Sehnliche Klage des Hertzogthumbs Preussen, über obhandener Abreise, in der Melodey des. 115. Psalms im Lobwasser zu singen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Simon Dach: Sehnliche Klage des Hertzogthumbs Preussen, über obhandener Abreise, in der Melodey des. 115. Psalms im Lobwasser zu singen (1632)

1
Wo Thränen, Held, Dir zu Gemühte gehn,
2
So sieh' allhie betrübt mich vor Dir stehn,
3
Ja auff der Erden liegen:
4
Die Händ' heb ich empor zu GOTT und Dir,
5
Bezeuge Dich und deines Hauses Zier,
6
Daß ich nicht Trost mag kriegen.

7
Dein Abzug setzt mich in zu schweres Leidt,
8
Ich suche nur zu lieben Traurigkeit,
9
Und alle Lust zu meiden,
10
Nach Dir erseufftzt Jung, Alt und Arm und Reich,
11
Nicht Du allein, ich nebenst dir zugleich
12
Muß jetzund von mir scheiden.

13
Wo zeuchst Du hin? von dar ich Dich empfieng
14
Noch fast halb todt, und wo dein Leben hieng
15
An einem Seiden Faden.
16
Zwar, Herr, es ist dein Erb- und Vater-Land,
17
Das suchet recht jhm Fried und gutten Stand
18
Im Anblick deiner Gnaden.

19
Soll aber ich daneben immerdar
20
In Furchten stehn, Du möchtest in Gefahr
21
Und Todes-Nöthen schweben?
22
Hie kan ich Dich für meinen Augen sehn,
23
Nur Botschafft muß, was dort mit Dir geschehn
24
Mir zu verstehen geben.

25
O daß ich jetzt der Himmel köndte seyn!
26
Ich wolte stets mit tausent Äugelein
27
Von oben auff Dich schawen:
28
Ich würde Dich bewachen, O mein Liecht,
29
Zu Tag' und Nacht, und dörffte sorglich nicht
30
Nur falscher Zeitung trawen.

31
Was aber nützt mein sehnliches Geschrey?
32
Du eilest fort, und lässest mich dabey
33
Die Wiederkunfft nicht wissen,
34
Und kanst vielleicht, wie sehr ich bin betrübt,
35
In deine Marck und Brandenburg verliebt
36
Mich auß dem Hertzen schliessen.

37
Warumb ich Dich bey deiner Hoheit Pracht,
38
Die alles dieß, was Welt ist, schamrot macht,
39
Wil unterthänigst bitten,
40
Komm wieder, komm zu Deiner trewen Magd,
41
Die gute Nacht Dir jetzt mit Thränen sagt,
42
Die Furcht und Angst bestritten.

43
Der Höchste Gott und seiner Gnaden Schein
44
Woll überall indessen umb Dich seyn,
45
Dir Hülff und Schutz gewehren.
46
Dir lege sich des Wetters Sturm und Wust,
47
Dir müsse Frost und Schnee in beste Lust
48
Des VorJahrs sich verkehren.

49
Vertausch mit Ruh dort alle Krieges-Macht,
50
Nimm aber Dich daneben wol in acht.
51
Ich nehme, Held, für allen
52
Zu zeugen Dich, mein bestes Wolergehn,
53
Ich kan allein durch Deinen Stand nur stehn,
54
Durch Deinen Fall auch fallen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.