7. Klaglied

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Simon Dach: 7. Klaglied (1632)

1
Der Knechte Barbarey (verzeih daß ich es sage,
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Weil du Barbarisch, Rom, wirst recht an diesem Tage),
3
Stellt an zu newem Hohn gar Königlichen Pracht,
4
Denn Christus Straffe wird zu einem Spiel gemacht.
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Sein Scepter ist ein Rohr, das trägt er, sie bemühen
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Dem newen König, ihm, auch Purpur anzuziehen,
7
Kein frembdes PurpurKleid, ihr KriegsKnecht, ist hie noht,
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Er ist von deinem Blut vorhin schon Purpur-roht.
9
Gebt seinen Rock nur her, was Farbe der mag führen,
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Stracks wird er Purpur seyn, wird Christus ihn nur rühren.
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Was noch zuletzt gebrach, des Hauptes hohe Zier
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Dasselbe schenckt die Krohn' aus spitzen Dornen hier.
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O Leid! die Dornen sind tieff in sein Haupt gegangen,
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Daher das Blut herab treufft über seine Wangen.
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Er wird, so angethan, dem Richter vorgestellt,
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Ich weis, daß kaum ein Stein hie seine Thränen hält.
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Das Volck entbrennt je mehr und mehr in wilden Flammen,
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Weg, an das Creutz mit ihm! so schreyen sie zusammen.
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Giebt dein Gewissen dir hie wo Gedancken ein,
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Vergiß es, sonst kanst du des Käysers Freund nicht seyn.
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Wird was versehn, die Schuld komm über unser' Erben,
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Wir hafften, wir dafür, nur laß uns diesen sterben.
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Ein böses Volck! so hoch kömpt ihm der Haß zu stehn,
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Bringt es nur Christum umb, so wil es untergehn.
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Ihr bringt ihn umb, und tilgt euch selbst auch von der Erden,
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Was ihr euch ohn Bedacht selbst wünschet sol euch werden.
27
Ihr rufft den Käyser an, beym Käyser kriegt ihr stat,
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Der wird ein Rächer seyn der schweren Vbelthat.
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Pilat läst Christum nicht so lang, ohn Schuld, ermorden,
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Vnd ist an Richters stat fast sein Vertreter worden,
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Als er vom Käyser hört, wird er so sehr erschreckt,
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Als einer den der Blitz hat plötzlich angesteckt.
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Nur dieses Wetter macht ihn kleinlaut und was leiser,
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Der Nahm' ist ihm sein Blitz, sein Jupiter der Käyser,
35
So offt sein Donner schalt, so offt fällt ihm der Muht,
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Biß ihn die eitle Furcht gar in die Bande thut.
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Durch Mordthat die nicht gnug im Fluch wird ewig schweben,
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Hat er zum Tode Gott unschuldig hingegeben.
39
Ein Narr! die Schuld, die sonst kein gantzes Meer verlescht,
40
Geht, meint er, ab, wenn er sich nur mit Wasser wäscht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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