Frülings-Lob-und Dancklied

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Simon Dach: Frülings-Lob-und Dancklied (1632)

1
Ey so gäbt Gott allerseit
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Nun auch Lob und Danckbarkeit!
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Sprächt: sey hoch, o Gott, geehrt,
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Der du unsre Klag erhört!
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Du bist Herr und gibst allein
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Frewd und Trost nach Angst und Pein
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Vnd nach Regen Sonnenschein.

8
Gott, dich rühmet Hitz und Kält
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Vnd dir spielet Wald und Feld,
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Dich erhebet Tag und Nacht;
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Alles, Herr, hastu gemacht.
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Flüß und Meer und ewer Grund
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Vnd jhr Winde thut jhn kund,
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Er gedenckt an seinen Bund.

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Es erfrewt sich Land und See
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Nach dem langen Frost und Schnee.
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Alles, was sich regen kan,
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Nimt ein newes Leben an:
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Kälte, Traurigkeit und Wust
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Wird gekehrt in Gnüg und Lust,
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Nun du deinen Schatz auffthust.

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Itzt geusst sich dein Segen auß
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Vnd erfüllt Land, Stadt und Hauß.
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Wenn sich deine Hand auffthut,
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Trieffen wir von deinem Gut;
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Es wird Furchtbarheit gehegt,
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Wo sich hin dein Fußstapf regt,
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Der Milch, Oel und Honig trägt.

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Itzund nimt der Ackersmann
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Sich des Landes Arbeit an;
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Wild und Hauß-Vieh ist erfrewt
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Ob der schönen Vorjahrs-Zeit,
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Weil Du's gnädig angeblickt
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Vnd jhm Nahrung zugeschickt,
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Die sein mattes Hertz erquickt.

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Bäch und Ströme fliessen klar,
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Da der geylen Kälber Schaar
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Neben hin mit springen geht.
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Vmb die liebe Morgenröth
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Hört man durch Geschrey und Klang
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Tausent Vögel Lobgesang,
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Alles sagt dir Preyß und Danck.

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Itzund wird nach seiner Art
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Wald, Gepüsch und Feld gepaart,
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Auch der Fische Heer, o Gott,
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Mehrt sich jetzt auf dein Gebot.
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Graß und Laub kömpt jtzt herfür,
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Alle Bäum und ihre Zier
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Grünen jhrem Schöpffer, Dir.

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Es bemühet sich die Bien,
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Vmb jhr Honig außzuziehn,
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Vnd die Schwalb hengt jhr Gemach
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Vnter armer Leute Dach.
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Summa: alles ist belebt,
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Nun dein Segen sich erhebt
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Vnd umb uns, dein Völcklein, schwebt.

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Aller Augen sehn auf dich,
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Herr, so lang, biß gnädiglich
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Jeglichem zu rechter Zeit
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Seine Kost wird außgestrewt.
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Sihest du uns gnädig an
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Vnd was giebst, so samlet man
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Daß noch übrig bleiben kan.

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Thustu deine Hand nur auf,
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So sind wir erquickt zu hauf.
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Nimstu dann dein Antlitz hin,
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So entfällt uns Hertz und Sinn:
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Wir sind stracks deß Todtes Raub
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Vnd verwelcken wie ein Laub,
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Biß wir werden Asch und Staub.

71
Herr, die Allmacht deiner Hand
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Legt umb unsre Zung ein Band:
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Rühmen wir dich noch so sehr,
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Du bist tausendmahl noch mehr.
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Nichts doch lässt ergründen sich,
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Was ein Mensch erkent umb dich,
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Deine Gnade sonderlich.

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Erd und Himmel wird vergehn
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Mond und Sonne nicht bestehn,
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Aber deiner Gnaden Schein
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Wird für allen Ewig seyn
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Vnd in dem vorauß verliebt,
83
Der sich hie Dir Kindlich gibt,
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Vnschuld, Lieb und Demuth übt.

85
Herr, nim die nicht von uns hin,
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Fehlet uns gleich Geist und Sinn.
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Laß uns durch derselben Kraft
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Sämptlich werden hingeraft.
89
Sie sey täglich uns vernewt;
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Hilf durch sie zu aller Zeit
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Vnsers Lebens Dürfftigkeit.

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Was dein Segen jtzt verspricht,
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Fehl hernach im minsten nicht.
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Hagel, Sturm, Frost, Näss' und Brand
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Sey von uns fern abgewand.
96
Du weist, Vater, was uns Noth:
97
Gib uns täglich unser Brodt
98
Vnd den Himmel auff den Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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