[so solstu nun auch Anstand machen]

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Simon Dach: [so solstu nun auch Anstand machen] (1632)

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So solstu nun auch Anstand machen
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Mit deinen Reimen, hub ich an,
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Vnd vor dich nehmen andre Sachen,
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Laß Lieder schreiben wer da kan.

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Gewaltig Lob wird dir es bringen,
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Daß sich dein Fleiß so dienstbar hält,
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Vnd alle Leichen muß besingen,
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Als währstu hierzu nur bestellt.

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Leg hin die Feder, vnd laß bleiben
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Was dir nicht grosses Vortheil giebt,
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Vnd wiltu denn ja etwas schreiben,
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Erheb den Helden der dich liebt.

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Vnd hievon währ ich nicht gewichen,
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Als hierauff mir zu Ohren fährt,
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Herr Schmitner ist anjetzt verblichen,
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Ist Er nicht eines Liedes wehrt?

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Sol Er von dir kein Denckmal haben,
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Sol gleich der Aschen vnd Gebein
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Auch sein Verdienst vnd wehrte Gaben
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In ein Grab mit verschorren seyn?

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Worzu wird anders euch Poeten
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Der Geist vom Himmel selbs gerührt,
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Als daß jhr aus den SterbensNöthen
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Das Lob der wahren Tugend führt?

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Ihr sollt Fluch, Todt vnd Helle drewen
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Den Lastern der verkehrten Zeit,
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Die Vnschuld aber auch erfrewen
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Mit Lobe, Danck vnd Seeligheit.

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Was solt' ich thun? durch meine Lieder
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Empfind ich auch sonst Lieb vnd Trew,
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Ich stimme meine Seiten wieder
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In eine Trawer-Melodey.

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Ist, sing ich, Schmitner auch gestorben,
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Der Redligheit vnd Vnschuld Pfandt,
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Der hie so schönes Lob erworben
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Durch seine Trew vnd milde Handt?

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Hat Den der Todt, wie andre Leichen,
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Gantz vntter seine Pflicht gebracht,
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Der so viel Walds vnd wilder Eichen
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Ihm vntterthänig hat gemacht?

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Schaw auff den Strom der krummen Deimen,
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Er rinnt nicht mehr so grün verdeckt
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Mit Wolcken-an gewachsnen Bäumen,
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Daß Labiaw vmbher fast bleckt.

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Er blösste nicht allein Lauckisken,
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So weit es jhm nur gut gedünckt,
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Er zähmte weiter noch Crupisken,
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Das aus der klaren Inster trinckt.

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Es trug kein Holtz so dicke Schwarten,
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Sein Fleiß hat es grundaus versehrt,
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So daß man seine Beil vnd Barten
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Fern vmb die Tilsit hat gehört.

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Der Beer vnd Püffel sind erschrocken,
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Wie sicher sie vorhin gelebt,
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Es ist der groß vnd kleine Rocken
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Für seinem Arbeits-Volck erbebt.

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Was Holtz er da herumb geschlagen
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Weis nicht allein der Memel-Fluß
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Sampt Rangnit, sondern auch zusagen
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Die dreyzehn-strömig-reiche Ruß!

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O manche Ficht' vnd stoltze Linde,
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Wie hoch sie sonst den Gipffel trägt,
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Der Vögel Sitz, vnd Schertz der Winde,
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Hat Ihm zum Füssen sich gelegt.

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Jetzt liegt er selbs hie vmbgehawen,
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Nicht Leben, nicht gestalt, noch Muth
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Ist in vnd an Ihm mehr zu schawen,
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Seht was des Todes Macht nicht thut!

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Sein Holtz vnd Asch vnd andre Wahren
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Seind jetzt noch manchem Lande wehrt,
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Wie schnell vnd gantz ist Er verfahren,
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Vnd wird von Würmern auffgezehrt!

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Heisst das sich sawer lassen werden
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In Hitz vnd Frost, in Müh vnd Pein,
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So bald sich legen in die Erden,
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Vnd eine Kost der Motten seyn?

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Nach gutten Lebens-Mitteln ringen,
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Erfahren das, was Er erfuhr,
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Nichts aber mehr von hinnen bringen,
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Als einen Sarg vnd Kittel nur?

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Wie seelig ist, wer, Gott ergeben,
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Ihn für sein Theil vnd Reichthum hält,
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Vnd Schätze sucht in jenem Leben,
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Der hat auch gnug nach dieser Welt.

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Hie hat Herr Schmitner nach getrachtet,
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Fiel jhm gleich endlich Reichthum zu,
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So hat er wenig sein geachtet,
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Vnd dort gestrebt nach Gnüg vnd Rhu.

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Wie Väterlich hat Er gerahten
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Den Seinen? wie mit reicher Handt?
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Wie Er dem Armut auch zustatten
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Sey kommen, ist vns gnug bekant.

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Sonst ist Sein gantzer Lebens-Wandel
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Gewesen ohn betrug vnd Streit,
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Er trieb in Gottesfurcht den Handel,
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Vnd liebte nur Gerechtigheit.

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Wie solt Er solcher schönen Gaben
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Nicht ewig nehmen Preiß vnd danck
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Bey Gott, der nichts vmbsonst wil haben,
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Auch keinen kaltten Wassers-Tranck?

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Hie hat er reichlich ausgestrewet,
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Dort sammlet Er nun Garben ein
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Mit Himmels Güttern sat erfrewet,
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Dort kan Er hoch vnd Edel seyn.

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Laß Nürnbergk sein Geschlecht auffweisen
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Von hundert Jahren vnd noch mehr,
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Laß Welschland Seine Vettern preisen
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Ihr tapffer Hertz, Ihr Lob vnd Ehr!

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Er ist zu grösser Hoheit kommen,
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Schwebt vmb des Allerhöchsten Throhn,
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Vnd ist in seine Huld genommen,
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Vnd trägt die ewig' EhrenKrohn!

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Ihr denen Reichthum zugefallen,
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Mein wendet ewer Gut recht an,
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Seht, daß der Mammon dort für allen
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Euch gute Freunde machen kan.

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Daß, wenn Ihr endlich müsst von hinnen
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Nackt, als die nichts zur Welt gebracht,
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Dort mögt das wahre Gut gewinnen,
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Das ewig Reich vnd seelig macht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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