Schuldigste Seufftzer und Wünsche, als Se. ChurFürstl. Durchl. auß Dero Hertzogthum Preussen in Dero andere Erbländer sich begeben

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Simon Dach: Schuldigste Seufftzer und Wünsche, als Se. ChurFürstl. Durchl. auß Dero Hertzogthum Preussen in Dero andere Erbländer sich begeben (1632)

1
Ihr Seufftzer hier im Lande,
2
Ihr Trähnen in gemein,
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So viel auß jedem Stande
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Nur auffzubringen seyn,
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Sucht jetzt vor Gott zu schweben,
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Bringt aller Hertz vor Ihn,
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Der ChurFürst, unser Leben,
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Wil numehr von uns ziehn.

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Sein Vorsatz muß nur walten,
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Ja keine Bitt hat Macht
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Ihn länger an-zu-halten,
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Er giebt uns gute Nacht,
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Verlässt den edlen Pregel
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Und diesen fruchtbarn Ort,
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Sein Volck geht theils zu Segel
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Und theils zu Lande fort.

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Ich seh' auch unsre Frewde
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Und Zuflucht mit Ihm gehn,
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Wir werden stets in Leide
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Und tieffem Trawren stehn.
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Kein Heerpauck wird nun kingen,
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Der zwölff Trompeten Schall
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Wird nicht, wie vormals, dringen
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Durch Städte, Berg' und Thal.

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Des Schlosses Pracht, die Dächer
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Empfinden jetzund Pein,
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Die Fürstlichen Gemächer
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Nimmt Staub und Grawen ein,
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Der Mey ist selbs, von wegen
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Des Auffbruchs, Kält und Wust,
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Und wil durchauß nicht hegen
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Gewünschte Vorjahrslust.

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O fasst recht zu Gemüte,
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Wer jetzund von uns eilt,
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Durch welchen alle Güte
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Von Gott uns wird ertheilt.
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Wer ist für Elend, Trawren,
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Angst, Schrecken und Beschwer
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Uns hohe Wäll' und Mawren?
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Der Höchste nur und Er.

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Gleich wie uns hie bestämmet
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Der Nehrung wilde Höh,
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Sonst würden wir verschwemmet
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Von strenger Fluth der See,
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So ist auch unsern Sachen
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Er einig Schutz und Rhue,
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Sonst schlügen alle Wachen
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Des Jammers auff uns zu.

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Wer Andacht hat zu behten,
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Reich, Arm, sampt Jung und Alt
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Komm' jetzt vor Gott getreten,
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Und öffn' Ihm mannigfalt
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Die heimlich' HertzensPforten,
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Der kleinen Kinder Schaar
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Soll mit zerbrochnen Worten
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Ihm klagen die Gefahr.

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Man hört die Rede fliegen,
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Da aber Gott vor sey,
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Der Nort woll' uns bekriegen,
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Wer steht uns Armen bey
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In diesem schweren Stande?
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Was Schutz wird uns gewehrt,
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Wann unser Haupt im Lande
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Sich auch nun von uns kehrt?

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Bleib hie, O Liecht der Erden,
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Schaw, in was Angst wir seyn,
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Daß wir getröstet werden,
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Laß Dich erbitten! nein.
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Dein Erbe thut imgleichen
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Zu ängstiglich nach Dir,
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Und wil für Furcht erbleichen,
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Dieß reisset Dich von hier.

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Du magst, O Held, wol sagen,
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Daß deiner Herrschafft Last
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Kaum müglich Dir zu tragen,
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Wenn kriegstu doch wol Rast?
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Wenn kanstu dich ergetzen?
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Das Glück muß jederzeit
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An deine Länder setzen
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Mit Zorn und Grausamheit.

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Du bist in solchen Jahren,
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Da lauter Lieb und Lust
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Dir solten wiederfahren,
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So ist Dir nichts bewust
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Als Arbeit, Sorg und Wachen;
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Ist dieß Dein hoher Standt?
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Ist es mit ewren Sachen,
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Ihr Fürsten, so bewandt?

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Wer so Euch an wird schawen,
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Nicht Ewrer Hoheit Zier,
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Wie soltt' ihm doch nicht grawen
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Ein Herr zu seyn, wie Ihr?
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Wol, daß die Sorgen wohnen
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Versteckt in grossen Schein,
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Sonst würden Pracht und Krohnen
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Oed' und verlassen seyn.

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Gott wolle ja Dich stercken,
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Daß Du, des Himmels Lust,
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Magst seinen Beystandt mercken
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In allem was Du thust,
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Er setze Ziel und Grentzen
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Des Glückes Tyranney,
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Daß deines Lebens Lentzen
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Es nicht zu mächtig sey.

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Und weil Du denn must scheiden,
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So müsse Dich kein Fall
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Und keine Noht beleiden,
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Fahr glücklich überall,
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Gott nehme Dich in Segen,
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Des Himmels Auffsicht thue,
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Herr, über deinen Wegen
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Und Dir kein Auge zu.

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Es müssen Lieb' und Lachen,
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Rhue, Gnüg' und Freundlicheit
115
Dich überall bewachen,
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Die liebe Vorjahrs-Zeit,
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So biß anher gewesen
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Kält, Ungemach und Pein,
119
Sol Dir jetzt außerlesen
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Warm, hell' und lieblich seyn.

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Und schaw, das schöne Wetter
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Nimmt deiner Reiß' auch war,
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Der Wald gewinnet Blätter,
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Die Bäche rinnen klar,
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Dir hat zu Lust und Frommen
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Der Monden Printz, der Mey,
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Den Mantel umbgenommen
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Von Farben mancherley.

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Die Heerd' und Hirten springen,
130
Man hört umb Berg' und Thal
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Die süssen Vögel singen,
132
Vorauß die Nachtigall
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Sitzt auff begrünten Zweigen,
134
Hebt ihre Stimm' empor,
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Und thut es allen Geigen
136
Und Lauten weit zuvor.

137
Dir wird mit schönen Flüssen
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Des Nagots klare Flut
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Sich legen zu den Füssen,
140
Der Weichsel Ubermuth
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Wird Dir geneigt sich zähmen,
142
Dich, unser thewres Pfandt,
143
Sanfft in die Arme nehmen
144
Und setzen an das Landt.

145
Wie wird dich doch empfangen
146
Die Marck, dein Ankunfft-Hauß!
147
Berlihn sieht mit Verlangen
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Zu allen Fenstern auß,
149
Das Feld wird Rosen schwitzen
150
Erfüllt mit Fruchtbarheit,
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Cüstrihn und Spandaw blitzen,
152
Und alles seyn erfrewt.

153
Sind wir bey Gott in Gnaden
154
So wird es, Herr, geschehn,
155
Daß wir gefernt von Schaden
156
Dich frölich wiedersehn.
157
Fahr glücklich und in Frieden!
158
Sey von uns mit Gesicht
159
Und Leibe zwar geschieden,
160
Doch mit dem Hertzen nicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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