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Der Himmel wil mir wol, ich kan von Glücke sagen,
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Mars mag zufrieden seyn, daß Deutschland sich muß klagen,
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Sein Leid nicht ab kan sehn, mag stillen seinen Muth,
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Der unersättigt ist mit Raub' und MenschenBlut,
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Weil das Verhängnuß ja es anders nicht wil leiden.
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Hie gleichwol fählt es ihm, ich weiß mich zu bescheiden
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So einer Huld und Gunst, dergleichen man kaum hat,
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Wozu denn sonderlich Dein Glimpf und kluger Rhat
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Behülfflich wolte seyn, Du Held von dem Geblüte
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Der hohen Brennen, Du, den Tapfferkeit und Güte
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Weit über Fürsten hebt, Du dieser Zeiten Lust,
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Und Bild der Vorigen. Schaw was Du jetzund thust,
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Dich dünckt, es were nichts in Friede mich zu setzen,
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Wenn Deine Gegenwart mich auch nicht solt' ergetzen
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Und zeugen, das Dein Sinn die Treu auff mich gewandt
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Als je bißher ein Volck an Herren hat erkant,
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Die göttlich sind wie Du. Und wessen werd' ich innen?
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Dein Sohn, der Fürsten Preiß und Spiegel deiner Sinnen,
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Die Hoffnung aller Welt und meine Zuversicht,
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Kömpt auch und gönnt einmahl mir seines Glantzes Licht,
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Der wahren Liebe Pfandt. O eine grosse Gnade!
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Ein Zeugnus thewrer Huld und Freundligkeit! gerade
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Als in der Fewers-Brunst ein treuer Vater thut,
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Der zwar das eine Kind wil retten aus der Glut,
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Doch für das ander auch, so der Gefahr entgangen,
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Nicht minder Sorge trägt, indem es aus Verlangen
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Die Armlein nach ihm streckt und ohn auffhören klagt
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Auß Kummer, daß er sich hat in den Brand gewagt,
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So thut ihr gleichfals mir. Wie wil ich an Euch beyden
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Ergetzen Hertz und Sinn, wil Seel' und Augen weiden,
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Wil sagen ungeschewt und aller Frewden voll,
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Wie ich durch Euch erlangt das, was ich kan und sol.
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Nur zieht in Gnaden ein! Ihr seyd auch diesem Lande
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Der Trost, so ihm gehört, seyd mir auch mit dem Bande
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Der Liebe fest verknüpfft. Dieß edle Hertzogthum
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Heist Ewrentwegen so, Ihr Preussens höchster Ruhm,
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Zieht ein und nemet war, wie alles Euch zu Ehren,
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Die Lufft, das Haff, die See sich lesst mit Stürmen hören!
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Der Herbst thut was er sol, er giebt dennoch bescheidt
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So gut er kan und mag, daß Ihr zugegen seyd.
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Dies mercket Cynthia, drumb macht sie sich zur Stunde
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Zu ihrem Jäger-Volck, und nimpt die besten Hunde,
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Hält fertig allen Zeug, schawt fleissig auff und wacht,
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Ob etwan Euch geliebt den Ernst der Wilden Schlacht
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Mit einer freyen Lust des Jagens zu vertauschen.
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Man hört noch hie und da der Bäume Blätter rauschen,
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Der Bäume, die ihr Laub nicht gäntzlich hingelegt,
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Es wird für Euch, Ihr auch der Wälder Pracht, gehegt.
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Nun kommt Ihr Helden? ja, ich aber muß gestehen,
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Wie prächtig ich nun gleich Euch wolt' entgegen gehen,
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Bezeugen meine Pflicht, mich schmücken umb und an,
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Daß aller Witz und Kunst nichts dessen finden kan,
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Was Ewre Zier erheischt, Doch weil auch alle Gaben,
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So dieses Leben führt, nicht das Vermögen haben,
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Wird Ewre Göttligkeit, Ihr meines Hertzens Schein,
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Daß mehr als gülden ist, gefällig lassen seyn.
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Dieß hat Prussilia mich newlich hören lassen,
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Auff die Art redte sie, so viel ich kunte fassen,
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Da dieses Helden-Paar auß Brennus grossem Stamm',
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O Vaterland, bey dir hereingezogen kam
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Und unsern Wunsch erfüllt. Als sie noch kaum geendet
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Die Worte, hat sie sich zum Nagot erst gewendet,
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Dann zu dem Pregel hin, sie rief der Alle zu,
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Auch, Mümmel, dir und sprach: Seyd ihr bißher in Rhue
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Und stiller Sicherheit biß in die See geflossen?
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Habt durch die Wiesen euch mit stoltzer Flut ergossen?
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An beyden Ufern her der Nymphen Liedt gehört,
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Die Faunen lustig seyn? hat Phoebus euch geehrt?
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Wil sich Diane gern der Jagt und Müh entladen
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Mit ihren Najaden in ewren Strömen baden?
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Trägt ewer Rücken Goldt und unerschöpftes Gut?
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Schlägt alle Welt hier zu, sucht Nahrung, Schutz und Hut
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Und findet was sie sol? besorgt sich keiner Waffen,
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Kan aller Sorgen frey jetzt wachen, jetzund schlaffen?
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Seht, Kinder, Dieses Haupt, das solche Rhue uns schenckt,
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Hat jetzt in Gnaden sich hieher zu uns gelenckt
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Und dieses Land erfrewt. Auff! uns wil jetzt gebühren,
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So viel als möglich ist, Sie prächtig einzuführen
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Und den Gehorsam so zu geben an den Tag,
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Ein jedes schicke sich so gut es kan und mag,
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Und ziehe statlich auff, wer unter Euch wird siegen,
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Der sol zu Lohn mein Bild von klarem Bernstein kriegen.
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Sie wurden sämptlich fro und stelleten sich dar,
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Eins tritt dem andern vor, es scheint ihr Bart und Haar
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Nur Graß und Schilff zu seyn. Der Nagot wolte pralen
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Und hat ein schönes Schloß ihm künstlich lassen mahlen,
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Daneben auch wie ihn der Weichsel-Strom erzeugt
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Durch einer Nymphen Gunst, die jetzt ihm noch geneigt.
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Der Pregel aber wolt' hierinnen keinem weichen,
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Trug einen Lorber-Krantz, der Künste schönes Zeichen,
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Die er für andern nährt, auch Wahren allerhand
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Und Güter, die dem West und Norden sind bekant.
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Ihm folgt der Mümmel-Strom gebraten von der Sonnen,
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Trägt reiches Korn und Flachs, und was er sonst gewonnen
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Durch seiner Russen fleiß, führt nach sich auff der Fahrt
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Die Dudey und Schalmey, und Bären vieler Art.
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Die All' hatt' ihren Schmuck, zu welchem du auch kamest,
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Du der Passargen-Fluß, drangst dich hinzu und nahmest
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Den letzten Platz nicht ein. Sie stehen allerseit
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Und führen, wie geschiht, des Vorzugs halben Streit,
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Als unverhofft ein Glantz und Leuchten sie umbgiebet.
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Da vormals Juppiter die Semelen geliebet,
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Sol er in solchem Plitz und hellen Glantzes Schein
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In solchen Stralen nicht zu ihr gekommen seyn.
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Prussilia erschrickt. Hierauff hat man vernommen,
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Daß drey Göttinnen selbst ins Mittel seyn gekommen,
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Die Erste ward vorauß durch Trefligkeit und Pracht
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Für Juno angesehn, dann wie bey heller Nacht
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Des Mondens Kertze gläntzt, so sahe man auch scheinen
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Die Ihr am nächsten stundt, ich muste gäntzlich meinen,
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Sie were Pallas gar, die Dritte, welcher Zier
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Und Tugendt mich nicht treugt, gleich, edle Clio, dir.
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Sie sind für allen frey hin zu den Fürsten gangen,
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Und haben insgesampt Sie, unsern Schutz empfangen
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Mit Reden, die ich nicht auß Schwachheit mercken kan,
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Doch hub die Erste fast mit diesen Worten an,
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Die sich auß Ihrem Mund als einem Quel ergossen
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Und wie ein Honig-Seim und Nectar vor sich flossen:
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Die Rede hatte mir die Sinne so benommen,
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Daß ich fast zu mir selbst nicht wieder kunte kommen,
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Zuletzt besann' ich mich und sagte: Daß must Du,
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O thewre Heldinn seyn, Du unsers Fürsten Rhue,
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Charlotta, durch die Gunst des Himmels Ihm gegeben
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Zu seyn Sein höchster Trost, Sein Auffenthalt und Leben,
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Was aber hat man Dich für Juno angesehn?
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Verzeyh', O unser Liecht, was dießfals ist geschehn.
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Dein Ansehn, so an Dir nur himmlisch sich eräuget,
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Ist dieses Irrthums Schuldt. Zwar Juno hat gezeuget
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Den grimmen Bluthundt Mars, Du bringst an dieses Liecht
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Den Herren, der uns Huld und Freundligkeit verspricht,
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Die Du Ihm angeerbt, Du hast bey dem Geblüte
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Und hohen Ankunfft auch Dein Fürstliches Gemüte,
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Die Gaben Ihm ertheilt. Durch Haß und wilden Brandt
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Hat Juno, wie man weiß, viel Länder umbgewandt
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Und auff den Grundt zerstört, durch Langmuth Deiner Sinnen
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Und grosse Liebe wird viel feindliches Beginnen,
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O Fürstinn, eingestellt, Dein Wunsch ist fort und fort
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Nur Glück und guter Standt, Du bist ein süsser Port
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Dem, der bedrenget ist. Wer weis sich wol der Armen
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Und Widwen so wie Du, O Mutter, zu erbarmen?
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Dieß ist Dein eigen Lob, man tritt kaum vor Dich hin,
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So wallt Dir schon das Hertz, und treibet Deinen Sinn
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Zu sehn nach Hülff und Rhat, bey aller Noht der Deinen,
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Ob schon die Augen nicht, so muß Dein Hertz doch weinen
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Auß Wehmut, welche Dich für allen in der Welt
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Dem Höchsten, der Dich liebt, zum nächsten hat gestellt
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Und durch kein Glück und Fall wird folgends von ihm trennen,
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Weil Du sehr eiffrig must nach seiner Liebe brennen.
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Das zeugt die Gottes-Furcht, mit der Du Tag und Nacht
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Die wehrte Zeit verbringst, die Deine beste Macht
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Für alles Unglück ist. Was aber wil mein Segel
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Auff dieses weite Meer? Ich bleib' im stillen Pregel
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Und lasse nicht mein Boht in solche Wellen ein.
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Wer solche Trefligkeit und dieser Gaben Schein
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Zu singen ihm getrawt, muß so gebückt nicht gehen,
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Nicht irrdisch seyn wie ich, muß können sich erhöhen
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Durch Lufft und Himmel weg. Auch Opitz würde fast
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Hierinnen furchtsam seyn und schewen diese Last,
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Ob seines Geistes Krafft schon viel bißher getragen
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Und sich an manches Lob mit Rhum hat thüren wagen,
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Wozu ich gantz nicht taug. Sey glückhafft umb und an
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Und habe, was Dein Hertz ihm wünschen sol und kan,
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Du Spiegel dieser Zeit! Ich aber wil mich wenden
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Zu meinen Seiten hin, wiewol mit schwachen Händen,
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Wil singen, was darauff die Andre hat begunt,
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Von der ich dieses nur auß Schwachheit fassen kunt:
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Wie, wann zur See Neptun vom Vater Ocean
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Beräuscht nach Hause fährt durch seine nasse Bahn,
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Und etwan Triton lesst die See-Trompet erschallen,
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Der Doris sonderlich zu günstigem Gefallen,
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Die aus den Wellen schawt, die Faunen ohn gefehr
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Als wildes tummes Volck sich umb das Ufer her
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Versamlen, und den Thon bestürtzt und Sinnloß hören,
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So kam es uns auch vor, was Hedwig da zu ehren
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Den grossen Fürsten sang, denn Hedwich must' es seyn,
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So viel die Rede Gab, die durch der Jugend Schein
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Und göttliche Gestalt für Clio ward geschätzet.
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Wir hatten allerseit uns über dem entsetzet
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Was vorgelauffen war, und niemand wuste da
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Was weiter sey zu thun, so das Prussilia,
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Die kurtz zuvor viel Dienst und Pflicht auff sich genommen,
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Und jederman hiedurch gemeinet vorzukommen,
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Den Muht gantz sincken ließ, sprach ihre Völcker an:
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Ihr Kinder, hört und seht, daß mein Thun gar nicht kan
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Gerahten als es sol, was wir im Sinne hatten,
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Wird gegen diesem Licht zur Nacht, zu finsterm Schatten.
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Wer sich mit etwas sonst hierauff hervorthun wil
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Wird wieder allen Danck zu einem Affen-Spiel
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Und muß verlachet seyn. Doch wollen wir gedencken,
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Es werden sich auch noch zu unsrer Einfalt lencken
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Die Helden beyderseit, und zeugen durch den Schein
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Der Gnaden über uns, das Sie auch Götter seyn,
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Die auff den Willen sehn und nach dem Hertzen fragen,
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Daß offt bey ihnen wol so viel pflegt zu verschlagen
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Als sonst ein feistes Rind, als hundert Lämmer Blut
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Und was der Gottes-Dienst zum Opffer mehr abthut.
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Damit wir aber so nicht von einander giengen,
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Trug sie mir auff zuletzt ein Liedchen noch zu singen
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Auff solchen Frewden-Tag, zwar anfangs thurst ich nicht,
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Doch sagt' ich endlich selbst: Gehorsam, Dienst und Pflicht
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Muß seyn so gut es kan, den Willen zu bezeugen
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Erheischt nicht allzeit Kunst. An diesem Tage schweigen,
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Da alles singt und lacht, kriegt eines Undancks Lohn,
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Drum fasst' ich einen Muht und sang auff diesen Thon: