Post nubila Phœbus

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Simon Dach: Post nubila Phœbus (1632)

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Sol mein Geist gebücket gehen
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Vnd ohn alle Hoffnung stehen,
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Wenn ein Vnglück an mich setzt?
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Sol ich zagen in den Nöthen,
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Wenn ein Vnfall mich zu tödten
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Grimmig seine Zähne wetzt?

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Nein, ich wil zu keiner seiten
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Auß der Weißheit Wege schreiten,
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Sondern fleissig mein Gehör
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Ihrer güldnen Rede leihen,
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Sie wird meinen Geist befreyen
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Durch die Edle Zucht vnd Lehr.

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Ob ich noch so sehr mich fresse
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Vnd mein Leiden stets ermesse,
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Hört es durch dieß Mittel auff?
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Ja! so wenig ich der Winde
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Brausen durch mein Schelten binde,
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Vnd der Ströme schnellen Lauff.

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Wie wir sehn die Wolcken fliehen
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Vnd sie vber vns hinziehen,
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Wehren aber jhnen nicht:
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Also kan des Menschen Grämen
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Nichts von seinem Leiden nehmen,
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Wenn es gifftig auff jhn sticht.

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Welcher nur in bösen Fällen
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Sich so klüglich weiß zu stellen,
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Als gieng' jhm sein Leid nicht an,
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Schawet wie mit frembdem Hertzen
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Auff das wüten seiner Schmertzen,
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Ist am allerbesten dran.

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Edle Hengste von Geblüte
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Traben fort, es bell' vnd wüte
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Wie der Hund auch jmmer wil;
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Wer sich an das Glück wil kehren,
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Wenn es kömpt jhn zu gefähren,
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Kennet nicht der Weißheit Ziel.

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Wer zu sehr die Nase schnäutzet
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Vnd die Hunde töricht reitzet,
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Gehet blutig offt davon:
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Die der Noht durch stetes weinen
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Bald sich abzuhelffen meinen,
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Haben duppelt Leid zu lohn.

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Endlich wird das Vnglück brechen
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Vnd jhm selbst die Kräffte schwechen,
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Durch die nimmer-stille-Zeit,
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Welche, wie sie allen Dingen
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Sol vnd muß die Endschafft bringen,
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Also auch der Trawrigkeit.

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Da denn offt das tieffste Leiden
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Wird ersetzt mit tausend Frewden,
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Welches vns denn sänffter thut,
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Als wenn wir nur stets in Lüsten
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Nichts von Noht zu sagen wüsten,
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Frisch am Leibe, reich am Gut.

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Nach des Winters kalten Winden
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Muß die Vorjahrs-Lufft sich finden
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Vnd die grüne Sommer-Zier:
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Nach den harten Donnerschlägen,
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Nach den Wolcken vnd dem Regen
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Kömpt die güldne Sonn' herfür.

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Letzlich pflegen wir zu lachen
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Der vorhin betrübten Sachen,
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Vnd erzwingen diesen Schluss:
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Wer der Weißheit nachzukommen
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Sich bemüht, hat diesen frommen,
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Daß jhm alles dienen muß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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