Vnd ich, o Bruder, hab' empfunden

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Simon Dach: Vnd ich, o Bruder, hab' empfunden Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Vnd ich, o Bruder, hab' empfunden
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Nun endlich auch noch deinen Tod,
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Ach du mit dem ich mich verbunden,
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Von Jugend auff in Lieb vnd Noht.

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Wie hab' ich mir von meinem Leben
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Die rechnung jederzeit gemacht,
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Ich würd' es längst vor dir auffgeben?
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Nun leb' ich, du wirst hingebracht.

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Was muß ich über Ohnmacht klagen?
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Was lässt der Durst mir selten Rhu?
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Die Freunde werden hingetragen,
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Ich leb' halb tod noch jmmer zu.

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Blum, Ribou, Roberthin sampt andern
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Wo sind sie? wer kennt jhren Pfad?
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Sie haben dahin müssen wandern
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Wo Stille stets die Herrschafft hat.

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Du warst mir übrig noch von allen,
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Mein Hertz war noch auff dich gestellt,
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Vnd nun bist du auch umbgefallen,
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Was leb' ich länger in der Welt?

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Die Freundschafft muß vns vnterhalten,
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Der Mensch ist ein gesellisch Thier,
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Wenn die beginnet zu erkalten,
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Was nützt vns lange seyn allhier.

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Kein Glück taug Glantz ohn sie zu haben,
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Ohn sie hat Hoheit keinen Pracht,
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Sie würtzt vnd kröhnt vns alle Gaben,
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Die Sonn ohn sie ist finstre Nacht.

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Sol ich mir andre Freund' erwehlen?
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Dieß wäre nun für mich zu spät,
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So möcht' es mir auch warlich fehlen,
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Sie sind zu dünn anjetzt gesät,

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Wer würde so zu meinen Sinnen
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Sich reumen, Bruder, als zwar du?
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Du kantest mich, ich dich, von innen,
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Was meine war, war deine Rhu.

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Ich hette Thürn' auff dich gebawet
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So fest war deiner liebe Grund,
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Was deinem Hertzen ward vertrawet
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Stieg nie herauff dir in den Mund.

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Was sol ich ferner Worte machen
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Von deiner werthen Frömmigkeit,
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Von Sanfftmuth, Still vnd andern Sachen?
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Du warst ein Wildprät vnsrer Zeit.

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Kein Kind weiß über dich zu klagen,
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Was man dir jmmer zugefügt,
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Hast du bescheiden stets ertragen
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Vnd blos dich mit Gedult begnügt.

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Kein Arbeit war dir je zu wieder,
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Die dich nicht wenig umbgebracht,
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Zu stellen dem vnd jenem Lieder
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Bist du gesessen manche Nacht,

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Vnd solches gern vnd vnverdrossen,
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Hast dich wildfrembden angewand,
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Was aber du davor genossen
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Ist Gott vnd dir vnd mir bekant.

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Nun wird man allererst dich missen,
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Dich gern, es kömpt vielleicht die Zeit,
59
Im Leben wieder wollen wissen,
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Vmbsonst, du liegest abgemeyt.

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Der Thum hat schon nach dir verlangen,
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Die Orgel ist von Vnmuth schwer,
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Wird sie mit solchen Liedern prangen,
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Nun du jhr abstirbst, wie bißher?

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Du hast gelehrt vns Preussen singen,
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Dir schweigte Midas sein Geschrey,
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Gebirg vnd Thal muß noch erklingen
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Von deiner süssen Melodey.

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Du legtest offt dem schnellen Pregel
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Durch Stimm vnd Seiten seinen Lauff,
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Gieng ohngefehr vorbey ein Segel,
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So hieltst es du, ein Orpheus, auff.

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Wie klagt hie Echo deinetwegen,
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Dieweil dein Spielwerck schweiget, rufft
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Sie vns so hell nicht mehr entgegen,
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Sie trawret vnd mit jhr die Lufft.

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Pan lässt für vnmuth sich nicht hören,
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Die Nymphen klagen gleich wie er,
79
Er weiß nun nichts von seinen Röhren,
80
Die sind zubrochen aus Beschwer.

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Wie wird es stehen vmb die Deinen,
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Was Noht wird da seyn überall?
83
Wie wird Herr Schütz so hertzlich weinen,
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Wird er erfahren deinen Fall?

85
So weit dein Nahm dich hat getragen,
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Der Oder-Elb- vnd Schelde Strand
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Wird hertzlich deinen Tod beklagen,
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Vnd deines Fleisses trewe Hand.

89
So offt man wird die Lieder hören,
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Die deine Kunst vns hat geschenckt,
91
So offt wird auch dein Lob sich mehren,
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Das nie kan werden eingesenckt.

93
So lang der schnelle Pregel rauschet
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Vnd träncket den gelehrten Thum
95
Vnd reiche Wahren hie vertauschet,
96
So lang besteht dein werther Ruhm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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