Denckmahl, höchstgedachter Churfl. Durchl. bey feyerlichster Beysetzung Dero hochseel. Leichen, zu Königsberg in Preussen aus schuldigster Unterthänigkeit auffgerichtet

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Simon Dach: Denckmahl, höchstgedachter Churfl. Durchl. bey feyerlichster Beysetzung Dero hochseel. Leichen, zu Königsberg in Preussen aus schuldigster Unterthänigkeit auffgerichtet (1632)

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Die Ihr auff berühmte Tugend
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Bald im Lentzen ewrer Jugend
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Nicht mit Aug' und Hertzen zielt,
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Sondern kalt und weich von Sinnen
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Weder Geist noch Himmel fühlt,
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Weg, begebet euch von hinnen!
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Diese Leiche, dieß Gebein
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Hat mit irdischen Gemütern,
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Daß ihr wisset, nichts gemein.
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Was nicht eiffrig steht nach Gütern,
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So nur Tugend geben kan,
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Rühr' auch diesen Sarg nicht an!

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Dieß sind Glieder eines Helden,
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Welches Gaben recht zu melden
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Nicht bey schwachen Menschen steht,
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Der schon damals stets die Seele,
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Wo sie jetzt schwebt, hatt' erhöht,
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Eh' Er ließ des Leibes Höle;
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Der in Seinem grossen Muth
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Auch den Himmel gantz befasste,
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Und durch Fürstlichs Helden-Blut
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Was nicht Himmelswehrt war hasste,
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Dem aus allen Adern schier
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Gott und Himmel blickt' herfür.

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Ewig hat zu erblich eigen,
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Kunt' offt selbst bestürtzet nicht,
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Daß es Ihn gebohren, gleuben,
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Wuste Seines Urtheils Liecht
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Dieser Zeit nicht zu-zu-schreiben:
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Schiffer werden in die Höh'
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Auff den Nort-Stern so nicht schawen,
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Wenn sie auff ergrimmter See
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Sind umbringt mit Nacht und Grawen,
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Als dieß hart-bedruckte Land
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Sah' auff Seiner Weißheit Pfandt.

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Ach, daß ich auff schwachen Seiten
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Seinen Glimpff nicht auß kan breiten,
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Den Er wachsam angelegt,
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Diesen Fried' uns zu verschaffen,
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Als sich hie auch Mars geregt,
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Und schon klungen Schwerdt und Waffen!
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Aller Wollstand dieser Zeit,
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Daß Gewerb' und Künste blühen,
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Daß die güldne Sicherheit
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Mawren-fest uns kan umbziehen
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Weit von Furchten und Beschwer,
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Machten einig Gott und Er.

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Wer hat wol an jemands Leiden
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Ihn gesehn die Seele weiden?
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Wer auff die, so nichts gethan,
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Eiffrig Seinen Degen zücken?
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Oder sonst aus falschem Wahn
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Jemands Unschuld unterdrücken?
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Haß und wilde Tyranney,
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Und was auffhebt Lieb und Güte
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Wohnte keines Weges bey
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Seinem Fürstlichen Gemüte,
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Seinem Hertzen, welches gar
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Selbst die Huld und Güte war.

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Stund nicht Freundlicheit und Lieben
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Seinen Augen eingeschrieben?
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O die Anmuth der Gestalt
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Ließ der Güte thewres Wesen
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Und der Liebe mannigfalt
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Gnugsam Freund' und Feinde lesen!
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Wer Ihn anzusehen gieng,
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Der kam stracks verliebt zurücke,
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Welchen die Gestalt nicht fieng
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Und die angenehmen Blicke,
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Den nam doch der Tugend Schein
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Und der Gaben Reichthumb ein.

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Einer wust aus diesen Sachen
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Längst zuvor den Schluß zu machen
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Dessen, was wir selbst erkant,
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Das er wahr geredt muß' haben:
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Als er siehet unverwandt
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Auff
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Spricht er dessen unbewust,
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Was noch kommen sol auff Erden:
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Dieser wird die Lieb und Lust
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Aller Menschen Kinder werden.
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Das er falsches nichts gestellt,
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Zeugt mit uns nur alle Welt.

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Hätten nur die schweren Züge
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Der noch jetzt nicht müden Kriege
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Deutschland umb dieselbe Zeit
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Nicht in solche Noth geführet,
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Welch ein Bild der Trefflicheit
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Hätten wir an Ihm gespüret?
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Die Er auch bey schwerer Last
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Solchen Wetters lassen strahlen
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Heller, als die Sonne fast
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Aller Erden Reich kan mahlen,
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Er erhielt' auch so den Preiß
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Für den Helden, die man weiß.

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Ich wil Trutz auch Typhis bieten,
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Daß, wenn Sturm und Wellen wüten,
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Er sein Schiff solt' an das Landt
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Also unbeschädigt bringen,
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Als wol Er wust' unsern Stand
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Seinem Wunsche nach zu zwingen.
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Was ein ander nicht durch Schlacht,
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Brandt und Würgen kunt' erhalten,
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Kriegt Er durch der Güte Macht,
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Die Er besser lassen walten
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Als der grimmen Waffen List,
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So nur Leut und Länder frisst.

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Der was hält auff sein Gewissen
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Und nicht gern wil Blut vergiessen,
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Ist kein Heldt auff diesen Tag:
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Ob denn Gott, dem Helden gleichen,
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Auch gefallen tragen mag
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Nur an Mord' und tausent Leichen?
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Nein! Er schickt zwar Straff und Pein,
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Aber ungern und mit Schmertzen,
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Aber Lieb' und gütig seyn
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Übt er gern und gantz von Hertzen,
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Auch ein rechter Helden-Muth
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Liebt mehr Freundlicheit als Blut.

120
Du, Held, den wir jetzund klagen,
121
Woltest keinem was versagen,
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Der auß Feindschafft an Dich fiel.
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War dein ausgeübter Degen
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Dir nicht in der Hand ein Spiel,
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Und sonst allen überlegen?
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Hat ein Feind an Dich gesetzt,
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Dich zu wiederstehn bewogen,
128
Der nicht hat Dein Schwerd genetzt,
129
Nicht mit Schmach ist abgezogen?
130
Held, von deiner tapffern Hand
131
Zeugt Dein noch-beschütztes Land.

132
Gleichwol Gnad' und Güt' erweisen
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Hieltstu über Schlacht und Eisen
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Für dein Eigenthumb und Pflicht,
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Hiermit suchtestu zu prangen,
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Nur die Boßheit wuste nicht
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Für Dir Gnade zu erlangen.
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Herr, du hiessest gern dein Schwerdt
139
Zugedeckt mit Unschuldt schlaffen,
140
Keines Blut hast Du begehrt,
141
Ohn wenn Unthat war zu straffen.
142
Tugend fand hie Preiß und Danck,
143
Boßheit Schmach und Untergangk.

144
Solt' ich auch nach diesen Dingen
145
Deines Stammes Hoheit singen!
146
Deiner Ahnen grosse Schar!
147
Auch das Glück bey deiner Wiegen!
148
Und wie Du von Jahr zu Jahr
149
Immer Himmel-an gestiegen!
150
Dann die Meng' und Fruchtbarkeit
151
Aller Länder, so dich zieren,
152
Berge, Wälder, Thier' und Leut'
153
Und dein weißliches Regieren!
154
Wo wolt' ich auß Frechheit hin,
155
Der ich sonst auch furchtsam bin?

156
Da du wahrst in wenig Jahren
157
Zu dem Gipffel auff gefahren
158
Aller Hoheit, die man hat,
159
Und nicht kuntest höher kommen,
160
Fandt der Himmel diesen Raht,
161
Das er Dich zu sich genommen,
162
Als dein Blut, Hertz, Seel, und Mund
163
Deine Stell' ersetzen kunt',
164
Und Dich uns gantz wieder geben,
165
Der durch Erbschafft auch die Macht
166
Deiner Tugend auff sich bracht.

167
So legt sich der Phoenix nieder,
168
Stirbet und verjüngt sich wieder
169
Durch den Zimmet-Brand verzehrt.
170
Diese Welt trägt nicht zwo Sonnen,
171
Du hast weg zu seyn begehrt.
172
Also bald dein Sohn begonnen
173
Durch der Tugend helles Liecht
174
Sonnen-klar heraus zu brechen,
175
Wollt' es das Verhängnis nicht,
176
Dem nicht steht zu widersprechen,
177
Er muß für Dich ChurFürst seyn
178
Und Du nimmst den Himmel ein.

179
Nun wir kommen uns zu kräncken,
180
Deinen Leichnam einzusencken,
181
Kläglich stehen überall
182
Berg' und Thäler, Dorff und Mawren,
183
Auch der rawe Glocken Schall
184
Scheinet neben Uns zu trawren,
185
Unser Pregel hemmt den Lauff,
186
Der die Zeit her streng geflossen,
187
Zeucht im Trawer-Mantel auff
188
Hart von Eise, Schnee und Schlossen,
189
Beydes Haff und auch die See
190
Thut jhm deinetwegen weh.

191
Kömgsberg, das deiner Leichen
192
Grabstat wird, thut grosse Zeichen
193
Seiner Noth und Schmertzen dar,
194
Dich beklagt der Herren-Orden
195
Und des Pöfels gantze Schar
196
Der nicht schlecht betrübet worden,
197
So ist Preussen auch nicht gnug
198
Deinen Hintritt zu beweinen,
199
Gantzes Deutschland nimmt jhm fug
200
Auff die Klage zu erscheinen,
201
Ja des Nordens grosse Macht
202
Ist auff Pein und Leid bedacht.

203
Du hergegen schwebst in Wonne,
204
Gläntzest heller als die Sonne
205
Umb das schöne Himmels-Feldt,
206
Wilt da newe Herschafft lernen
207
Deinem Hause beygesellt
208
Und der Bürgerschafft der Sternen.
209
Hie, wo ein berühmter Saal
210
Aller wegen ist besetzet
211
Bloß mit Deiner Ahnen Zahl,
212
Die nicht wenig Dich ergetzet,
213
Wenn sie Dich mit Kräntzen ziert
214
Und zu newen Helden führt.

215
Stille Gräber, finstre Hölen,
216
Wo der Leib liegt, wenn die Seelen
217
Nach dem Himmel sich gemacht,
218
Euch wird ein Gebein vertrawet,
219
Als jhr nimmermehr gedacht,
220
Nehmt Sein fleißig war, und schawet,
221
Daß Ihr thöricht nicht gedenckt,
222
Ihr habt seiner viel empfangen,
223
Nur der Leib wird eingesenckt
224
Und Er selbst ist Euch entgangen,
225
Schwebt dort umb des Himmels Zelt
226
Und sein Ruhm füllt alle Welt.

227
Heilge Seele, laß Dich weiden
228
Wollust, Gnüge, Trost und Frewden,
229
Wiß nicht Ungemach noch Leid!
230
Gott laß' aber Deiner Gaben,
231
Deines Lebens kurtzen Zeit
232
Dreyfach
233
Müsse nach den Angst-Geberden,
234
Die es diesfals führt, durchaus
235
Reichlich auch ergetzet werden!
236
Müsse gleich der Sonnen gehn
237
Und den Welt-Baw überstehn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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