Henning Wegner und Regina von Eggert

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Simon Dach: Henning Wegner und Regina von Eggert (1632)

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Was ist in der gantzen Welt,
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Das sich gleich der Liebe hält,
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Alle Sachen gehen ein,
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Sie besteht Jahr aus Jahr ein.

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Heut und Gestern hebet man
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Erst die newe Jahrs-Zeit an,
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Stracks thut Liebe sich hervor
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Vnd schleust auff der Zeit das Thor.

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Eh sonst etwas wird gethan,
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Machet sie sich auff die Bahn,
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Vnd wil aller Ding' allein
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Anfang, Haupt und Vorsprung seyn.

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Vberall wird Ruh gespürt,
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Nicht ein Hammer wird gerührt,
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Sag und Höfel fleucht die Hand
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Vnd hangt müssig an der Wand.

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Auch der Weisen Bücher Fleiß
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Hat anietzt noch schlechten Preiß,
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Beydes Raht-Hauß und Gericht
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Weiß so bald von Arbeit nicht.

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Aber sie hält in der Lufft
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Nicht ohn grossen Zeug und rufft,
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Daß von ihrer Stimme Wald
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Vnd Gebirge wiederschallt:

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Meint ihr, weil ihr müssig geht,
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Daß mir frey zu feyren steht?
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Nein, gleich wie der Sonnen Rad
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Keinen Blick zur Musse hat,

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Wie der Mond auch immer eilt,
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Vnd Merkur sich nie verweilt,
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Wie die Ström' auff nasser Bahn
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Stets gehn in den Ocean,

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So muß ich im gleichen fort
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Hie und sonst an allem Ort,
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Vberall werd ich begehrt,
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Ich bin aller Sachen Wehrt.

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Wenn zur süssen Ruh sich legt
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Was sich hin und wieder regt,
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Hüllet Mensch und Vieh sich ein,
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Muß ich immer wache seyn.

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Ich bin der Natur Gestalt,
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Mutter, Leben, Vnterhalt,
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Erde, Lufft und Himmels-Zier
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Vnd die See gehöret mir.

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Was? Ich schwere bey der Glut,
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Die auch ausdörrt Tieff' und Flut,
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Bey dem Hertzen, dessen Brand
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Vberall kriegt oberhand,

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Daß, im fall ich solt' entstehn,
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Alles unter-müßte-gehn.
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Wie die Göttinn also schreyt,
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Wird ihr Völcklein hoch erfrewt,

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Daß sich ihr gern unterstellt
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Vnd durch sie sich bloß erhält,
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Was von Schencken überall,
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Jauchtzt mit grossem Frewden-Schall.

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Stuben-Rauch und Fewer-Herd,
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Was sich vor der Hochzeit nehrt,
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Kinder, Mägde, Weib und Mann
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Beten Sie die Göttinn an.

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Höff' und Gärten in gemein
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Müssen stracks gesaubert seyn,
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Schilde werden auffgehenckt,
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Vnd die Willkomm außgeschwenckt.

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Erato stimmt ietzt wie vor
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Die Viol und das Bandor,
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Auch die andern Instrument,
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Weil das grosse Wachs-Liecht brennt.

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Welcher Bräutgam schwingt die Fahn,
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Vnd bricht allen erst die Bahn?
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Wer schärfft erst die Feder mir?
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Mein Herr Wegner, das seyd ihr.

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Wir sind Zeugen allerseit
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Ewrer langen Trawrigkeit,
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Wenn wird ewer Witwenstand
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Dann in Heyraht umbgewand?

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Nun, ihr gebt der Liebe Raht
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Vnd des Himmels Satzung stat,
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Habet euch ein Lieb erkiest,
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So recht ewers gleichen ist.

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Ihr seyd beyde gleicher Glut,
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Beyde Bürgermeisters Blut,
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Beyde gleich an Zucht und Trew
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Vnd an Tugend mancherley.

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Pallas hat mit milder Hand,
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Bräutgam, euch sich zugewand,
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Juno ziert die Braut mit Pracht,
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Venus mit der Schönheit Macht,

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Cynthia mit keuscher Zucht,
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O der schönen Liebe Frucht,
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Die als solcher Tugend Lohn,
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Seyn wird ewres Hauses Krohn.

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Auff und säumt euch länger nicht,
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Luna wacht mit ihrem Liecht,
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Auch des Abend-Sternes Gold
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Wil, daß ihr euch förtern sollt.

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Wil die Braut es nicht verstehn,
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Nicht gern von dem Tantze gehn,
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Bräutgam, greifft sie ernstlich an,
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Vnd seyd in der Zeit ihr Mann.

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Wendet sie wo Einfalt vor,
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Gebt der Ausflucht nicht ein Ohr,
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Keine Wissenschafft ist je
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Leichter ausgelernt als die.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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