Daniel Martin und Elisabeth Lepner

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Simon Dach: Daniel Martin und Elisabeth Lepner (1632)

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Der, an dem wir gantz verzaget,
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Hat es endlich noch gewaget,
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Vnd vngeschewet
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Sich jetzt befreyet.

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Amor hat auff Ihn geschossen,
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Biß es Ihn zuletzt verdrossen,
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Ist mit dem Bogen
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Kahl abgezogen.

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Venus sprach: Hört auff, jhr Kertzen,
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Er empfindet keine Schmertzen,
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Ist (wie ich meine)
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Gleich Staal' vnd Steine.

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Sagt, wer hat Ihn je gesehen
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Wo vor einem Mägdchen flehen,
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Das Ihn zu lieben
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Hätt' angetrieben?

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Tieger möchte man noch zähmen,
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Vnd den Grimm' auch Bähren nehmen,
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Ja Löwen Rachen
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Sanfftmühtig machen.

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Diesen überreden wollen,
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Daß er hätte tantzen sollen,
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Wahr, was auff Erden
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Nicht kuntte werden.

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Mag was süssers auch entstehen,
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Als im Reyen frölich gehen,
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Vnd eine führen,
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Die Ihn kan zieren?

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Wenn ein Tantz, der nur aus Pohlen
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Kommen ist, wird auff Violen
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Recht wol gemachet,
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Daß alles lachet?

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Wenn man höret die Schalmeyen,
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Die man braucht im ersten Reyen,
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Bald auch die Flöhten
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Sampt den Cornehten?

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Wenn der Stort nun prangt für allen,
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Daß die Hertzen müssen wallen,
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Vnd recht zu leben
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Erst dan anheben?

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Hie wird Anlaß her genommen,
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An das liebste Hertz zu kommen.
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Wo wohnen Grüsse?
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Wo Schertz' vnd Küsse?

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Wo Gespräche von der Liebe?
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Wo das meiste, so ich übe?
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Wo Händedrücken?
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Wo sich anblicken?

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Wo gelohst man Würtz vnd Kräntze?
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Hie erst, da man heget Täntze,
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Hie kehrt das Leiden
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Sich gantz in Frewden.

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Alte, die von fern her sehen,
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Wünschen: hätten wir nur zehen
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Jahrchen zurücke,
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Wir argen Stricke!

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Dieser nur war nicht zu zwingen,
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Wahr an keinen Tantz zu bringen,
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Nichts kuntt' Ihn fangen;
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Nicht rohte Wangen,

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Nicht der weissen Stirnen Pflaster,
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Ja nicht Händ' aus Alabaster,
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Nicht Gold der Hare,
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Nicht andre Wahre,

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Nicht der Zungen Milch vnd Reben,
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Nicht der Sitten Art vnd Leben,
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Noch, was für Sachen
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Verliebt sonst machen.

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Diesen soltt' ich mich bemühen
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Endlich an mein Joch zu ziehen,
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daß Er auff Erden
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Soltt' ehlich werden?

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Nein, zerbrich, mein Kind, die Pfeile,
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Mach dich auff die Flucht vnd eile,
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Hat doch kein Possen
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Mich so verdrossen!

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Dieß sprach aus ergrimmtem Hertzen
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Venus, vnd schwang jhre Kertzen,
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Daß sie im schwingen
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Auch stracks außgiengen.

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Amorn must' es auch verdriessen,
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Trat den Köcher-Zeug mit Füssen,
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Der muste brechen
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Vnd so jhn rächen.

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Amor, du ergrimmst vergebens,
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Du auch, Göttinn dieses Lebens,
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Venus. Im Hertzen
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Fühlt Er schon Schmertzen.

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Seht, die Artigheit Elisen
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Hat sich stärcker noch erwiesen
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Als ewre Waffen,
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Die nichts hie schaffen.

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Ihrer schwartzen Augen Sonnen
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Haben Pfeil' vnd Brunst gewonnen,
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Brunst, die Ihn schläget
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Vnd nieder leget.

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Bräutlein, du kanst triumphiren,
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Dir muß aller Preiß gebühren,
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Der Venus Sohne
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Setz auff die Krohne!

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Ihr, Herr Schwager, sucht zusammen,
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Was Ihr jrgends wisst von Flammen,
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Ihr habt zu sorgen
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Heut oder morgen,

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Ob nicht etwa Venus Kertzen,
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Welche sie verlescht für Schmertzen,
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(das wir nicht gläuben)
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Verloschen bleiben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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