Ich grüsst' in diesen Tagen

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Simon Dach: Ich grüsst' in diesen Tagen Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Ich grüsst' in diesen Tagen
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Das Friedeländer Thor,
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Es hatte sechs geschlagen,
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Die Sonne stieg empor:
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Was sah' ich nicht für Frewden?
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Der Reiff lag vmb das Graß,
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Ein Finck sang auff den Weyden,
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Der Pregel stund wie Glaß.

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Ich war die Brück' hinüber,
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Wie sprang das geile Vieh,
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Der stoltze Stier, jhr Lieber,
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Trat mitten vnter sie,
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Der Hirt hub an zu blasen,
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Wie tantzten sie vmbher
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Auff den betawten Rasen
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Als wenn es Hochzeit wär!

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Sie wurden ausgetrieben
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Dieß Jahr zum erstenmal,
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Nachdem sie lang geblieben
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In jhrem finstern Stall,
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Ich sprach: der Freyheit Gaben
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Thun diesem Vieh auch wol,
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Wer dieses Gut kan haben,
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Ist alles Reichthums vol.

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Vnd hätt' ich Goldes-Tonnen
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Vnd was des Pregels Rand
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An Schätzen hegt, gewonnen,
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Säß' aber eingespannt
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Vnd könte mich nicht retten
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Aus Sorgen, Furcht vnd Pein,
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Ich würd' in güldnen Ketten
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Dennoch ein Sclave seyn.

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Wolt ich ein Vöglein schliessen
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Gleich in ein silbern Hauß,
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Der Freyheit zu geniessen
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Sehnt sich es doch hinaus:
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Die Schätze sampt den Würden
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Sind ein geschminckter Schmertz,
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Sind Dienst vnd schwere Bürden,
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Ich lob ein freyes Hertz.

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Ein Vnschuldreiches Leben,
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Das sich des Herren Zucht
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Gehorsam vntergeben
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Vnd jhm zu dienen sucht:
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Kan ich nur den Schatz werben,
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Vnd, nimmt der Tod mich hin,
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Ihn lassen meinen Erben,
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So hab ich gnug Gewinn.

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Wir reisen hin vnd wieder
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Weit über Land vnd See,
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Vernützen vnsre Glieder,
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Thun vnserm Hertzen weh:
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Das wahre Gut zu kriegen,
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Das vns in vns nur führt
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Vnd ewig kan begnügen,
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Wird wenig fleiß gespürt.

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Lasst bleiben, liebe Leute,
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Das reiche Morgen-Land,
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Steht nicht nach grosser Beute
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Fern vmb Hydaspes Strand,
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Ein jeder thu die Reise
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Tieff in sein Hertz hinein,
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Das laß er aller Weise
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Von Schuld gesaubert seyn.

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Vnd dan erst wird er finden
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Das Bodenlose Gut,
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Das nimmermehr kan schwinden,
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Den allzeit freyen Muth,
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Ihm ist kein Pracht, kein Prangen
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Auff aller Erden gleich,
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Wer diesen Schatz kan fangen,
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Hat erst ein Königreich.

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Wie kömpt dieß ewrer Liebe,
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Hochwerther Bräutgam, bey?
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Auch ewer Hauß war trübe
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Vnd eine Wüsteney,
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Seit ewer Hertz verstorben,
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Ihr lebtet als im Bann
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An Sinn vnd Geist verdorben
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Vnd ein gefangner Mann.

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Jetzt aber legt jhr nieder
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Den trüben Witwer-Stand,
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Freyt ewre Freyheit wieder
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Durch dieses Heyraht-Band,
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Auff ewrer Liebsten Sinnen
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Ist ewer Sinn gestellt,
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Ihr lasst Euch Sie gewinnen,
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Sie ewer freyes Feld.

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Entsagt nun allem Leiden,
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Nehmt ewrer Freyheit war,
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Gebraucht euch jhr in Frewden,
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Sie kröhn euch jmmerdar:
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Lasst frembdes Vrtheil streichen,
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Folgt ewrem Raht allein,
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Der nach so manchem Zeichen
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Nichts kan als Wolstand seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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