[was Lieb ist, kränckt. Ich muß gestehn]

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Simon Dach: [was Lieb ist, kränckt. Ich muß gestehn] (1632)

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Was Lieb ist, kränckt. Ich muß gestehn,
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Der Freunde Todes-Fälle gehn
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Vns allen tieff zu Hertzen:
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Das Seelen-band, die feste Schnur,
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So Gott geknüpfft vnd die Natur,
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Zerreisset nicht ohn Schmertzen.

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Wer aber bey sich vberlegt
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Was Jammer dieses Leben hegt,
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Wird nicht so ängstig weinen,
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Wird wündschen, daß auch er der Noht
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Befreyt durch einen süssen Todt
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Nur schlieffe bey den Seinen.

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Was leiden wir nicht für Gefahr,
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Eh' als man auff die Todten-Bahr
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Mit vnserm Leichnam eilet?
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Wenn drengt vns nicht das leichte Glück,
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Das jedem sein genantes Stück
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Des Vngemachs ertheilet?

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Ich sag' hie nichts von Fleisch vnd Blut,
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Daß doch vns grossen schaden thut,
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Wir wallen in der Wüsten,
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Wo Sathanas sich hat versteckt,
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Vnd vns mit seiner Macht erschreckt,
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Wo Mord vnd Grawen nisten.

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Wie manchen hat er doch gefällt
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Durch seine Netze, die er stellt?
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Er liegt in seiner Hölen,
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Hat Finsternus vmb sich gethan,
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Verwachet listig alle Bahn
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Vnd steht nach vnsrer Seelen.

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Dem jagt er nach durch Trunckenheit,
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Durch Vnzucht dem, vnd dem durch Neid,
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Den muß der Zorn besiegen:
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Durch Hochmuht kömpt er diesem bey
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Vnd diesem wo durch Heucheley,
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Durch Geitz muß der erliegen.

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Nachdem wir also sind berückt,
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Wie sonst ein Vogel sich verstrickt,
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Gehn irr' in seinen Banden,
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Erkennen vnser Elend nicht,
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Sind frembde von des Glaubens Liecht,
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So ist der Todt verhanden.

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Wie eine Spinne sich verbirgt
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Vnd vnvorsehens alles würgt
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Was jhr Gewehb' erhaschet,
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So heist der Todt es auch geschehn;
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Eh als man sein sich kan versehn,
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Hat er vns vberraschet.

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Ach wer getrawt jhm alle Pein,
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Mit der wir stets zu Felde seyn,
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Nur kürtzlich anzuführen?
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Wir bawen hie ein Jammer-Hauß,
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Vnd müssen sämptlich auß vnd auß
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Mit Müh vnd Noht es zieren.

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Der giebt dazu der Sorgen Last,
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Vnd der hat Furcht, der Hohn gefasst,
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Der muß verfolgung tragen,
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Der kömpt mit Armuht, der mit Qual,
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Der bringt der Kranckheit grosse Zahl,
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Ein andrer andre Plagen.

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Wer aber sich davon gemacht
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Vnd seelig seinen Lauff vollbracht,
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Geht einmal recht zu Bette,
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Deckt sich mit frischer Erde zu,
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Vnd rastet da in stoltzer Rhue
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Mit andern vmb die Wette.

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Er dencket an die Welt nicht mehr,
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Gönnt weder Augen noch Gehör
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Des Lebens eiteln Dingen:
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Schläfft vngeweckt, vnd solte gleich
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Durch Mord vnd Brandt der Erden Reich
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In Stücke gantz zerspringen.

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Ein Tausendt Jahr vnd noch so viel
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Ist jhm kaum einer Stunden Ziel,
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Biß nun die Welt wird fallen,
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Gott ankömpt mit dem Tagelohn,
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Vnd der Posaunen heller Thon
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Auch Gräber-durch wird schallen.

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Sein Geist lebt da, wo Abraham
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Ist stets zu finden vmb das Lamm,
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Hört zu den Musicanten:
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Lacht aller Lust in dieser Welt,
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Forscht vmb das schöne Himmelsfeld
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Nach seinen Anverwandten.

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Wer nichts nach diesem allen fragt,
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Die Seinen vngetröstet klagt,
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Ist in der Welt ersoffen:
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Ist Glaubens-loß, bekennet frey,
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Nach diesem schnöden Leben sey
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Kein Himmel mehr zu hoffen.

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Gott, der du auffgenommen bist,
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Wo vnser rechtes Erbtheil ist,
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Laß keiner Müh vns sparen
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Recht zu erwegen diese Zeit,
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Vnd durch so vieles Hertzeleid
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Nur bald dir nachzufahren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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