Sollt Ihr ohn meine Seiten

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Simon Dach: Sollt Ihr ohn meine Seiten Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Sollt Ihr ohn meine Seiten
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Zur andern Heyraht schreiten,
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Herr Doctor? Zeig ich nicht
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Euch hier auch meine Pflicht?

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Der ersten Hochzeit wesen,
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Woltt' etwas von mir lesen,
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Wann ich gedencken kan,
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So grieff ich mich auch an.

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Der Todt riss' ewre Flammen
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O grosses Leid! von sammen,
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Mein Klag- vnd Trawer-Schall
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Beweint' auch solchen Fall.

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Was sol ich anders machen
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Bey den verwirrten Sachen
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Der immer-tollen Welt,
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Die sich für klug nur helt?

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Nach dem man mir gegeben
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Am Pregel-Strom mein Leben
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Zu schliessen, welches mich
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Ergetzet inniglich.

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Hie sitz ich gantz zufrieden
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Von Glück vnd Welt geschieden,
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Vnd sehe gern vnd wol
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Was mir begegnen sol.

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Pflegt Kranckheit mich zu schwächen,
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Ich kan mich jhr entbrechen,
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Vnd wende was ich weis
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Nur auff gelehrten fleiß.

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Ist mir was lieb vnd eigen,
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Ich ruff es an zu zeugen,
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Das Faulheit niemals stat
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Bey mir gefunden hat.

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Ich grüsse die Poeten
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Offt vor den Morgenröhten,
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Deß Nacht vnd Monden-Schein
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Mir wird geständig seyn.

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Was hab ich sonst zu schaffen?
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Mein Wesen sind nicht Waffen,
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Nicht Kauffschlag, noch durch Zanck
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Auffwarten vor der Banck.

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Kein Mensch hat mich gesehen
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Die Würffel trieglich drehen,
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Liebt jemand KarttenSpiel,
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Ich halt' auff den nicht viel.

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Auch pfleg ich Schwelgereyen
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Dem Diebstall gleich zu schewen,
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Die Schnecke liebt jhr Hauß,
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Auch ich geh vngern aus.

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Daß ich nicht Bücher schreibe,
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Vnd gern vergessen bleibe:
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Was ist nicht gnug bekant
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Durch weiser Leute Hand?

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Weit besser ist es schweigen,
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Als lahm vnd päwrisch geigen,
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Voraus wann dieser frist
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So scharffes Vrtheil ist.

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Werd' aber ich begehret,
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So wird auch gern gewehret
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Dem Land vnd dieser Stadt
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Was mein Vermögen hat.

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Herr Doctor, Euch für allen,
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Euch säng ich zugefallen,
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Thät' auch mein Spiel dem Chor
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Der Musen gleich zuvor.

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Nechst sang ich Euch im Leiden,
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Gott lob, anietzt in Frewden,
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Nun Ewer Trawer-Standt
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In Hochzeit sich gewandt.

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Ihr seyd durch Liebes-Orden
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Gantz anders nun geworden,
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Vor sah' Euch Jederman
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Nicht ohn Erbarmen an.

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Jetzt thut Ihr alle Sachen
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Mit Liebe, Lust vnd Lachen,
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Schertz, Gnüg vnd Freundlicheit
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Giebt stets Euch das Geleit.

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Ihr krieget von dem Schneider
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Anjetzt viel andre Kleider,
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Des langen Mantels Tracht
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Ist nun gar kurtz gemacht.

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Was vor in Ewrem Leide
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Nur Tuch war, ist nun Seide,
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Der schwartze Flohr ist gantz
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Verkehrt in einen Krantz.

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Was kan doch vnsern Sinnen
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Den Wechsel angewinnen?
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Was nimmt so bald vns ein?
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Der Liebe süsse Pein.

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Die weis vns vns zu geben,
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Die heisst die Todten leben,
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Die Alten seyn ein Kind,
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Vnd Argus selber blind,

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Macht Sclaven aus Regenten,
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Aus Aertzten Patienten
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Vnd kehrt der Höllen Nacht
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In liechte Himmels-Pracht.

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Wer jetzt in Ewrem Hertzen
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Sucht Kummer oder Schmertzen,
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Sucht hie im Brachmon Schnee,
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Im Hornung süssen Klee.

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Vnd möchtet Ihr nur singen,
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Giengt stets herein in Springen
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Erfrewt ohn Maaß vnd Rhue,
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Ihr habt hie-Vrsach-zu.

105
Ihr kriegt ein Bild der Schönen,
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Für welcher die Sirenen
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Vnd Leden thewres Kind
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Sampt Venus heßlich sind.

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Was darff ich Lügner werden?
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Sie nähme durch Geberden
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Vnd durch der Augen Schein
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Die wilden Tieger ein.

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Wo laß ich Ihre Sitten,
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Die manches Hertz bestritten?
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Wo Ihrer Worte Zier,
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Die himlisch sind bey Ihr?

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Ihr mögt wol warlich sagen,
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Es haben sich vertragen,
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Glück, Lieb vnd Rhum zugleich,
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Herr Bräutgam, über Euch.

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Glückselig ist die Stunde,
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In der Ihr Euch dem Bunde
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Der Kunst ergeben habt,
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Die Euch so hoch begabt.

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Must Euch Galenus weichen,
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Hippocrates imgleichen,
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Ihr hettet hiedurch Lohn
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Vnd Ehre gnug davon.

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Lasst Phoebus sich erfrewen,
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Vnd alle Musen schreyen
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Sampt vnsrer gantzen Schaar:
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Glück zu dem Edlen Paar!

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Gott woll' Euch nur erhalten,
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Vnd ob Euch lassen walten,
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Rhue, Leben, Fruchtbarkeit,
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Daß Ihr gesegnet seyd.

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Nur bleibet mir gewogen,
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Der ich dieß Lied vollzogen,
139
Als gestern bey dem Spiel
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Die Nacht mich überfiel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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