Trost-Reime an Sigismund Scharff

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Simon Dach: Trost-Reime an Sigismund Scharff (1632)

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So gäntzlich ist auff nichts allhie zu bawen,
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Kein Glück übt stete Trew,
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Ob Frewde sich noch eins so groß läst schawen,
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Daß sie vollkommen sey;
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Wer wil mag vmb sie schweben,
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Ich traw' jhr nimmermehr,
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Wil bloß mich Gott ergeben,
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Sie treuget gar zu sehr.

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O grosser Gott, wie hab ich überschlagen
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Die Welt so offt vnd viel?
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Ich nehme für die Kron' vnd Scepter tragen
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Vnd forsch' ohn' End vnd Ziel,
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Ob hie nicht sey zu finden
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Worauff ich fussen kan;
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Sie vnd jhr Pracht muß schwinden
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Wie sonst ein BawersMann.

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Die Sonne, selbst die Fackel dieser Erden,
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Scheint täglich außzugehn,
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Was vormals ward, wird vnd hernach kan werden,
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Bleibt nicht die Länge stehn.
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Worauff ich noch kan kommen
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In Forschung, Gott, bist du,
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Du bist das Gut der Frommen
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Vnd vnsre wahre Ruh.

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Ihr mercket wol, Herr Scharff, was ich wil sprechen,
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Wohin jhr euch gewandt,
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Da sahet jhr euch nichts an Lust gebrechen,
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Weil Gott mit reicher Hand
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Das alles euch gewehret,
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Warumb ein Mensch sich frisst,
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Vnd was ein Hertz begehret
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Das zu vergnügen ist.

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Der Liebsten nur jn etwas zu gedencken
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Wo jhr mich lassen wollt,
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Sie kunt' euch mehr als Fürsten-Güter schencken,
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Sie war euch alles Gold.
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Möcht' euch Geschlecht anlachen?
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Wer gieng jhr hie groß vor?
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Des besten Glückes Sachen?
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Die huben sie empor.

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Des Leibes Pracht? wer sah' an jhr wol Tadel?
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Der güldnen Tugend Zier,
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Der Vnschuld Lob, der Menschen bester Adel?
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Das war vorauß bey jhr,
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Warumb sie außerlesen.
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Was aber für Gewinn
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Ist sie euch lang gewesen?
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Man trägt sie schon dahin.

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Ihr weinet recht: Wen das nicht wolt erbarmen
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Der wär ein Stock vnd Bley.
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Ihr werdet sie hinfort nicht mehr vmbarmen
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In höchster Lieb' vnd Trew',
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Ach was jhr vor erkohren,
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Kan jetzt nicht tauglich seyn,
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Dieweil jhr habt verlohren
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Sie, ewers Glückes Schein.

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So gehet es mit diesen eiteln Sachen,
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Diß ist der Welt Gemerck.
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Wer höret je sie etwas anders machen
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Als diß jhr altes Werck?
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Das Wesen dieses Lebens
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Findt in sich keine statt,
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Man sucht darin vergebens
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Das, was es selbst nicht hat.

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Darumb hinauff, Herr Scharff, mit ewrem Hertzen,
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Wo ewre Liebste schwebt,
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Da schüttet auß die Anzahl ewrer Schmertzen,
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Für dem er ewig lebt,
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Wo vnsre Seufftzer siegen
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Im Glauben vnd Gebeht',
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Hier ist kein Trost zu kriegen,
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Wie sehr jhr sucht vnd fleht.

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Lasst da hinauff die Seele stets gedeyen
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In Noht vnd Trawrigheit,
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Gott kan vnd wird euch ewer Hertz erfrewen,
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Wie schwer auch ist die Zeit,
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Käm' auff vns zugedrungen
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Der Hellen gantzes Reich,
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Wer sich in Gott geschwungen
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Hat Schutz vnd Sieg zugleich.

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Das trautste Kind wird zwar entrathen müssen
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Die Mütterliche Brust,
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Lässt sich von jhr noch hertzen weder küssen
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In vnerschöpffter Lust,
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Lacht, wenn es hat gesogen,
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So bald es künfftig kan
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An Mutter statt betrogen
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Weit andre freundlich an.

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Nun kan es nicht die Zucht in jhren Augen,
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Der edlen Sitten Zier,
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Den Tugend-Sinn auß jhren Brüsten saugen,
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Kennt nimmer was von jhr,
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Lässt andre sich bedeuten,
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So bald es kan geschehn,
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Wie doch bey Lebens-Zeiten
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Die Mutter außgesehn.

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Gott aber wird schon jhre Stell' ersetzen
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Vnd jhm für Mutter seyn.
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Es ist hierinn glückselig noch zu schätzen,
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Dieweil es dieser Pein
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Hat weder Leyd noch grämen,
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Vnd kan der Sorgen frey
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Es nicht zu Hertzen nehmen,
104
Wie jhm geschehen sey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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