Wir armen Leute meinen

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Simon Dach: Wir armen Leute meinen Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Wir armen Leute meinen,
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Das Hauß, dem Gott sich trawt,
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Besteh' aus Holtz vnd Steinen
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Durch Menschen Hand gebawt?
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Es werd' es der beziehn,
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Des Hauß sind Licht vnd Flammen;
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Die Himmel allzusammen
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Sind viel zu klein vor Ihn.

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Ein Hertz, das sich von Sünden
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Gesaubert jederzeit,
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Das Glaub vnd Lieb entzünden
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In Zucht vnd Frömmigkeit,
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Ist seine liebste Rhu,
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Hie wil Er einig schweben,
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Hie sagt Er Heyl vnd Leben
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Vnd allen Segen zu.

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War ist es, Herr, es fassen
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Dich alle Himmel nicht,
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Ein Hertz, so Dir gelassen
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Vnd seinen Willen bricht,
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Ist dein Gemach allein:
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Laß aber Dich gewinnen,
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Die Einfalt vnsrer Sinnen
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Dir wolgefällig seyn.

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Wir haben deinem Nahmen,
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Der über alles geht,
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Für vns vnd vnsern Samen
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Dieß Gottes-Hauß erhöht,
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Damit dein grosser Ruhm
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Allhie gepredigt werde,
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Daß Himmel, See vnd Erde,
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Sey, Herr, dein Eigenthum.

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Hie wird man fleißig mercken
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Die seelig' Himmels-Bahn,
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Hie singen von den Wercken,
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Die Du bey vns gethan,
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Hie wegen seiner Schuld
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Sich kräncken im Gemühte,
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Vnd flehen deiner Güte
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Vmb Langmuht vnd Gedult.

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Du hast vns Ruh verliehen
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Von Kriegen vnd Beschwer,
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Drumb sind wir so gedyen,
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Vnd worden dieses Heer.
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Die vor vnfruchtbahr war
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Ist Mutter nun erkohren,
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Vnd hat erfrewt gebohren
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Dir diese grosse Schaar.

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Wie aus dem Morgen-Glantze
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Der kühle Feld-thaw rührt,
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So häuffig wird die Pflantze
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Der Kinder auch gespürt,
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Das Land versorget kaum
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So eine schöne Mänge,
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Man schreyet für gedränge
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Nach einem weitern Raum.

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Den hastu vns aus Gnaden
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An diesem Ort' ertheilt,
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Vns grosser Angst entladen,
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Die offt vns übereilt.
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Gedenck der schweren Last,
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Der Noht, so wir erlitten,
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Da Du für vns gestritten,
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Für vns gehadert hast.

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Wolt' hie sich etwas sperren,
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Du hast jhm starck gewehrt,
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Des Fürsten vnd der Herren
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Gemüht vns zugekehrt,
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Wir wahren gantz verzagt,
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Du halffst vns in dem Wercke,
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Als wir auff deine Stärcke
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Es frewdig hin gewagt.

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Nun steht das Hauß erbawet
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Ohn allen Pracht vnd Schein,
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Schlecht, dürfftig, vnd vertrawet
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Doch deiner Hut allein,
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Schlägst du es nur nicht aus,
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Trägst du nur her verlangen,
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So wird es können prangen
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Als Salomonis Hauß.

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Diß ist warumb wir flehen,
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Du wollest immerdar
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Zu dieser Stähte sehen,
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Sie schützen vor Gefahr,
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Erwehl, O Vater, Dir
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Sie ewig deinen Ehren,
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Laß sie sich stündlich mehren
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An heilig-hoher Zier.

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Die deinen Dienst hie treiben,
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Denselben gib Verstand,
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Daß sie am Worte bleiben
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Vnd hassen Menschen Tand,
93
Auch dir ohn Heucheley
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Mit Lehr vnd Leben dienen,
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Das keiner vnter Ihnen
96
Ein blinder Leiter sey.

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Warumb man hie wird behten,
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Was vns betrüben kan,
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Darumb wir vor dich treten,
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In diesem sieh vns an,
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Laß vnsre Bitte vor
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Vns ihrer zu gewehren,
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Vnd niemals wolstu kehren
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Von vns dein Vater-Ohr.

105
Wenn Missethat vns kräncket,
106
Krieg, Thewrung, böse Lufft,
107
Vns zu verwüsten dencket,
108
Vnd man hie zu dir rufft,
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Dir seine Schuld bekennt,
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So sey, O Herr, vns gnädig,
111
Vnd mach vns dessen ledig
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Warumb dein Eifer brennt.

113
Erhör vns, Gott, wir wissen
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Von tausent Ochsen Blut
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Vor dir nicht zu vergiessen,
116
Nimm vnser Hertz vor gut:
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Ein Sinn, der Andacht hält,
118
Ist mehr bey Dir geachtet,
119
Als würden abgeschlachtet
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Die Heerden aller Welt.

121
Vnd hast Du Dein Behagen,
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An Opffer, Blut vnd Noht,
123
So bringen wir getragen
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Selbst deines Sohnes Tod,
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Den vnsre Sünd' erwürgt,
126
Dich wider vns zu stillen,
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Er hat auch selbst mit willen
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Vns also loß gebürgt.

129
Von Dessen Blut vnd Schmertzen
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Fließ' allzeit dieses Hauß,
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Für allen vnsre Hertzen
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Die sauber so Dir aus
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Vnd kehr bey ihnen ein:
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Dann wird es vns gelingen,
135
Wann wir für allen Dingen
136
Dein reiner Tempel seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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