Wie ist Gott abermal in Zorn auff mich entbrandt

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Simon Dach: Wie ist Gott abermal in Zorn auff mich entbrandt Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Wie ist Gott abermal in Zorn auff mich entbrandt,
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Vnd hat die Güte gantz in Eiffer vmbgewandt!
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Er reisst ein grosses Stück mir wieder von dem Hertzen,
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Vnd schlägt mich, wo es vns am meisten pflegt zu schmertzen,
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Er heisset vnverhofft mich tieff herunter stehen,
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Ich meint', Er würde mich auff einen Felß erhöhen.

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Ich lege hochbetrübt mir Trawer-Kleider an,
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Vnd seufftze, daß ich nicht mehr Athem holen kan,
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Für Schmertzen hab ich fast kein Marck mehr in den Beinen,
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Mein Augen werden Blut vnd schwellen auff von weinen.
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Des Jammers Vnmuth hat mir allen Muth genommen,
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Für grossen Sorgen bin ich von mir selbst gekommen.

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Wie heisses Wachs zergeht das krancke Hertz in mir,
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Ich gehe Schatten gleich, das Leben ist kaum hier.
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Die Turtel-Taube liebt nicht so die Wüsteneyen,
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Als ich die Einsamkeit, ich muß das Tag-Liecht schewen.
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Das viele Trawren macht mir alle Zier zu nichte,
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Ich bin gantz vngestalt vnd scheußlich im Gesichte.

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Wenn alles umb die Nacht empfindet seine Ruh,
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So wach ich gantz allein vnd thu kein Auge zu,
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Dann pfleg ich meiner Noth am meisten nach zu dencken,
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Dan ist es mir bequem mich jnniglich zu kräncken.
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Dan überkomm' ich Lust die Vnlust nicht zu hemmen,
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Dan möchte man erst sehn das Lager mich durchschwemmen.

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Gott, heb ich kläglich an: Zürnst du nun ewiglich?
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Verbirget gantz vnd gar dein Gnaden-Antlitz sich?
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Wie streck ich Nacht vnd Tag nach dir aus meine Hände?
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Du aber fleuchst, je mehr ich, Herr, mich zu dir wende.
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Warumb verfolgstu mich? was wiltu von mir haben?
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Was hat für dich ein Mensch? was forderst du für Gaben?

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Begehrstu Hertzens-Angst? der hab' ich gnug bey mir.
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Vieleicht ist dir gedient mit Thränen? die sind hier.
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Mit Demut? lieg' ich doch, Gott, für dir auff der Erden.
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Mit seufftzern? jhrer wird nicht mehr gefunden werden.
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Ach wüst' ich deine Gnad, Herr, hiedurch zu erwerben,
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Ich wolt' in Klag vnd Leid' ach! mehr, als zehnmal, sterben.

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Was führstu, meine Seel', jtzt gar zu grosse Pein,
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Als solte Gott nur feind, nicht Vater wollen seyn?
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Was bistu nur bedacht auff gar zu grossen Schmertzen,
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Vnd häuffst ohn allen Trost die Vnruh deinem Hertzen?
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Komm' endlich auch zu dir vnd Gott in zuvertrawen,
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Harr seiner in Geduld, Er wird noch auff dich schawen.

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Ich hoff' es kömpt, mich dünckt, ich sehe schon die Zeit,
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In der Er enden wird mein gantzes Hertzeleid,
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Vnd setzen meiner Noth gewisses Ziel vnd Schrancken.
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Ich aber werd Ihm noch für seine Rettung dancken
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Vnd rühmen: Daß Er mich lässt starck in Ihm bekleiben,
48
Vnd meines Angesichts Hülff' vnd mein Gott wil bleiben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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