An denselben seelig verstorbenen lieben Mann

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Simon Dach: An denselben seelig verstorbenen lieben Mann (1632)

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Man wolte dich begraben,
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Mein Ohm, und soltest nicht
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Von mir ein Denckmal haben
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Der Brüderlichen Pflicht;
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Fällt unsre Lieb' auch nieder
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Gleich vnter einen Stein,
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Vnd sol, wie deine Glieder,
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Mit eingescharret seyn?

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Natura würd' es hassen
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Durch die wir uns geliebt,
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Vnd Phoebus mich verlassen
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Der mir die Seiten giebt,
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Die mich erhalten werden
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Wenn ich schon längst verreckt,
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Vnd mit der schwartzen Erden
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Bin ewig zugedeckt.

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Sey sicher, wenn die alle
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So mir zu wieder sind
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Aus Eiter-voller Galle,
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Sind zehnmal Rauch vnd Wind,
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So wird man uns noch zeigen
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Belebt vnd jung vnd frey
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Mich wegen meiner Geigen,
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Dich wegen deiner Trew.

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Ich weis vmb dein Gemüte
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Drumb liebet' ich dich sehr,
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Es fügt vns das Geblüte,
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Der Sinnen Eintracht mehr:
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Wo sind die süssen Stunden,
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Wo mancher Wege Fahrt
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Die vns genaw verbunden
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Nach Brüderlicher Art?

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Wie wir verknüpffet wahren
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So war auch vnser Stand,
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Es hat in gleichen Jahren
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Die Schul uns beyd' erkant,
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Wir freyten auch zusammen
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Pohliynchen die ward mein,
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Stracks nam in keuschen Flammen
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Dich auch die Mackinn ein.

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Fünff Kinder hab ich leben
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Du sahst derselben vier,
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Gott wird dem Fünfften geben
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Auch bald der Sonnen Zier,
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Doch wann es wird geschehen
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Daß es das schöne Liecht
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Des Tages gleich kan sehen,
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Es sieht den Vater nicht.

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Auch pflagst du stets zu klagen,
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Gesund seyn wolle sich
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Nie recht mit dir vertragen
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Dieß eben klag' auch ich,
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Hieraus pflag ich zu schliessen
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Ich würd' erst sterben, nein,
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Die Ordnung wird zerrissen,
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Ich lebe, du gehst ein.

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Was sol ich nun beginnen?
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Wen geh ich ferner an
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Mit so vertrauten Sinnen
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Als wie ich dir gethan
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Bey also bösen Zeiten
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Als man sie je erkant,
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Da mir von allen Seiten
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Die Freunde sind entwandt.

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Zwar dir ist wol gerahten
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Jetzt siehest du den Gott
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Von grossen Wunderthaten
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Den Herren Zebaoth,
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Den du im Sinn vnd Munde
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Geführt hast jmmerdar,
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Der in der Todes Stunde
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Dein Felß vnd Beystand war.

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Der lohnt mit ewign Gnaden
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Dir für die grosse Trew
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Die offtmals nicht ohn Schaden
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Sprang allen Leuten bey,
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Dein Vnschuld-reiches Leben
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Dein Ernst im Christenthum
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Wird jetzund reichlich heben
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Der Ehren schönen Ruhm.

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Wo aber sol ich finden
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Ein solches trewes Hertz
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Dem ich mich mag verbinden
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Auff ernst seyn oder Schertz?
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Beginnt mein Glück zu wüten,
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Das jhm nicht seltzam ist,
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Vor wem sol ich ausschütten
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Was mich im Hertzen frisst?

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Es stärckt mich aber wieder
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Daß ich dir folgen sol,
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Dieß melden meine Glieder,
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Schlaff du indessen wol,
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Die Sicherheit umbschliesse
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Mit Stille dein Gebein,
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Vnd deine Grabstat müsse
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Durchaus geheiligt seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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