[nachdem wir fort vnd fort in Furcht vnd Hoffnung schweben]

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Simon Dach: [nachdem wir fort vnd fort in Furcht vnd Hoffnung schweben] (1632)

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Nachdem wir fort vnd fort in Furcht vnd Hoffnung schweben,
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Empfinden Noht vnd Angst, bejammern dieses Leben,
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Vnd müssen Brandt außstehn, auch Hagel, Frost vnd Wind
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In dieser Pilgrimschafft, ein Ball vnd Kreisel sind
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Des Glückes so vns treibt; wie wol hat GOTT geschicket,
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Des Creutzes Schluß, den Todt, der vns von hinnen rücket
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Vnd in das Grab verbirgt, der aus dem Joch' vns spannt,
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Des Wetters Vnmuht legt, vnd setzt vns an das Land
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Der wahren Ruh vnd Lust! drumb sieht man, wie mit Thränen
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Nach diesem Vfer sich bedrückte Hertzen sehnen,
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Recht als ein Wandrer sonst fast alle Tritte zehlt,
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Nichts auff das Wetter giebt, vnnd vngesäumbt sich quält
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Zu kommen in die Stadt, vnd da sich zu erquicken,
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Wenn sonderlich ein Thurn sich schon hat lassen blicken;
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Er sieht jhn sehnlich an, hält allen Richt-Steig wol,
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Vnd misst wol hundert mahl wie lang er gehen sol.
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Wie auch ein Wächter steht vnnd wartet mit Verlangen
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Ob nicht das Morgenroth schier komm hervorgegangen,
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Er wendet jmmerzu die Augen in den Ost,
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Vnd spricht: nun brich doch an! brich an, mein Wunsch vnd Trost,
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Du helles Tage-Liecht! Diß war, O werthe Seele,
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Auch dein Wunsch damals, als des finstern Leibes Höle
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Dich hielte noch bestrickt, in allem Creutz vnd Pein
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Ermahntest du dich selbst mit diesem Trost allein:
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Der strenge Wittwen-Standt, die Säufftzer vnd die Zähren,
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Das leyden würde nicht, ob GOTT wil, Ewig wehren;
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Es käme noch die Zeit, daß alle deine Noth
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Gewünscht würd' außgetauscht, durch einen süssen Todt
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Mit vnerschöpffter Lust. Es ist dir auch gelungen.

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Du hast den Krantz erreicht, nach dem du stets gerungen,
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Der wahren Sonnen-Liecht geht dir nun Ewig auff,
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Du kennest keine Nacht. Der Eitelheiten Lauff,
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Die Boßheit dieser Welt wird nimmermehr dich kräncken,
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Du hörest vmb dich nichts von List, von bösen Rencken,
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Mit welchen diese Welt vmbringt ist weit vnd breit,
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Du kennest nichts als Ruh, als Lust vnd Ewigkeit,
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Wir aber solten noch für Trawren gantz verzagen,
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Vnd, wie die Heyden thun, ohn Hoffnung dich beklagen,
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Dich, die du numehr prangst in Ewig-klarer Zier?
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Mit nichten! wolte Gott wir lägen auch bey dir!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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