[herr, daß überschickte Thier]

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Simon Dach: [herr, daß überschickte Thier] (1632)

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Herr, daß überschickte Thier
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Hab ich schon erwürgt allhier
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Vnd es gut befunden,
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So viel Tropffen Bluts es hegt,
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So viel sey dir zugelegt
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Hievor gutter Stunden.

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Aber daß gehörnte Wort
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Waß kompt es mir stets an Bort?
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Vnd waß hör ich sagen?
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Hörner stehen mir nicht an,
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Laß sie lieben, wer sie kan
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Vnd, wer wil, sie tragen.

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Ist vorhin mein Kopff den leer?
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Nicht vorhin von Reimen schwer,
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Daß ich möcht erliegen?
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Verse machen offt mich toll
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Vnd so grillisch, daß ich woll
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Möchte Hörner kriegen.

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Sonst enthörn ich mannigmahl
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Der Bacchanten grosse Zahl,
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Nicht wie jener eben,
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Der vom Sohn die Hörner bracht
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Vnd dem Vater sie die Nacht
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Wieder pflag zu geben.

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Geb ich aber endlich auch
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Wieder Willen, Muht vnd Brauch
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Einen Horngenossen,
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Wol, tragt aber meiner Schew,
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Warumb daß? mein Horn hat Hew
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Vnd kan hefftig stossen.

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Niemand, raht ich, reitze mich,
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Man mach an die Kefer sich
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Eh als an Poeten,
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Weh dem über alle maß,
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Den ich auff die Hörner faß,
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Er hat Trost von nöhten.

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Und waß solten in gemein
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Hörner einem schimpfflich seyn?
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Bacchus, recht zu sagen,
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Der biß durch den Ganges drang,
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Alß er Indien bezwang,
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Hat sie selbst getragen.

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Waß? Philippus grosser Sohn
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Hielte sie erst für den Lohn
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Seiner strengen Thaten,
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Ließ sich Jovis Ammons Kind
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Nennen von dem Hoffgesind
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Vnd von den Soldaten.

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Mehr, die Junckerhöff allhier
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Wollen gern das schwartze Bier
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Nur aus Hörnern leeren:
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Ob nun mancher auch dabey
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Ein gehörntes Thierchen sey,
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Kan ich nicht bewehren.

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Lach, Herr Hauptmann, nicht zu viel,
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Hörner sind kein Kinderspiel,
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Wer sie nicht kan meiden,
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Nun, was hat der arme Schuld,
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Sein Verbrechen ist Gedult,
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Hierumb muß er leiden.

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Eines ist nach meinem Sinn
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Noch sein Vortheil vnd Gewinn,
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Daß er sich kan frewen,
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Daß ohn seine Müh vnd Krafft
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Er zu mancher Schwägerschafft
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Hiedurch kan gedeyen.

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Ich vergesse mich beynah,
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Horn mir hie vnd Horn mir da,
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Zahlt dieß meine Schulden?
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Herr, soll mir es besser seyn,
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Schick auff den Befehl mir ein
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Die vierhundert Gulden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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