Also hat uns Gott in Gnaden

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Also hat uns Gott in Gnaden Titel entspricht 1. Vers(1632)

1
Also hat uns Gott in Gnaden
2
Nun auch dieser Furcht entladen,
3
Heldinn, durch den thewren Gast,
4
Den du zwar besorgt getragen,
5
Aber in den Meyen-Tagen
6
Newlich froh gebohren hast.

7
O der so gewünschten Stunden,
8
Die, O Churfürstinn, entbunden
9
Dich der Bürd' und uns der Noht,
10
Uns, die unser grosse König
11
Eben dazumahl nicht wenig
12
Hat betrübt durch seinen Todt.

13
Das Verlangen, so wir trieben,
14
Wird durch keines Faust beschrieben,
15
Stündlich fast kam Zeitung ein,
16
Ja, es ist in dreyen Wochen
17
Nichts ohn dieß allein gesprochen:
18
Die Geburt soll richtig seyn.

19
Wer hat aber unterdessen
20
Des Gebehtes hie vergessen?
21
Dieß war aller Kirchen Thon,
22
Unsre Seufftzer, unsre Lieder,
23
Die wir sungen hin und wieder,
24
Waren nur umb diesen Sohn.

25
Gott hab' jetzund unser Flehen
26
Oder sonst was angesehen,
27
Wol, du hohe Mutter, dir!
28
Den du untter keuschem Hertzen,
29
Gott und du weist mit was Schmertzen,
30
So viel Monden trugst, ist hier.

31
Wol auch uns und unserm Lande,
32
Dem sich Gott in diesem Pfande
33
Seiner Gunst versichert hält,
34
Und nun unsrer Hoffnung Tritten,
35
Die bißher so sehr geglitten,
36
Einen festen Grund gestellt.

37
Seine Huld wil uns nicht lassen,
38
Recht als wir bekümmert sassen,
39
Weinten: Unsers Hauptes Pracht
40
Hat uns gute Nacht gegeben,
41
Ward' uns dein' Entbindung eben
42
Fern aus Cleve zugebracht.

43
Wie in starcken Donnerschlägen,
44
In Gewölck', in Sturm und Regen
45
Uns die liebe Sonne thut,
46
Also mitten in dem Leide
47
War uns über dieser Frewde
48
Auch umb selbe Zeit zu muth.

49
Anfangs wolte man nicht trawen,
50
Was wir mit Verlangen schawen,
51
Wird mit Sorg' und Furcht gegläubt,
52
Biß die Warheit wird erlesen,
53
Und von diesem lieben Wesen
54
Eine Post die andre treibt.

55
Als sie aber nun erschollen,
56
Hätte man hie sehen sollen
57
Alles Land in Frewde stehn,
58
Sich mit diesen wehrten Sachen
59
Hin und Her beheglich machen,
60
Einen Freund zum andern gehn.

61
Niemand kan was anders sprechen
62
Auff der Börß', in den Gelächen.
63
Krancken selbs ist hievon woll,
64
Daß sie Krafft und Leben fassen,
65
Gärtten, Junckerhöff' und Gassen
66
Sind von dieser Zeitung voll.

67
Erst ist in der Frommen Orden
68
Gott hievor gepriesen worden,
69
Und gesagt, daß seiner Trew
70
Einig dießfals sey zu dancken,
71
Als die Häuser, so schon wancken,
72
Wieder durch Geburt erfrew'.

73
Hierauff geben ungehewer
74
Beydes Schloss und Freyheit Fewer.
75
Lochstät, Pillaw, See, die Fluth
76
Beyder Häb' und ihre Tieffe,
77
Und die tausent frembden Schiffe
78
Stehn in Nebel, Dampff und Glut.

79
Waß? der Brückenreiche Pregel
80
Hebt durch Flaggen, Mäst' und Segel
81
Sein beschilfftes Haupt empor,
82
Und nachdem er angesehen,
83
Was und warumb es geschehen,
84
Läufft er schneller als zuvor.

85
Thetis schickt die Germawinnen
86
Und die schönen Dirschkeiminnen
87
Auß den Wellen an das Land,
88
Die an ihrem West sich kühlen
89
Und durch seine Freundschafft spülen
90
Grossen Birnstein an den Rand.

91
Phyllis schickt Sylvanen Kräntze,
92
Alle Nymfen führen Täntze,
93
Ihre Furcht, der geile Pan,
94
Geht nicht minder stets im Reyen
95
Und auff seiner Wald-Schalmeyen
96
Singt er hievon was er kan.

97
Der Lust noch nicht zu gedencken,
98
Die sich in Gesundheit-Träncken,
99
Und im Frewden-Brand' erregt,
100
So die gantze Nacht durch wehrte
101
Und, weil ihn der Pöfel nährte,
102
Kaum früh Morgens sich gelegt!

103
Lasst uns treiben was wir können,
104
Weil es Gott uns scheint zu gönnen,
105
Also muß die Furcht und Pein,
106
Der wir in verwichnen Jahren
107
Gnug uns pflagen zu befahren,
108
Nun einmal bezahlet seyn.

109
Auch du, Königlicher Schatten,
110
Wirst uns diese Lust verstatten,
111
Unser Hertz ist dir bekant,
112
Und der Himmel, deine Wonne,
113
Da dich kröhnet Licht und Sonne,
114
Weiß umb unsern Trawer-Standt.

115
Allzeit wird man dir gewehren
116
Jammer, Hertzens-Angst und Zehren,
117
Unsre Mawer wahrest du,
118
Unser Trost in Müh und Sorgen,
119
Wider Mitternacht und Morgen
120
Halffst du uns mit Schutz und Ruh.

121
Nur verzeih, daß man die Klage
122
Was verscheubt an diesem Tage,
123
Da ein newes Licht uns strahlt,
124
Und die Nacht bekränckter Hertzen
125
Durch die angenehme Kertzen
126
Wolgegründter Hoffnung mahlt.

127
Denn von nun an wird sich Leben,
128
Geist und Muth erst recht erheben,
129
Nun verjüngt sich jedermann,
130
Kan von allen seinen Sachen
131
Ihm gewisse Rechnung machen,
132
Greifft sich mehr als vormahls an.

133
Nun wird man nach Nahrung schawen,
134
Felder, Gärten, Häuser bawen,
135
Nun nach süsser Heyraht stehn,
136
Nun wird hie in Glaubens-Wercken
137
Auch der Gottesdienst sich stärcken
138
Und das Recht im Schwange gehn.

139
Hierbey trawren oder klagen
140
Ist ein Undanck so zu sagen,
141
Deutschland muß den langen Streit
142
Wider Danck und Willen hegen,
143
Ist doch über deinem Segen,
144
O ChurBrandenburgk, erfrewt.

145
Fleust der edle Rein gleich blutig,
146
Dießfals ist er dennoch muhtig,
147
Zieht es ihm zum Rhum und Pracht,
148
Daß der Trost so vieler Lande
149
Eben jetzt an seinem Rande
150
Ist an dieses Licht gebracht.

151
Cleve kan sich nicht ergründen
152
Noch in dieses Glück recht finden,
153
Wolte Rom nicht hie vor seyn,
154
Und es hat fürwar zu prangen,
155
Denn es stellte das Verlangen
156
Grosser Völcker hie sich ein.

157
Sey gegrüsst, O Preiß der Städte,
158
Gott erhöret die Gebehte
159
Seiner lieben Schar in dir,
160
Hat mang tausent dich erkohren,
161
Schaw, es wird in dir gebohren,
162
Unsre Lust, der Helden Zier.

163
Gott müss' allzeit dich erwehlen,
164
Nie dir etwas lassen fehlen,
165
Werde seines Segens Zelt,
166
Wachs an Ansehn, Leuten, Wahren
167
Und verkehr' in wenig Jahren
168
Dich, O Stadt, in eine Welt.

169
Schaw, wie sich an deinen Frewden
170
So viel grosse Häuser weiden,
171
Wie die Groß-Fraw-Mutter thut,
172
Gott ihr Lippen-Opffer bringet
173
Und der Sternen Hitze zwinget
174
Durch der Andacht heisse Glut.

175
Cölln erdencket newe Weisen,
176
Wie Berlin auch Gott zu preisen,
177
Holland weiß jetzt keinen Streit
178
Und wil aller Noht vergessen,
179
Wo bleibt Neuburgk, Churland, Hessen
180
Und was mehr sich hierob frewt?

181
Jetzund thut mir erst von nöhten
182
Alle Zieraht der Poeten,
183
O wer läst mich Claudian,
184
Flaccus oder Maro werden?
185
Ich verliesse Volck und Erden,
186
Würde stracks ein weisser Schwan.

187
Oder hett' ich Ceres Drachen,
188
Die mir wüsten Bahn zu machen,
189
Weg durch Wolcken, Lufft und Wind,
190
Sollt ich nicht auff schnellem Wagen
191
Über Stern und Himmel tragen
192
Dich, du süsses Fürsten-Kind?

193
Deiner hohen Ahnen Mänge
194
Würden erstlich mein Gepränge,
195
Deines Vaters Pracht stünd hie
196
Deiner Mutter gegenüber,
197
Wäre mir auch etwas lieber
198
Als die Anmut solcher Müh?

199
Hierauff säng ich das Verlangen
200
Und den Wunsch, dich zu empfangen,
201
Der nicht zu ergründen ist,
202
Denn du nicht kömpst ungebehten,
203
Sondern wol in tausent Städten
204
Wie von Gott erzwungen bist.

205
Nachmals rühmt' ich das Begnügen
206
Deiner Eltern, deine Wiegen,
207
Deiner Pflege grosse Trew,
208
Wie erfrewt du angekommen,
209
Wie man dich hab' auffgenommen
210
Nur mit Lieb' und Lust-Geschrey.

211
Nachmals wolt' ich kündig machen,
212
Was von deines Lebens-Sachen
213
Das Verhängnüß-Buch enthält,
214
Deinen Auffwachs, deine Jugend,
215
Deine ritterliche Tugend,
216
Dein Verdienst in dieser Welt.

217
Aber dieß sind hohe Dinge,
218
Ich bin ihnen zu geringe,
219
Auch Barleus Wissenschaft,
220
Die nicht gnugsam zu erheben,
221
Würd' er ietzt gleich wieder leben,
222
Fehlt' es hie an Geist und Krafft.

223
Wachs, O Kind, die grünen Wälder
224
Und die Frucht der schwangren Felder
225
Wächst zu Wolgefallen dir,
226
Dann nicht, wann es pflegt zu schneyen,
227
Sondern in dem schönen Meyen
228
Bistu, Wunsch der Sternen, hier.

229
Blumen, Gräser, Kräuter, Bienen
230
Sind bemüht dir auff zu dienen,
231
Heissen dich willkommen seyn,
232
Suchen dich als ihrem Herren
233
Alle Lust-Thör' auffzusperren,
234
Also gehst du zu uns ein.

235
Daß Geflügel lässt sich hören,
236
Singt auff unterschiednen Chören,
237
Dich Kind, seinen Hertzog, an,
238
Und die Kunst der Nachtigalen
239
Kriegt den Preiß für andern allen,
240
Und erhebt dich, wie sie kan.

241
Werden wir durch deine Gaben
242
Nicht ein stetes Vor-Jahr haben,
243
Nicht ein Leben aller Ruh?
244
Denn die angenehme Zeiten,
245
Welche dich, O Kind, begleiten,
246
Sagen dieses gut' uns zu?

247
Eben jetzt wird allenthalben
248
Dich der Geist von oben salben
249
Durch das heilig-hohe Bad,
250
Da sich Gott mit allem Segen
251
Wird in dein Gemüte legen,
252
Daß du wandelst seinen Pfad.

253
Du entsagst den bösen Lüsten,
254
Lässest dich mit Warheit rüsten
255
Wieder Satans Tyranney,
256
Hebst dein Hertz von aller Erden
257
Gar ein newer Mensch zu werden,
258
Der nach Gott geschaffen sey.

259
Bist ein Fürst zwar von Geblüte,
260
Doch ein Keyser im Gemüte,
261
Schlachtst du deinem Vater nach,
262
Dessen unbeflecktes Leben
263
Glimpff und Weißheit zu erheben
264
Aller Redner Kunst zu schwach.

265
Der wird dich in gleichen Sachen
266
Durch die Zucht Ihm ähnlich machen,
267
Auch der Mutter hoher Fleiß
268
Wird zu allem Wesen sehen:
269
Was wir bitten oder flehen
270
Ist dein Auffwachs, Zier und Preiß.

271
Also wirstu Ruh' und Frommen
272
Denen seyn, die nach uns kommen,
273
Und zwar hie im Segen stehn,
274
Aber dort, wenn du in Frieden,
275
Alt und Welt-satt abgeschieden,
276
Über alle Hoheit gehn.

277
Und du Blume von Nassowen,
278
Als die Welt ie können schauen,
279
O Loyse, sey erfrewt,
280
Und laß neben uns den deinen
281
Ehr' und Danck vor Gott' erscheinen
282
Wegen deiner Fruchtbarheit.

283
Also wirst du nun unß Preussen
284
Noch so hoch gesegnet heissen.
285
Wird es denn nicht bald geschehn?
286
Kömmt die Stunde nicht geschwinde,
287
Daß wir dich sampt deinem Kinde,
288
Grosse Mutter, werden sehn?

289
Küss' indessen auff die Schmertzen
290
Deinen liebsten Sohn von Hertzen,
291
Er bezahlt dir gnug die Noht,
292
Er verbindet auch die Wunden,
293
Die du, Heldinn, hast empfunden
294
Durch des hohen Vaters Todt.

295
Gott wird ferner uns erhören,
296
Brandenburgk durch dich vermehren
297
Als die Stern' am Himmels-Saal,
298
Weil es zimlich abgenommen,
299
Aber nun empor sol kommen,
300
Ist mir recht, zum dritten mal.

301
Du nur wollest dieses Wesen
302
Meiner trewen Einfalt lesen
303
Frölich, gnädigst, ohn Verdruß,
304
Nach den Niederländer-Schwänen
305
Dich nun einer Ganß gewehnen,
306
Die in Preussen schnattern muß.

307
Aber auch von Dir zu sagen,
308
ChurFürst, süsses Wolbehagen
309
Deines Himmels und der Welt,
310
Was für Pflicht ist zu erdencken,
311
So wir deiner Gnade schencken,
312
Die uns so umbschlossen hält?

313
Dich der blossen Wollust wegen
314
In der Liebe Joch zu legen,
315
Ist von dir ein falscher Wahn,
316
Denn wer hat nicht gnug erfahren,
317
Daß du in den zarten Jahren
318
Solche Lust von dir gethan?

319
Kuntte dir nicht dies zu treiben
320
Fug' und Freyheit gnug erläuben
321
Als kaum einem? aber nein.
322
Du gedachtst dich einzuschliessen,
323
Und dir selber im Gewissen
324
Aller Lüste Zwang zu seyn.

325
Darumb trugst du dich mit Sorgen
326
Deiner Herrschaft von dem Morgen
327
Biß auf späten Abend zu:
328
Suchtst du aber dein Ergetzen,
329
So war reiten, jagen, hetzen
330
Und der Garten deine Ruh.

331
Venus gab schon gantz verlohren,
332
Amor hielte sich beschworen,
333
Wir erschracken und dein Hauß,
334
Biß dein Hertz zurück gedencket,
335
Sich zu süsser Heyraht lencket
336
Und macht diesen Schluß darauß.

337
Sonst ist auch dein Thun und Sinnen,
338
Held, dein lassen und Beginnen
339
Nichts als Gottes Ehr' und wir,
340
Da ein Welt-Buch von zu schreiben,
341
Ich muß solches lassen bleiben
342
Und dein Ernst verbeut es mir.

343
Herr, was haben wir dir dessen
344
Für Vergeltung zuzumässen?
345
Gott bezahl' es umb und an,
346
Dessen Hertz' in deinen Gaben,
347
Als auch Fürsten können haben,
348
Sich vergnüget spiegeln kan!

349
Wie daß der Himmel sich vernewert sampt der Erden?
350
Ein Fürst, die Lust der Welt, wird an dies Licht gebracht.
351
Wendstu das Vor-Jahr ein? Er käm' umb längste Nacht,
352
Der Winter würd' ihm stracks ein schöner Früling werden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.