Ach wie verkehrt es sich so sehr

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Simon Dach: Ach wie verkehrt es sich so sehr Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Ach wie verkehrt es sich so sehr
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Mit Himmel, Lufft vnd Erden?
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Was ursach lässt es jetzt nicht mehr,
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Wie vormahls, Winter werden:
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Hat Gott wo, sein Geschöpff, die Welt
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Auß seiner Auffsicht Hut gestellt,
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Vnd sich für vns verborgen?
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Geht unbekümmert ohn gefehr
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Wo umb des Himmels umbgang her,
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Vnd wil für nichts mehr sorgen:

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Ist der Natur geheiß vnd zwangk
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Mehr nichts als ein Geschwätze?
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Vnd hat der Mond- vnd Sonnengangk
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Nicht Zügel noch Gesetze?
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Wirstu mit deinem Bund, O Gott,
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Vnd deinem Worte nun zu spott?
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So lang die Welt wird stehen,
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Soll, sagtest du: des Sommers pracht,
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Des Winters-Frost, sampt Tag vnd Nacht
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Stets Wechsel-richtig gehen.

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Nein, deine Satzung bleibt getrew,
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Recht aber zu ergründen,
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Woher diß weiche Wetter sey,
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Es rührt von unsern Sünden:
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Du richtest dich nach unserm Thun
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Vnd hast, wie allzeit so auch nun,
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Vns gleichsam zu Gefährten.
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Denn bey den Reinen pflegst du rein
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Vnd bey den Frommen fromm zu seyn,
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Verkehrt bey den Verkehrten.

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Wir alle gehen unsern Pfadt
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Vnd auff verderbten Wegen,
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Wir folgen unsers Frevels Rath,
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Vnd wandeln dir entgegen:
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Die Predigt dräwt uns Fluch vnd Bann,
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Wir kehren uns nicht groß daran:
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Das Recht ist Vnrecht worden,
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Der Glaub hat weder Mund noch Hand,
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Die Lieb ist in Betrug gewandt
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Bey jedem Stand vnd Orden.

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Die beste Kunst ist überall
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Den Nechsten können schertzen,
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Im Munde wohnt vns Honig, Gall
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Im Heuchlerischen Hertzen,
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Der Geitz frist wie ein Krebs umb sich,
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Das Armuth weinet bitterlich
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Vnd kan jhm nirgends rahten,
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Der Vnschuld ruhm wird außgelacht
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Von Vnzucht, Hochmuth, Stoltz vnd Pracht
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Vnd andern Missethaten.

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Drumb fährst du auch mit vns verkehrt,
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Vnd zürnst gerechtermassen,
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Wir sind mehr keines Winters wehrt,
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Gantz wüst sind alle Strassen,
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Der böse Weg läst nichts herein,
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Die Stadt muß gantz ohn Nahrung seyn,
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Kein Handel ist zu schawen,
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Die Ströme hegen Dampff vnd Wust,
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Das Erdreich Fieber, Flüss' vnd Hust,
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Der Himmel Pest vnd Grawen.

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Das Hertz in vns verschmachtet fast,
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Für wartung böser Dinge,
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Dein Trost ist vns für aller Last
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Des Schreckens zu geringe,
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Wir bringen Wunderzeichen auß,
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Die irgendswo des Himmels-Hauß
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Soll' haben lassen sehen,
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So daß wir unsrer Straff vnd Pein
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Vnd dessen eigne Bohten seyn,
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Was künfftig sol geschehen.

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Doch fallen wir dir in der Zeit,
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O Vater, in die Rutte,
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Ach straff vns mit gelindigheit,
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Nicht mit ergrimmtem Muthe.
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Wir haben wider dich gethan,
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Vnd klagen selbst uns darumb an,
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Hab unser doch erbarmen,
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Erkenn, daß sich für unsre Noht
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Dein Sohn gegeben in den Todt,
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Vnd hilff durch Ihn vns Armen.

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Schick vns gesundes Wetter her,
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Vnd laß dich doch gewinnen,
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Treib aus dem Lande das Beschwer,
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Die Furcht aus unsern Sinnen.
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Für allen gib, daß unser Hertz
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Der Boßheit trage Rew vnd Schmertz
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In ängstigen Geberden,
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Bekehrt sich dieses nur zu Dir,
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So kehrst du dich zu uns, daß wir
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Dir frölich dancken werden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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