Es ist, gewünschter Frühling, war

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Simon Dach: Es ist, gewünschter Frühling, war Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Es ist, gewünschter Frühling, war,
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Dein Reichthum kröhnt das gantze Jahr,
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Du bist die Lust der Zeiten,
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Dein FußStapff wäscht in Oele sich,
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Dein Kleid kan mehr als Königlich
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Feld Berg und Thal bespreiten.

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Kein Morpheus ist so mannigfalt
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Als du in tausend Lust-gestalt,
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Du lächelst durch die Sonne,
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Durch dich ergetzt sich Mensch und Thier,
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Du bist der Glieder newe Zier
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Vnd aller Hertzen Wonne.

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Du bist das Leben in dem Meer
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Du singest auff den Zweigen her,
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Vnd wehest in den Lüfften,
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Du regst der Bäch' und Quellen Fluth,
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Vnd bist das unerschöpffte Gut
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Tieff in der Erden Klüfften.

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Wolan, sey liebreich als du thust,
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Erfüll der Menschen Sinn mit Lust,
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Das Feld mit schönen Gaben,
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Sey aller Dinge Gnüg und Schein,
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Die gantze Jahr-Zeit such' allein
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Zum Freunde dich zu haben.

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Du gleichest doch bey weiten nicht
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Dem ewig-schönen Vorjahrs Licht
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Nach diesem schnöden Leben:
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Wir lassen sämptlich deine Zier
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Sampt aller Welt, so bald als wir
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Von hinnen uns begeben.

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Wie leicht kömpt dir ein strenger Nort
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Der führet alle Hoffnung fort,
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So man zu dir getragen,
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Wo bleibt so manches Hertzeleid
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Da wieder deine gutte Zeit
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Durchaus nicht wird verschlagen?

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Wie lang auch wehrt dein grüner Pracht?
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Vier Wochen werden hingebracht,
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Denn kömpt des Sommers Hitze,
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Des Hundsterns Unlust-voller Schein
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Die schweren Wetter lass' ich seyn,
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Den Donner sampt dem Blitze.

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Der Lentz im Himmel aber wehrt,
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Nicht durch Verdruß noch Noth beschwert.
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Ohn alle Maß und Ende
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Gleich mit der langen Ewigkeit,
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Denn da ist weder Ziel noch Zeit
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Noch Nacht noch Sonnen-wende.

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Für tausend Sonnen ist das Licht
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Selbst unser Gott, der wancket nicht,
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Da fleusst das Quell der Gnaden,
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In welches Birnstein-hellen Fluth
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Die Seelen, so durch Christus Blut
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Gereinigt sind, sich baden.

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Da höret man den Lobgesang
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Der Engel, und der Music Klang
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Durch aller Hertzen dringen,
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Vnd Frewden die kein Aug erkant,
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Kein Ohr gehört und kein Verstand
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Vns hie weis vor zu bringen.

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Da ist nicht Kranckheit ist nicht Grab,
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Gott wischet alle Thränen ab
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Von der Betrübten Wangen,
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Da geht des Lammes Hochzeit an
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Mit denen, die es hie schon kan
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Durch seine Liebe fangen.

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Wer einen Blick nur könte thun
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In solche Lust, der würde nun
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Und nimmer, halt' ich, sterben,
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Würd ausser sich seyn weg gerafft,
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Des Himmels voll, und newe Krafft
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Des Lebens stracks erwerben.

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Wie kömpt es daß wir also blind
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So dieser Welt ergeben sind
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Und jener Lust nicht achten?
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Wir bilden sie uns nie recht ein,
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Sonst würden wir bemühter seyn
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Nach jhr allein zu trachten.

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Wer unter uns steht nach Gewinn,
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Vnd gibt für Koth die Perlen hin,
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Für Trespen schönen Weitzen?
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Vnd geben doch des Himmels Gut
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Für diese Welt wenn wir den Muth
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Die Erd uns lassen reitzen.

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Wir lachen unsre Kinder aus,
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Die bawen offt aus Sand ein Hauß,
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Und lauffen hin und wieder,
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Der bringet Stroh, die Wasser dar,
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Und werden dessen kaum gewar
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So fällt jhr Baw danieder.

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Was thun wir anders, wenn die Welt
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Vns streng in jhren Diensten hält?
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Sie ist uns eine Feste
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Auff die wir bawen, kömpt der Tod,
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So sind auch unsre Bäw', O Noth!
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Kaum rechte Vögel-Neste.

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Laß uns die Thorheit, Gott, verstehn,
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Daß wir der Erden müssig gehn,
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Nicht mehr uns blind verlauffen,
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Nicht Wasser geben für den Most,
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Noch für geringe Linsen-Kost
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Die Erst-Geburt verkauffen.

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Zeuch unsern schwachen Geist empor,
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Laß deine Freuden unser Ohr
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Vnd Hertz allzeit durch dringen,
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Tilg aus in uns des Fleisches List,
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Daß wir nach dem was droben ist
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Ohn End und Ablaß ringen.

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Wo unser Mit-Geschwister schwebt
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Und der Gebein man jetzund hebt
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Es an das Grab zu tragen,
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Der Kinder sich durch jhren Tod
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Befinden in nicht schlechter Noth
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Vnd hertzlich sie beklagen.

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Du wollest, Gott, sie in gemein
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Versorgen, und jhr Pfleger seyn,
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Daß sie auff Tugend achten,
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Zeuch ihnen Recht und Vnschuld an,
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Damit sie nach dem lieben Mann
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Ach! Ihrem Vatter schlachten.

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Uns aber, Herr, gib den Verstand
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Daß wir den Welt-Pracht nur für Sand
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Für Staub und Vnflat schätzen,
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Vnd so entgehn der Hellen Pful,
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Hergegen einen gutten Stul
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Vns in dem Himmel setzen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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