O Weh, O grosse Noht!

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Simon Dach: O Weh, O grosse Noht! Titel entspricht 1. Vers(1632)

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O Weh, O grosse Noht!
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Der Völcker Trost ist tod.
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Der ChurErb, unsre Frewde,
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Mehrt schon der Sternen Reich
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Und lässt durch seine Leich'
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Uns in zu tieffem Leide!

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Eh' dieser Stral uns schien',
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Ach pflagen wir umb Ihn
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Nicht Tag und Nacht zu flehen?
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Er kam, der wehrte Gast,
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Wir sungen: Gott, du hast
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Uns gnädigst angesehen!

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Auff solche gutte Zeit
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Hat uns die Sicherheit
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Zu hefftig eingenommen:
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Drumb sind wir auch so bald
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Umb unsern Auffenthalt,
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O Hertzeleid! gekommen.

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Der grosse ChurFürst weint,
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Die thewre Mutter scheint
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Auch schier nicht Trost zu fassen;
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Der Groß-Fraw-Mutter Hertz
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Birgt in sich diesen Schmertz
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Und seufftzet nur ohn massen.

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Das Brandenburger-Hauß
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Sieht ängst- und kläglich auß,
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Der Rein muß schwerer fliessen,
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Elb, Oder, Ucker, Spree
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An stat des Wassers Weh'
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Und heisse Thränen giessen.

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Und Preussen wolt' allein
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Ohn Schmertz' und Kummer seyn?
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O klag für allen Dingen,
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Durch diesen Trawer-Stand
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Must du auch, armes Land,
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Mit deinem Tode ringen.

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Du bist vorhin nicht starck,
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Betracht dich, schaw, dein Marck
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Ist gantz in dir verschwunden:
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Erkenn doch dieß Gericht,
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Im fall du vormals nicht
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Gefühlt hast deine Wunden.

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Klagt beydes Weib und Mann,
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Zieht grobe Kittel an,
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Bestrewet euch mit Aschen,
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Seyd aller Schmertzen voll,
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Der Busse Seiffe soll
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Mit Thränen-Laug' euch waschen.

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Wer jetzt sich frölich stellt,
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Säufft, Gastereyen hält
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Und Lust ihm sucht zu schaffen,
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Er sey auch wer er sey,
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Ist, allem Recht nach, frey
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Mit Thurn und Bann zu straffen.

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Jung, Alt und Arm und Reich
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Weint ewren Priestern gleich,
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Seht ängstig von Geberden:
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Schont ewrer Glieder nicht,
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Liegt auff dem Angesicht,
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Beschmutzt von schwartzer Erden.

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Sprecht: Gott, du bist gerecht,
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Wir sind die bösen Knecht'
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Und reiff zu allen Plagen,
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Schon aber deiner Schar
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Und laß nicht also gar
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Ohn Gnad' uns arme schlagen.

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Wir sind Israels Hauß,
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Schütt deinen Eiffer auß
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Auff die, so dich nicht kennen,
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Du siehest ja, daß wir,
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Dein Erbtheil, uns nach dir
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Und deinem Nahmen nennen.

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Ersetz, wie dir bewust,
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Den Schaden und Verlust,
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Der, so uns zwingt zu heulen:
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Richt dieses Hauß empor,
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Vermehr' es wie zuvor
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Und gieb ihm newe Seulen.

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Der ChurFürst, unsre Zier
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Und höchste Rhu nechst dir,
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Empfinde newes Leben,
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Die Mutter werd' erfrewt,
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Laß sie auff dieses Leid
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Beständig' Hoffnung heben.

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Des hohen Hauses Pracht
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Müss' auff die Trübniß-Nacht
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Ein Frewden-Licht empfinden:
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Schaff allen Raht und Rast,
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Was du verwundet hast,
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Such wieder zu verbinden.

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Uns aber gieb ein Hertz,
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Daß wir der Sünden-Schmertz,
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Der ewig Weh bringt, meiden
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Und tragen seine Zucht,
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Die nie was böses sucht,
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Gedultig und bescheiden.

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Wer weiß, dich kan der Noht,
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Die Untergang und Tod
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Uns ansagt, noch gerewen:
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Auff diesen rawen Ost
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Kan deiner Sonnen Trost
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Mit Segen uns erfrewen.

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O thu' es, und vermehr
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So deines Nahmens Ehr'
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Hie und auff aller Erden;
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Denn du erkennst, was wir
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Für solche Gutthat dir
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Noch schuldig bleiben werden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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