O Amor, Hertzen-Binder

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Simon Dach: O Amor, Hertzen-Binder Titel entspricht 1. Vers(1632)

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O Amor, Hertzen-Binder,
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Du Herr der Freundlicheit
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Vnd aller guten Zeit,
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Du zwietracht-überwinder!

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Du grosser Wolfahrt-Heger,
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Wie, daß die gantze Welt
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Dir hin zu Fusse fällt,
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Vnd folget deinem Läger:

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Wie weistu ein-zusperren
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Des Scepters gantze Macht!
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Dir dient der Krohnen Pracht,
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Der Knecht auch sampt dem Herren.

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Das Alter wird gerissen
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Zwar an dein strenges Joch,
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Die Jugend pflegstu doch
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Am meisten ein-zu-schliessen.

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Du machst dich in die Wangen
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Der Frawen-Bilder hin,
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Vnd führst den starcken Sinn
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Der Männer so gefangen.

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Was keine Macht kan brechen,
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Kein Stahl, kein fallend Bley,
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Was keine Tyranney,
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Weist endlich du zu schwächen.

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Du hast die Welt gelehret
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Das, was sie gutes hat,
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Daher auch Dorff vnd Stadt
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Dir billich zugehöret:

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Daß wir die Felder bawen,
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Nach Ehr vnd Güttern stehn,
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Tieff in das Erdreich gehn,
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Vns Wind vnd Wellen trawen,

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Wodurch wir zugenommen,
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In aller Pracht vnd Zier,
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Muß eigentlich von dir,
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Du Welt-Bereicher, kommen.

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Du endest Angst vnd Leiden;
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Greiffst du, O Amor, an
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Vnd hilffst, so träget man
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Des Creutzes Last mit Frewden.

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Durch dich muß alles werden,
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Was Vieh vnd Menschen noht,
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Ohn dich kömpt weder Brodt
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Noch Wein-wachs aus der Erden:

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Wie schön die Vögel singen,
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Wie fröhlich durch das Meer
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Der Fische Schaar, das Heer
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Der Thier' im Walde springen;

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Wie lustig sich mit Täntzen
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Das Volck der Sternen macht,
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Wie helle bey der Nacht
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Sie vmb den Mond her gläntzen,

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Wie schnell der Sonnen Räder,
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Wie lieblich Lufft vnd Wind,
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Wie angenehm vns sind
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Die Brunnen, Flüsse, Bäder.

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Doch were nichts zu spüren
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Von allem, was man kennt,
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Wenn du das Regiment
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Nicht, Amor, soltest führen.

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Glückseelig ist die Stunde,
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Kriegt anders Zeit hie stat,
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Da Gott gezeugt dich hat,
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Aus seines Hertzens Grunde!

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Man hat von keinen Plagen
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Da jrgends wo gewust,
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Vnd nur von lauter Lust
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Vnd Frewde können sagen.

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Da war kein Haß verhanden,
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Kein Argwohn vnd kein Streit,
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Fried' vnd Gerechtigkeit
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Sind umb dich her gestanden.

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Man sieht auch jetzund Leben
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Vnd grosses Wolergehn
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An allen Orten stehn,
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Wo Du dich hinbegeben.

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So komm nun, dein Begnügen
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Vmbschließ' auch dieses Paar
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In Eintracht jmmerdar,
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Die Ehlich jetzt sich fügen!

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Du bist es, den wir singen,
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Du vnd das wahre Gut,
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Der vns das liebste thut,
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Gott selbst für allen Dingen.

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Wir werden angetrieben
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Zu sagen: Er allein
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Muß selbst die Liebe seyn,
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Die Er so rein kan üben.

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O selig, selig weren
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Wir Menschen allerseit,
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Die wir durch Haß vnd Streit
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Erbärmlich vns verzehren,

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Wenn doch auch vns die Liebe,
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Die alles hie vnd da,
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Vnd selbst den Himmel, ja
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Am meisten Gott treibt, triebe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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