Bey unverhofft- und höchsterfrewlicher Ankunfft Sr. Churfl. Durchl. in Dero Hertzogthumb Preussen und Residentz Königsberg

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Bey unverhofft- und höchsterfrewlicher Ankunfft Sr. Churfl. Durchl. in Dero Hertzogthumb Preussen und Residentz Königsberg (1632)

1
Hieher gehn nur unsre Schmertzen
2
Wegen Dein, Du Helden Rhum,
3
Churfürst, dieß dein Hertzogthum
4
Lieget Gott zu tieff im Hertzen,
5
Als daß Du, O Sonnen-Schein,
6
Länger köntest von uns seyn.

7
Zwar was Du Dir vorgenommen
8
Muß durchauß von statten gehn,
9
Denn was mag Dir wiederstehn?
10
Doch daß Du jetzt zu uns kommen,
11
Gönnest
12
Ist ohn Gottes Antrieb nicht.

13
Unsre Noht, Du Himmels-Segen,
14
Unser Angstgeschrey und Qual
15
Ist in gar zu grosser Zahl
16
Vor des Höchsten Thron gelegen,
17
Biß Dich seyn verborgner Raht
18
Auff zu seyn gereitzet hat.

19
Nun, Du kömpst, doch unempfangen,
20
Weil das müde
21
Rhut von seinem Tagewerck,
22
Und schon Luna auff ist gangen,
23
Die Dich von der Himmels-bahn
24
Sieht für ihren Bruder an.

25
Sie wil Dir sich heller zieren,
26
Thut der Wolcken Zelt bey Seit,
27
Giebt der Nacht ihr blawes Kleid,
28
Heisst die Sternen Täntze führen,
29
Und des runden Himmels Dach
30
Klar seyn auff den Tag hernach.

31
Alß es auch darauff muß tagen,
32
Bringt Aurora durch den Ost
33
Frost, den Stadt- und Felder-Trost,
34
Und schön Wetter mit getragen,
35
Und macht nochmals so bekant,
36
Daß Du seyst der Sternen Pfandt.

37
Dieses thun die Himmels-Liechter.
38
Sol nicht Hoff und Bürgerschafft
39
Jetzt empfinden newe Krafft?
40
Sollen nicht vorauß wir Tichter,
41
Und was lebet in gemein,
42
Uber Dir erfrewet seyn?

43
Gut, daß man im gantzen Lande
44
Auff den Cantzeln Gott erhebt,
45
Daß Er Dich gesund, belebt,
46
Frewdig und in guttem Stande,
47
Eh' ein Mensch noch wird gewar,
48
Stellt vor unser Augen dar.

49
Es vergrössert unsre Frewde,
50
Was so unverhofft entsteht.
51
Weil man gantz bekümmert geht,
52
Ist besorget und in Leide,
53
Behtet für Dich spat und früe,
54
Und Dich dort schätzt, bistu hie.

55
Also wenn das Haff besieget
56
Durch den Sturm ein schwaches Boht,
57
Und man denn nach langer Noht
58
Plötzlich schönes Wetter krieget,
59
Doppelt sich die Frölicheit,
60
Die so unverhofft erfrewt.

61
Nichts ist newes bey den Leuten,
62
Herr, als Deine Gegenwart,
63
Jederman ist wie bestarrt,
64
Und lesst sich es kaum bedeuten,
65
Wie Dein Auffbruch sey geschehn,
66
Daß sich Sein kein Mensch versehn.

67
Könte doch Dein Ohr nur dringen
68
Zu den Unterthanen hin,
69
Jedes reitzet seinen Sinn
70
Dich zu sagen, dich zu singen,
71
Jedes suchet umb und an,
72
Ob es wo Dich sehen kan.

73
Man vernimpt in diesen Tagen
74
Nichts durch jedes Bürger-Hauß
75
Als: Wie sieht Er itzund auß?
76
Diesen dieß, den jenes fragen,
77
Aller Sorge Trost und Rhue
78
Und Ergetzlicheit bist du.

79
Welcher denn Bescheid kan geben,
80
Der weiß die Gestalt an Dir,
81
Huld, Verstand und alle Zier
82
Nicht nach Gnüge zu erheben,
83
Da ist Frewde, Lieb und Preiß,
84
Und was man zu dencken weiß.

85
Herr, vermehr in uns die Wonne,
86
Nicht entzeuch dem Volcke dich,
87
Laß dich schawen öffentlich,
88
Denn du bist des Landes Sonne.
89
Weil man Gott nicht sehen kan,
90
Sieht man Dich, sein Bild, gern an.

91
Stell' ich mich auch bey den Hauffen,
92
Mich, den sonst Geringsten hier,
93
Ey ich weiß, daß keiner mir
94
Diesen Vortrab ab soll lauffen,
95
Daß durch Lieb und Andacht-Schein
96
Ich nicht hie solt' Erster seyn.

97
Andre bringen andre Sachen,
98
Warumb sie Dir hold sind, bey,
99
Meine Schuldigkeit und Trew
100
Weiß vorauß sich groß zu machen,
101
Weil Du mehr bey mir gethan,
102
Als sich ein Mensch rühmen kan.

103
Preussen hat mich erst gebohren,
104
Dein Herr Vater nachmals hie
105
In der Edlen Poesie
106
Ihm zum Diener selbs erkohren,
107
Daß ich ferner Brodt und Rhue
108
Finde, schaffen Gott und Du.

109
Leute, welche mehr begehren,
110
Als dieß kurtze Leben wil,
111
Düncket dieß vieleicht nicht viel,
112
Ich, dem gnügt, sich ehrlich nehren,
113
Und dabey ein freyer Muth,
114
Halt' es für ein Fürsten-gut.

115
Dieses und viel andre Dinge,
116
Daß Du bist der Helden Liecht,
117
Deiner Länder Zuversicht,
118
Macht, daß ich erfrewlich singe,
119
Und mir deiner Ankunfft Schein
120
Lasse hoch und heilig seyn.

121
Herr, Du bist ein Trost der Zeiten,
122
Unsrer letzten Hoffnung Grund,
123
Du erhältst den Friedens-bund,
124
Ausser Dir ist Angst und Streiten,
125
Ist Gefahr und höchste Noht
126
Und ein tausentfacher Todt.

127
Nicht für deine Wolfahrt behten,
128
Ist seyn aller Boßheit Freund,
129
Aller Rhue und Liebe Feind,
130
Ist die Tugend untertreten,
131
Und an Barbarey und Wust
132
Haben seine beste Lust.

133
Lieber hielt ich mich verlohren
134
Umb den schnellen Nilus-Fluß,
135
Oder umb den Caucasus,
136
Oder lebte bey den Mohren,
137
Als ohn deines Lebens Standt
138
Noch bewohnen Preussenlandt.

139
Und die strenge Winter-Reyse
140
Sol Dir drewen Noht und Zwangk?
141
Und der starcken Weichsel Gangk
142
Sorglich seyn mit schwachem Eyse?
143
Nein, der Himmel hält Dir Schutz
144
Wieder alles Wetters Trutz.

145
Laß das ärgste Leid ergrimmen,
146
Laß Neid, Unmuth, Zorn und Haß,
147
Zeit und Noht ohn alle Maß
148
Wieder dich zusammen stimmen,
149
Das Gebeth der frommen Welt
150
Ist was Dich gefahrlohß helt.

151
Nur eyl nicht so bald von hinnen,
152
Es erhole sich dein Sinn,
153
Daß der Schweden Königinn,
154
Und die Pfaltz- und Marg-Gräffinnen,
155
Sämptlich, Chur Fürst, dein Geblüt,
156
An Dir laben jhr Gemüht.

157
Nimm Dein Fürstliches Ergetzen
158
Auff der wilden Bähren-Jagt,
159
Such die Sorg und was Dich plagt
160
Zu vertreiben durch das Hetzen,
161
Schaw, Diana rüstet sich,
162
Und lockt in die Wälder Dich.

163
Ross' und Hunde wollen eilen,
164
Phoebus selbs, der Jäger Fürst,
165
Mercket, wenn Du auff seyn wirst,
166
Wartet mit Geschoß und Pfeilen,
167
Wil Dich leiten überall
168
Durch Gepüsch, Gebirg und Thal.

169
Wann die liebe Sonn' indessen
170
Sich dem Norden näher dringt,
171
Und das schöne Vorjahr bringt,
172
Daß der Kälte wird vergessen,
173
Haff und Pregel offen sind,
174
Und der Wald sein Haar gewinnt,

175
Wird sich auch Dein Gartt' erheben
176
Mit geferbter Blumen Zier
177
Und mit Kräutern da und hier,
178
Und dir schencken newes Leben.
179
Nimm, was dir der Himmel giebt,
180
Zeitig gnug kömpt was betrübt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.