Herr Heinrich Albert, ich, Herr Fauljoch und darneben

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Simon Dach: Herr Heinrich Albert, ich, Herr Fauljoch und darneben Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Herr Heinrich Albert, ich, Herr Fauljoch und darneben
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Herr Robertin, sind heut entschlossen recht zu leben,
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Und zwar bey euch, Herr Bluhm, als dem nichts liebers ist,
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Denn daß man ohne Scheu, ohn Heucheley und List
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Auf diesen Tag zu euch mag vor die Pfanne kommen
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Und thun, was Redlichkeit und wahre Treu der Frommen
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Zu thun erlaubet hat. Herr Robert, unser Hertz,
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Bringt weise Tischgespräch, Herr Fauljoch treugen Schertz,
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Herr Heinrich lässet wo ein Instrument herholen
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Und spielet uns was auf. Ich streich auf der Violen,
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Der Endschaft meiner Pein und Mutter meiner Ruh,
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Und hätt ich eine Stimm, ich sing auch wohl dazu.
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Wir Armen, die wir hier das Elend müssen bauen,
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Was sind wir, wenn wir nicht einander wolten trauen
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Und gute Freunde seyn. Die stets nur vor sich hin
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Und Menschen-scheue sind, was thun die ihrem Sinn
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Vor Leid und Pein nicht an! Sie haben sich verziehen
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Des Rechtes der Natur, die anfangs uns verliehen
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Vnd noch will, daß ein Mensch den andern suchen soll,
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Mit welchem er, es geh ihm übel oder wohl,
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Zusammenhalten mag. Wir sehen an den Sternen,
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Wie daß sie Freunde sind. Die Wolcken ziehn von Fernen
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Wie in Gesellschaft fort, die schnellen Fisch im Meer,
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Die Vögel in der Luft beschließen auch ein Heer
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Und streichen also hin, das Wild geht in den Wäldern
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Gepart in großer Zahl, das Horn-Vieh auf den Feldern
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Kan niehmals eintzeln seyn; der Mensch entschläget sich
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Der Güter oft, wozu Gott ihn und mich und dich
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Gar weißlich hat gemacht. Laßt uns zusammenhalten,
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So wird die Freude mehr, das Unglück minder walten,
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Als wo man einsam ist. Was aber fällt mir ein?
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Wenn kommt Sybillen Tag? Ihr müsst gebunden seyn.
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Frau Bluhmin, morgen will sich euer Fest ansagen,
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Der Tag, an welchem ihr sollt dieses Bändlein tragen,
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An Zier und Ansehn schlecht, doch wenn ihr wissen wollt,
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Das Band ist unser Hertz, der Will in uns das Gold,
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Das reinlich gläntzet trotz den köstlichsten Metallen
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Und was dem Auge schön auch sonsten mag gefallen.
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Nehmt dieses so vorlieb und tragt es unbeschwehrt:
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Wer Tugend liebt, hat nie ein besser Band begehrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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