Herr Jordan, ich bin anders dir

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Simon Dach: Herr Jordan, ich bin anders dir Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Herr Jordan, ich bin anders dir
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Von Jugend auff bekant gewesen,
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Vnd hast du irgend waß von mir,
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Daß lobenswerth mag seyn, gelesen,
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Vnd meinest, daß ich würdig sey,
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Dem man erweise Lieb vnd Trew,
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So laß mich dessen ietzt geniessen,
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Thu, waß du mir gethan vorhin,
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Daß, weil ich hier im Leben bin,
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Ich nicht werd auß dem Hertzen schliessen.

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Gott segne hiervor stets dein Hauß!
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Es wisse nichts von Noht und Schanden,
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Nur hilff auch ietzt mir Armen auß,
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Wo Mittel droben sind verhanden:
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Ich weiß gewiß, es werde mein
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Bey dir auch nicht vergessen seyn,
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Es ist an Geldern nur gelegen,
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Der Mangel, leider! ist zu groß,
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Sonst schafftest du mir Raht, auch bloß
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Des frommen Adam Öders wegen.

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Wie ist doch alles vmbgewandt!
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Mir wirdt erzehlt von alten Leuten,
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Wie reich daß schöne Preussenland
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Gewesen sey zu jenen Zeiten,
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Wieviel Görg Friedrich weggeführt,
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So ist kein Mangel doch gespührt:
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Daß Geld ist vngezehlt gewogen,
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Man hat gezürnt, wenn wer den Sold
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Nicht zeitig gnug hat abgeholt,
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Vnd niemand ist doch außgesogen.

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Jetzt stehen so viel Erbe leer,
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Man höret Wehklag aller Enden,
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Noch kommen keine Gelder her,
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Der Allerhöchste woll es wenden.
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Ich trag auch die gemeine Schuld
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Des Landes billich mit Gedult
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Vnd seuffze, wenn ich muß ermässen,
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Daß aller Segen hie gebricht,
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Inmittels aber kan ich nicht
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Mein eigne Händ vnd Füsse fressen.

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Ich winde mich auch, wie ich kan,
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Vnd lauffe täglich hin vnd wieder,
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Ich halte wie mir möglich an
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Durch allen Fleiß vnd schreibe Lieder;
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Vmbsonst, ich sehe nur, mein Spiel,
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Poeten Müntze, gelt nicht viel,
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Es wil sich nirgends mit mir flaschen,
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Man liebt mich nach dem Ansehn wol,
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Wenn Geld gezehlet werden soll,
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So sitzt der Hund vnß auff der Taschen.

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Nach allem Scheine lässt es sich
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Mit mir fein an zu Noht vnd Jammer,
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Der Boden weiß kein Korn für mich,
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Für mich weiß keinen Scherff die Kammer:
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So schick dich nur, mein gutter Dach,
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Zum Hunger leiden allgemach:
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Ich wil mich mit den meinen letzen,
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Es ist ein Jahr vmb diese Zeit,
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Daß ich, durch harten Zwang, bereit
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Mein Armuht anfing zu versetzen.

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Lest Preussenland es nur geschehn,
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Daß ich nur nicht muß Hunger sterben,
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Es ist nicht grohß vmb mich versehn,
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Für mein theil kan ich leicht verderben.
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Wenn mich der Grahm verzehret hat,
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So weiß noch Gott den Meinen Raht,
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Auch fromme Leute werden leben,
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Nähm heut mich auch der Tod von hier,
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Recht, Vnschuld, Redlicheit würd mir,
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Ich weiß, ein schönes Zeugnüs geben.

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Laß alles übern Hauffen gehn,
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Ich werde wol, ob Gott will, bleiben,
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Ich kan doch nimmer gantz entstehn,
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Wirdt nur ein Lied von mir bekleiben,
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Mein Nahme wirdt nicht abgethan,
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Weil Preussen Gott erheben kan.
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Bringt aber dieß mich recht zur Erden?
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Setzt billich dieses mich in Noht?
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Soll hierumb mir nicht auch mein Brodt
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So bald, alß andern ihres, werden?

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Ich trag auff keinen Neid allein,
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Auch ich wil vngern dürfftig alten:
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So stoltz wirdt, hoff ich, niemand seyn,
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Der dieß mir wirdt vor übel halten.
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Wie schlecht auch immer ist mein Sinn,
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So weiß ich dennoch, wer ich bin.
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Ein Bürgermeister wirdt erkohren,
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Ein Redner übt sich Tag vnd Nacht
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Zu fassen schöner Worte Pracht,
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Poeten werden nur gebohren.

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Herr Jordan, hilff mir wie du kanst,
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Ich suche geitzig nicht zu füllen
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Mit grossen Gütern meinen Wanst,
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Wenn ich nur meine Noht kan stillen.
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Achthundert Gulden sind es nu,
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Daß dritte Jahr kompt auch herzu,
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Sag alles dieß den AmptsVerwandten,
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Die Summ häufft sich ie mehr vnd mehr,
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Mir grawet auß der massen sehr
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Für den verjähreten Restanten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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