Weg von mir auff Heut vnd Morgen

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Simon Dach: Weg von mir auff Heut vnd Morgen Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Weg von mir auff Heut vnd Morgen,
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O du bleiche Schaar der Sorgen,
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Vnd du öde Trawrigheit!
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Anmuth, Liebe, Gnüge, Leben,
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Lachen vnd gewünschte Zeit
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Sollen frölich vmb mich schweben,
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Weil der sechste Hornung mir
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Heilig soll gehalten werden,
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So, der Völcker Lust vnd Zier,
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Vnsern
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Auff des Himmels trewen Raht
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Durch Geburt geschencket hat.

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Preiß der Tage, Wunsch der Frommen,
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Meine Frewde, sey willkommen,
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Grösser noch ist deine Lust
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Heilger bist du recht zu sagen,
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Als der Tag, der vor August
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Hat an diese Welt getragen,
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Kein Gewölcke, keine Kältt'
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Vnd kein Sturm soll dich betrüben,
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Wenn du anbrichst, soll die Welt
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Nichts sonst anders thun, als lieben,
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Weil du vnsre Lieb vnd Rast
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An das Liecht gesetzest hast.

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O wie hat sich aller massen
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Da der Himmel ausgelassen,
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Seine Freundlicheit hat er
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Stromes-weis' vns zugegossen,
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Nectar ist von oben her
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Auff dieß edle Land geflossen,
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Was ein Hertz auch wünschen mag,
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Balsam, Honig, Milch vnd Oele
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Hat erquickt vmb selben Tag
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Beydes vnser Leib und Seele,
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Wurden jung auff eine Zeit.

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Aller Wolstandt, der vns zieret,
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Vnd vns täglich new gebieret,
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Diese Rhue, der nichts gebricht,
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Vnd was sonst ist auserkohren
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Ist mit vnserm Haupt vnd Liecht
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In was Hertzeleid' vnd Noht
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Würden wir doch jetzund stecken,
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Drangsal, Dienstbarheit vnd Todt
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Würd' vns armes Volck erschrecken,
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Hätte Gott vns dieses Pfandt
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Nicht aus Gnaden zugewandt.

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Wer nicht für Sein Heil vnd Leben
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Heut dem Höchsten Danck wil geben,
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Zürnt auff diesen gutten Standt,
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Hat an Angst vnd Noht gefallen
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Vnd ist vmb den Nilus-Strandt
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Wehrt im Elend vmbzuwallen,
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Sol des Türckschen Joches Last,
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Das sonst vnerträglich, tragen,
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Daß er nichts von Lieb vnd Rast,
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So zwar vns kröhnt, könne sagen,
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Vnd in wildster Barbarey
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Kenne weder Recht noch Trew.

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Darumb, weil an diesem Tage
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Seine Marck auch alle Klage
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Wie vermuhtlich ein-wird-ziehn,
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Spree vnd Oder sich erfrewen,
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Weil auch Spandow vnd Cüstrin
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Sich an diesem Fest ernewen,
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Ja weil Clev' vnd Jülich sich
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Vngezweiffelt jetzt erhöhen,
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Pommern selbst auch hoffentlich
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Seine Frewde wird gestehen,
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Thut auch vnser Hertz vnd Mund
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Billig seine Frewde kunt.

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Was in Dörffern vnd in Städten
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Kan, sol vor den Höchsten tretten,
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Ihm sol aller Andacht Fleiß
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Lob, so ewig wehret, bringen,
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Seiner Macht vnd Gnaden Preiß
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Sol auff allen Kanzeln klingen,
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Sonderlich sol Königsbergk
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Gott zu loben sich bemühen,
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Vnd das starcke volle Werck
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Ihm auff allen Orgeln ziehen,
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Vnd daneben zeigen an,
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Warumb solches wird gethan.

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Was wir mit erhitzten Sinnen
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Dießfals jmmer auch beginnen,
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Kömpt bey weitem doch nicht bey
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Dem, was die Fraw
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Thut auß Mütterlicher Trew,
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Wie wird sie den HERREN loben!
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Mit was Thränen fristet Sie
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Ihres Herren
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Wenn Ihr Hertz sich spat vnd früe
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Nur der GottesFurcht ergeben
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Vnd viel mehr mit behten schafft,
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Als sonst eine Heeres-krafft.

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Halt, o Heldinn, dies Gemüte,
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Bring auff vns des Himmels Güte,
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Wie der Höchste Dich erkiest,
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Dieses Haupt vns zu gebähren,
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Also danck Er auch die Frist
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Seines Lebens Deinen Zehren.
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Wol vns, das der wehrte Heldt
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Die Geburt von Dir genommen,
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Die Du bist ein Glantz der Welt
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Vnd ein Spiegel aller Frommen,
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Seiner Huld vnd Güte Zier
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Erbt Er, wie Geblüt, von Dir.

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Könte GottesFurcht auff Erden
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Wie ein Mensch gebohren werden,
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Daß sie dieser Sonnen Schein
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Möchte sehn ohn Leid vnd Schmertzen,
111
Ihr Empfängnis würde seyn
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Vntter Deinem heilgen Hertzen.
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Seelig ist wer sich ergetzt
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Hie an Deinem strengen Leben,
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Seelger der sich vorgesetzt
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Deiner Tugend nachzustreben,
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Dieß gesteh ich armer frey,
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Daß es mir nicht müglich sey.

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Jetzt laß gnädigst Dir gefallen,
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Wenn das Schlos wird wiederschallen
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Von gewünschtem Lust-geschrey,
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Wenn die Heerpauck heller klinget,
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Vnd der Tromten Melodey
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Lufft vnd Himmel selbst durchdringet,
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Wenn der Städte meister Theil
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Sich nur mit Gesundheit-Träncken,
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Die aup vnsers Fürsten Heil
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Angestellt sind, lässt beschencken,
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Weil, was diesfals wird vollbracht,
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Trewe Pflicht beliebet macht.

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Ich mit meinen schlechten Reimen
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Wil in warheit mich nicht seumen,
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Vnd mein Spiel beginnet schon
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Vngezwungen sich zu stimmen
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Vnd durch nicht gemeinen Thon
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Selbs die Wolcken zu erklimmen,
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Mein Pohlihnchen trachtet sich
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Weis vnd sauber anzulegen,
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Schmückt die Kinder wie auch mich
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Dieses hohen Festes wegen,
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Ja, es putzt mein armes Hauß
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Jetzt mit newem Pracht sich aus.

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Dir wird Gott zu seinen Ehren
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Deine Tag', o Held, vermehren,
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Vnd Dein hohes Hauß durch Dich,
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Wenn es Ihm gefällt, auch bawen,
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Wornach sehr vnd ängstiglich
148
So viel tausend Seelen schawen,
149
Dein Geburts-Fest, Herr, wirst Du
150
Lang hernach in grawen Haaren
151
In gewünschter Lust vnd Rhue
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Mitten in der Enckel Scharen
153
(gott laß mich nicht schamroht stehn
154
Vnd ein Lügner seyn!) begehn.

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Zwar ich weiß kein Band zu finden,
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Deine gnädigst' Hand zu binden,
157
Denn was ist Dein hoher Pracht,
158
Vnd dabey mein armes Wesen?
159
Was aus Indien wird gebracht,
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Ist vor Dich nicht auserlesen,
161
Amor aber ist bemüht
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Vmb ein Band vor Deinen Orden;
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Dieses fehlt nur, daß er sieht,
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Ob er eines hol' aus Norden,
165
Westen oder sonst wo her,
166
Welches Deiner würdig wer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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