4. Klagelied

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Simon Dach: 4. Klagelied (1632)

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Indessen geht bey Nacht die Geistligkeit zu Raht,
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Die ihre Zähne wetzt auff diese böse That,
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Sie horchen zu, gleich wie, der Vögel sucht zu fangen,
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Beym Garn sehr wachsam liegt und lauschet mit verlangen.
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Offt schelten sie die Knecht' als wären sie zu faul,
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Offt reisst die lange weil ihr mörderisches Maul,
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Doch eilen diese sehr, der Herr wird fortgerissen,
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Vnd folgt, so fern die Band' ihn lassen, die ihn schliessen,
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Er geht gehorsam mit, es mag der Landsknecht ihn
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Fort über Hals und Kopff gleich reissen oder ziehn.
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Das gantze Haus muß schon beym Caiphas erschallen,
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Der Priesterschafft beginnt das Hertz erfrewt zu wallen.
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Auff eines Vntergang gehn, die sonst uneins seyn,
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Mit Sinnen und mit Rath zusammen Freundschafft ein.
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Des Todes Vrtheil wird von allen ihm gesprochen,
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Er wird geführt, der Stab ist über ihn gebrochen.
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Er stehet mitten ein, der hohen Schönheit Liecht
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Vnd alle Zieraht mahlt sein heiligs Angesicht,
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Viel Zeugen sind erkaufft, die fälschlich ihn beliegen,
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Ihr Zeugniß aber wil sich nicht zusammen fügen.
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Daher sie Christus auch mit schweigen wiederlegt,
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Daß sich ein jeder selbst mit seinen Worten schlägt.
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Da fragt ihn Caiphas, und schwert bey Gottes Leben,
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Du, spricht er: solst Bescheid und Antwort von dir geben,
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Sag, bist du Gottes Sohn, des grossen Vaters Raht,
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Wie der gemeine Mann den falschen Glauben hat?
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Ja, spricht er. Caiphas hat da sein Kleid zerrissen.
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Weg, schreyen sie, mit ihm! sein Halß sol solches büssen.
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Der Raht steht eilends auff und redet Mord und Blut,
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Da man denn Gott in Schmach und Bande wieder thut.
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Wie wird mir, Christe, doch die Grausamkeit beschrieben,
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Die Schläg' und was man dir für Frevel zugetrieben,
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Als das Gesindchen bloß mit dir die gantze Nacht,
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In Hohn und Vbermuth aus Kurtzweil zugebracht;
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Als du so manchen Streich auff deine zarte Wangen,
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Von der geharnschten Hand der KriegesKnecht empfangen?
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Als man die Augen dir verhüllt' und sprach: errath,
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Wer ist es von der Schaar der dich geschlagen hat?
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Vnd als ein Lotterbub frech, garstig, ungeschewet
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Dir deinen Bart geraufft, dein Angesicht verspeyet?
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O weh, daß unsre Schuld dir ursacht solche Pein,
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Vnd unsre Missethat muß so gebüsset seyn!
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Ich aber weiß, was du an deinem Haupt empfunden,
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Der Hohn, die Schläge sind die Artzney meiner Wunden,
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Durch diese Bande wird die Freyheit, Ruhm und Zier
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(war ich wol dessen wehrt?) durch diese Schmache mir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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