnen rücken
315
Die Augen selbst dir zu wil drücken.

316
Er setzt sich auff sein Vater-Gut
317
Vnd nimmt dasselb in fleissig' Hut,
318
Ist wol mit Gott und sich zu frieden
319
Vnd von dem leichten Glück geschieden.

320
Er trawt demselben nimmermehr,
321
Vnd strebet nicht nach eitler Ehr,
322
Hat gnug erkant daß alle Sachen
323
Vns nur vergebne Hoffnung machen.

324
Was grosses hätt er können seyn,
325
Dem sein Frantzösisch und Latein
326
Bekant war, der Bescheid darneben
327
Den wilden Tartern kunte geben.

328
Der Moscowitisch vnd darnach
329
Auch Türckisch mehr als fertig sprach,
330
Den Welschland vnd der Pohl vernommen
331
Nicht auff das Deutsch einmal zu kommen,

332
Der aus der massen wol verstand
333
Den Krieg zu Wasser und zu Land,
334
Als welcher offtmals selbst gestritten,
335
Der wust umb aller Völcker Sitten.

336
Der grosse Weißheit ihm erbawt
337
Aus allem was er ie geschawt,
338
Der Tag vnd Nacht wust hin zubringen
339
Mit Vnterricht von vielen Dingen.

340
Homerus rühm' Vlysses Fahrt
341
Dadurch er vieler Menschen Art
342
Viel Städt vnd Länder hat vernommen
343
Vnd so zu grosser Weißheit kommen.

344
Daß mir es mein Homer verzeih'
345
Vlysses kömpt hie gar nicht bey,
346
Aus einer Flieg ein Pferd zu machen,
347
Sind offt der Tichter eigne Sachen.

348
Hie dieses Arbeit und Gefahr
349
Ist warlich mehr als allzu wahr,
350
Er ist Vlyssi allerwegen
351
Mit Noht vnd Reisen überlegen.

352
Doch wuchs ihm nimmermehr der Muth
353
Bey dieser grossen Tugend Gut,
354
Er war still, sitsam und bescheiden
355
Vnd gnug gelehrt auch vnrecht leiden.

356
Sein Raht sprang offt mit aller Trew
357
Dem lieben Vaterlande bey,
358
Hat unser Häupt an sich gezogen
359
Das ihm gar gnädigst war gewogen.

360
Auch hat nach der betrübten Zeit
361
Der Herr vielfältig ihn erfrewt,
362
Wie Job nach den bekränckten Stunden
363
Viel Gutes siebenfach empfunden.

364
Die edle Großpfersfelderinn
365
War hochgewünscht nach seinem Sinn
366
Und macht' ihn Vater solcher Erben
367
Durch die er ewig nicht sol sterben.

368
Sein Segen nam imgleichen zu
369
Vnd bracht' ihm alle Gnüg vnd Ruh,
370
Die ihm auff sein gehabtes Leiden
371
Erwecket nicht geringe Frewden.

372
Indessen wird er alt und schwach
373
Denn ihm der Jugend Ungemach
374
Nicht einen schlechten Stoß gegeben,
375
Sonst hätt' er lange mögen leben.

376
Der Tod auch klopffet bey ihm an,
377
Auch hie erzeigt er seinen Mann,
378
Er gründet sich auff Christi Wunden
379
Vnd wartet einer selgen Stunden.

380
Die kömmt vnd trägt ihn auff der Hand
381
Der Engel in sein Vaterland,
382
Da er für seinen Kampff auff Erden
383
Nun ewig wird gekröhnet werden.

384
Wenn grosse Tugend lieb seyn kan
385
Der sehe stets sein Leben an,
386
Es wird ihn bessern aller massen
387
Im Fall er Vnterricht wil fassen.

388
Er wird erkennen wo man hin
389
In Noht sol wenden Hertz und Sinn,
390
Vnd daß ein Mensch, voraus Soldaten,
391
Leicht können in Gefahr gerahten,

392
Vnd wie der Herr zwar eine Zeit
393
Von vns zu treten scheint sehr weit,
394
Vnd doch zuletzt von allen Bösen
395
Vns herrlich wisse zu erlösen.

396
Wen dieß Exempel nicht bewegt
397
Ihm Lust zum Guten nicht erregt,
398
Der fühlt in ihm kein Tugend-Fewer
399
Vnd ist ein Block und Ungehewer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.