An Reimar Leo

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Simon Dach: An Reimar Leo (1632)

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Jetzt schlaffen Berg' vnd Felder
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Mit Reiff vnd Schnee verdeckt,
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Auch haben sich die Wälder
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In jhr weiß Kleid versteckt,
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Die Ströme stehn geschlossen,
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Vnd sind in stiller Ruh,
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Die lieblich sonst geflossen
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Mit lauffen ab vnd zu.

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Die Bäume, die sonst tragen
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Schön Obst in grün verkleidt,
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Die müssen jetzt beklagen
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Des strengen Nordens Neid,
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Nichts ist anjetzt zu finden,
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Was sonsten vns erfrewt,
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Die Lust der Berg' vnd Gründen
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Ist jetzund Trawrigkeit.

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So lange biß sich reget
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Der sanffte Westenwind,
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Vmb Berg' vnd Feld sich leget,
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Zun Wäldern auch sich findt
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Vnd weckt, was sich verkrochen
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Hatt' in den tieffen Schnee:
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Der Lentz ist angebrochen,
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Ein jedes nun auffsteh':

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Alß muß die Welt erwachen,
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Das Winterkleidt außziehn,
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Die Berg' vnd Felder lachen,
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Die Hügel werden grün,
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Die Wälder sich vernewen,
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Ein jedes sich erfrewt,
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Wie wann man geht zum Reyen,
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Vnd anders sich verkleidt.

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Die Ströme müssen lauffen
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In jhren alten Gang,
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Der Vögel leichte Hauffen
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Stimpt an den Lobgesang,
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Die Lerche thut sich schwingen,
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Schreyt in die Lufft hinein:
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Wir, wir, wir, wir, wir singen
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Dir, dir, dir Gott allein.

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Jetzt steht das Heer der Sternen
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Am Himmel auff der Wacht,
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Vnd leuchten vns von fernen,
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Vmb das es Mitternacht,
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Bald wird mit jhren Straalen
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Aurora bey vns seyn,
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Der Berge Spitzen mahlen,
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Die Sternen führen ein.

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Nichts mag gefunden werden,
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Was nicht den Wechsel helt,
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Bald steht ein Ding auff Erden,
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Bald hin es wieder felt,
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Vorauß wir die wir schweben
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Vmb dieses wüste rund,
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Daß dieß sey vnser Leben,
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Ist allenthalben kund.

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Wir müssen außgetauschet
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Eins vmb das ander seyn,
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Wie eine Flut hinrauschet,
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Die andre schlegt herein,
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So bald wir vns verkriechen
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Ein jeder in das Grab
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Vnd Todes sind verbliechen,
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Sind die vns lösen ab.

65
Das grosse Hauß der Erden
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Das nemmen ander' ein,
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Die schon gebohren werden,
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Dieweil wir hie noch seyn,
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Darumb wir offt vns hassen
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Vnd krencken ohne Ruh,
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Daß muß man andern lassen
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Vnd Rückwerts sehen zu.

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Der Wechsler aller Sachen,
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Der fest hierüber helt,
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Hat dieses war zu machen
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Bey Euch auch auffgestelt,
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Fraw Braut, der Euch ergetzet,
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Nach dem er abgeführt,
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Der sich mit Euch geletzet
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Vnd ewer Hertz gerührt.

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Der Leib bloß ohne Sinnen
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Ist todt vnd muß vergehn,
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Die Regimenter künnen
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Nicht ohne Häupt bestehn,
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Ohn' jhren König sterben
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Die Bienen, ohne Hirt
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Die Herde muß verderben,
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Ein Hauß auch ohne Wirt.

89
Drumb jhr die Stell' ersetzet
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Recht wol mit einem Mann,
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Der Euch in dem ergetzet,
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Was Euch mag liegen an,
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Doch seyd jhr deß Bescheiden
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Sampt allen in gemein:
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Vermischtes Leid mit Frewden
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Muß jeder Ehstand seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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