Jetzund fleuget das Geschrey

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Simon Dach: Jetzund fleuget das Geschrey Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Jetzund fleuget das Geschrey,
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Ein verirrtes Elend sey,
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Da es etwa Fraß gesucht,
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Her gejagt auff schneller Flucht

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Vnd gebunden eingebracht
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Daraus mancher Deutung macht,
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Dieses werd ein Vorspuck seyn
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Manches Elends, mancher Pein;

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Wie denn jetzt schier jederman
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Wunderzeichen sehen kan,
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Vnd kein Stern den Himmel ziert,
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Der was newes nicht gebiert.

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Ist die Elends-Zeitung war,
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Ich fürcht' hieraus nicht Gefahr,
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Sondern daß es nicht gejagt
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In mein Hauß, dieß wird beklagt.

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Solche Deutung hielt' ich wehrt,
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Hätt' es sich auff meinen Herd
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Nur verlauffen jetzt voraus,
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Da man feyret Hauß bey Hauß;

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Da man, alsobald es tagt,
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Nur nach Gastereyen fragt,
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Vnd der Tisch mit Kost vnd Wein
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Immer wil beladen seyn.

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Ihr, Herr Bräutgam vnd Fr. Braut,
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Die jhr auff den Höchsten schawt,
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Werdet sonderlich nicht sehn
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Auff die Wunder, so geschehn.

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Die in Lieb auff Schlag vnd Wind
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Fest in sich veranckert sind,
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Sind wie Stal vnd vnbewegt,
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Was Gefahr die Zeit erregt.

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Fiel ein Himmel auff sie her,
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Spielt' auff sie ein wildes Meer
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Vnd was Stein vnd Mawren bricht:
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Eines läßt vom andern nicht.

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Hero vnd Leanders Band
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Ward es durch die See getrant?
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Sie, die ärmste hätte zwar
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Doch nur wegen sein Gefahr.

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Nicht begieb dich, sprach sie, Kind,
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In die Flut bey Sturm vnd Wind.
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Wann der Mond' auff stillem Meer
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Lächelt', schwimm zur Liebsten her.

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Ach, die Lieb hält kein Geboht!
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Er vertrawet sich der Noht,
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Leget mit standhafftem Sinn
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Seine Kleider von sich hin.

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Ob des Monden halbes Licht
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Gleich die schwangern Wolcken bricht,
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Wirfft er sich doch nackt vnd bloß
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In der Wellen tieffen Schoß.

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Armer Jüngling, deine Glut
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Brennt zwar mitten in der Flut,
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Wütten Wind vnd Wellen sehr,
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Deine Flammen wütten mehr.

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Schade, daß das leichte Glück
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An dir übet solchen Tück,
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Vnd dein Fewer, das kein Raht
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Zwingen kan, den Ausgang hat.

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Schaw, des Vngewitters Graus
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Lescht auch Sestos Fackel aus,
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Wie mag dir zu muhte seyn
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Mitten in der Todes-Pein?

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Schreyest du? der Wellen Grimm
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Höret keiner Klage Stimm,
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Sie ist allzu weit von dir,
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Der du ruffest für vnd für.

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Hättst du doch die See geschewt,
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Als die Nacht das Wetter drewt',
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Jetzund werffen dich, o Noht!
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Vmb die Wette Fluth vnd Tod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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