Es ist ja nun an dem, daß mein Herr Robertihn

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Simon Dach: Es ist ja nun an dem, daß mein Herr Robertihn Titel entspricht 1. Vers(1632)

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Es ist ja nun an dem, daß mein Herr Robertihn
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Mit seinem Hochzeit-Fest nicht länger wil verziehn,
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Er fasst jhm ein Schluß, bey dem es sol verbleiben,
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Den auch der Himmel sich erbeut zu vnterschreiben,
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Daß dieser schöne Tag das alles offenbahr
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Sol machen, was bißher jhm selbst kaum kündig war.
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Er kann die Flamme nun nicht länger heimlich halten,
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Giebt seiner Liebe stat, die vngehindert walten
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Vnd jhn beherrschen muß, er kennt die Art der Zeit
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Vnd seine liebe Braut wird jetzt jhm zugetreut.
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Vnd seh' ich nicht hierumb den Himmel sich bewegen,
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Die Wolcken flüchtig seyn, des Wetters Last sich legen?
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Die Götter werden eins, in einer grossen Zahl
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Zu fahren Himmel-ab auff dieses Frewden-Mahl.

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Ach, man kennt dich an dem Bogen,
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Süsser Amor, deine Tracht
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Hat dich leichtlich kunt gemacht!
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O komm glückhafft eingezogen!
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Komm, verübe deine Pflicht,
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Triff das Hertz vnd fehle nicht.

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Juno wil das Brautbett machen,
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Venus hat in jhrer Handt
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Der verliebten Sinnen Brandt
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Vnd rings vmb sich Schertz vnd Lachen.
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Hymen eylet was er kan,
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Steckt die Fackeln bey jhr an.

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Auch mein einiges Verlangen,
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Phoebus ist mit Frewden hier,
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Seiner güldnen Lauten Zier
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Hat er auff der Schulter hangen,
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Der neun Schwestern volles Chor
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Gehet jhm theils nach theils vor.

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Halt, was werden sie beginnen?
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Vnd wo ist es hin gemeynt,
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Das voraus Apollo scheint
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Tieffen Sachen nach zu sinnen?
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Ist mir recht, sie seyn bemüht
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Auff ein newes Hochzeit-Liedt.

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Wol dir, du werthes Paar! Dein Wesen muß für allen
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Dem Himmel, daß er dir so günstig ist, gefallen;
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Schaw vmb dich, wie er thut, er steht Gedancken vol
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Vnd weiß nicht, was für Dienst er jetzt erweisen sol.
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Er reitzt auch meinen Geist vnd zwingt mich loßzugehen,
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Die Adern wallen mir, ich kan nicht stille stehen.
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Apollo geusset gantz sich meinem Hertzen ein
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Vnd ich beginne fast nicht bey mir selbst zu sein.
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Verzeiht mir beyderseit vnd lasst euch nicht verdriessen,
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Wenn ich mir was zu frey den Zügel lasse schiessen,
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Verhänge meinem Sinn aus Liebe was zu viel,
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Die Frewde, so mich treibt, kennt weder Maß noch Ziel:

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Trawre nicht, stell ein die Klage,
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Schöne Braut, es hat nicht Noth!
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Schaw, es ist noch hoch am Tage
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Vnd sehr weit vom Abend-Roht,
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Das vns bringen sol die Nacht,
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Die dich so bekümmert macht.

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Die Ihr wohnt in schwartzen Zelten,
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O jhr Schatten, eilet nicht,
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Lasst die Braut bey euch was gelten,
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Sie helt an vmb stetes Liecht,
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Stetes Liecht zwar kan nicht seyn,
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Doch ein Auffschub jhrer Pein.

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Gebt der Bitte raum vnd stelle,
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Seht, wie Sie so vbel thut,
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Himmel, Erde, See vnd Helle
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Legen hin den wilden Muth,
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Wenn sie brauchet die Gewalt
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Ihrer kläglichen Gestalt.

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Aber, Schönste, deine Sorgen
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Seyn nur zu belachen wehrt,
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Wenn der Sonnen-Liecht sich Morgen
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Wieder zu vns hat gekehrt,
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Wirstu, gleub es mir, mein Kindt,
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Anders seyn als jetzt gesinnt.

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Hastu lust darnach zu fragen,
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Meinest gantz, hie sey Gefahr,
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Deine Mutter wird dir sagen,
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Die das auch, was du bist, war,
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Der auch du bald gleich wirst sehn,
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Wenn es vmb ein Thun geschehn.

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Welche sol man höher halten?
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Die sich bawt aus jhrem Mann,
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Oder die daheim muß alten
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Vnd nicht ehlich werden kan?
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Jener Blüth' ist Segens vol,
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Diese stirbt eh als sie sol.

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Vieh vnd Menschen müssen hassen
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Solchen Weinstock, der nicht trägt,
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Den sein Ehgatt hat verlassen;
90
Aber welcher Trauben hegt
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Vnd an Vlmen steht gesetzt
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Wird ja billich hoch geschätzt.

93
Komm, Nacht, komm! kompt Himmels Flammen!
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Vnd entdecket den Verdruß,
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Kompt doch eilends, fügt zusammen
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Was zusammen sol vnd muß,
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Macht der Braut den Mißverstandt,
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Die vergebne Furcht, bekant.

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Ihr könnt Leib vnd Seele speisen
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Durch den Schlaff, der auch vns nehrt,
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Könnt auch Buhler vnterweisen,
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Darumb helt Euch Venus wehrt
103
Vnd schickt ewrer süssen Rhue
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All jhr Volck vnd Schüler zu.

105
Ihr benehmet jungen Leuten
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Ihre Furcht vnd blöden Sinn,
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Wisset recht sie zu bedeuten,
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Alles macht sich zu euch hin
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Vnd erlanget Sieg vnd Preiß,
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Was sonst nichts von Liebe weiß.

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Schlage nicht die Augen nieder,
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Schönste, gib dich willig drein;
113
Morgen sprechen wir vns wieder,
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O, es wird schon anders seyn.
115
Komm! Die Nacht, der Sternen Chor
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Fodern dich bereit hervor.

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Vnd du, Herr Bräutigam, hast gnug in deinen Jahren,
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Was Kunst vnd Tugend sey, erlernet vnd erfahren,
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Diß aber fehlt dir noch, wend hie nun Arbeit an,
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Auch hie wird Fleiß erheischt, zeuch aus den ernsten Mann
121
Vnd lerne Kindisch seyn; hie mag kein Cato sitzen,
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Kein sawrer Curius hat Weißheit hiezu schwitzen.

123
Cupido ist ein Kind,
124
Was schertzt vnd liebt auff Erden
125
Muß seyn wie er gesinnt,
126
Muß mit jhm kindisch werden.

127
Schertz ist hie Befehlichshaber, hie hat Kurtzweil oberhand,
128
Hie wird auch ein grawes Alter offt in Kindheit vmbgewand,
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Dieser Halß von Alabaster, dieser weissen Stirne Schein,
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Diese Rosen-rothe Wangen, dieser Hände Helffenbein
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Werden dir den Sinn berauben, werden dich, mein Robertihn,
132
Offt dir selbst vnähnlich machen vnd dir allen Muth entziehn.
133
Schaw doch her, vor diesen Augen legte Juppiter beyseit
134
Seinen Blitz vnd Donnerkeulen, Thetis Sohn gieng' aus dem Streit,
135
Solch Kräffte, solch Vermögen hat die Schönheit deiner Braut.

136
Laß sie das Tag-Liecht tragen
137
Als sonst die Morgenröth,
138
Die vor der Sonnen Wagen
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In güldnen Haaren geht;

140
Man solt' in Irrthumb schweben,
141
Nicht wissen, wer es sey,
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Ein solches Liecht vnd Leben
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Wohnt deiner Liebsten bey.

144
Ich hett hie guten Fug von jhrer Zucht zu singen,
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Wie eingezogen sie jhr Leben hin kan bringen,
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Was für Bescheidenheit vnd guter Sitten Pracht
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Auß jhr ein edles Bild des Frawen-Zimmers macht;
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Könnt' jhre Lust, die sie zu Büchern trägt, beschreiben
149
Vnd wie sie manchen Tag mit lesen kan vertreiben,
150
Dadurch sie wol bedacht des bösen müssig geht,
151
Darnach so manches Mensch mit Fleiß vnd Willen steht.
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Mir aber wil von dem zu sagen nicht geziemen,
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Was diese Stadt an jhr vorhin schon weis zu rühmen
154
Vnd kündig ist ohn mich, sie sey nun wer sie wil,
155
From, sitsam, häußlich, schön, bescheiden, fleissig, still.
156
Sie ist die deine nun mit allen jhren Gaben,
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Hie den Lohn soltest du für deine Tugend haben,
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Die Sitten, den Verstandt, die dir des Höchsten Raht
159
Durch vnbewegten Schluß längst vorbehalten hat.

160
An dem Herren muß es liegen,
161
Er sieht was sich vnverwandt
162
Künfftig sol zusammen fügen
163
In den süssen Heyrahts-Standt:
164
Zwar der Mensch kan jhm zu lieben
165
Seines gleichen außersehn,
166
Was bey Gott nicht ist verschrieben,
167
Kan vnd muß auch nicht geschehn.

168
Du magst nun deiner Müh vnd Arbeit wol geniessen,
169
Es wird dir wol bezahlt, laß dich es nicht verdriessen,
170
Vnd hettest du dich gleich gewaget vmb den Nort,
171
Die schwere Straß entdeckt an den Chinenser Port
172
Bey Nova-Zembla weg, viel Hungers-Noth erlitten
173
Mit Bären wilder Art, mit Eyß vnd Frost gestritten,
174
Ja hettest du gleich auch den newen Magellan
175
Durch viel Gefahr vnd Noth der Erden kundt gethan
176
Vnd werest Hellen-ab wie Hercules gegangen,
177
Was köntestu hievor für grössern Lohn empfangen
178
Als eben dieses Gut? es kan auff so viel Pein
179
Dir, Pelops, thewrer nicht Hippodamia seyn.
180
Was Frewde wird dein Hertz, was volle Gnüg empfinden,
181
Wenn sie dir deinen Geist wird inniglich entbinden,
182
Wird allen Vnmuth fern auß deiner Seelen thun
183
Vnd schaffen was du wilt. Wolan, so gehe nun,
184
Nim ein dein eignes Reich vnd hersche nach belieben!
185
Es steht dir frey, was dich gelüstet, zu verüben,
186
Trotz einem, der sich hie wolt' etwas vnterstehn,
187
Das nicht nach deinem Sinn vnd Willen solte gehn,
188
Hie ist kein Herr als du. Die Augen als zwo Sonnen,
189
Die dich vor langer Zeit durch jhre Krafft gewonnen,
190
Der keusche Mund, das Haar seyn nun dein Eigenthum
191
Vnd mehren vberauß dein Ansehn Ehr vnd Ruhm.
192
Es wird von jederman dein guter Sinn gepriesen,
193
Daß du dich hierin auch behutsam hast erwiesen
194
Vnd dir an deine Seit' ein solches Mensch gelegt,
195
Das in Geberden Zucht vnd Trew im Hertzen trägt.

196
Wer sich hie auff Gut wil gründen,
197
Hat auff schwaches Eyß gebawt;
198
Glück vnd Geld pflegt zu verschwinden
199
Wie der Schnee thut, wenn es thawt:

200
Wie ein Dunst, der aus den Klüfften
201
Vber sich gen Himmel fährt
202
Vnd von Winden in den Lüfften
203
Wird zerstoben vnd verzährt.

204
Ein standhaffter Sinn bestehet,
205
Krieget Preiß vnd schwebt empor,
206
Vnd die Zucht im Hertzen gehet
207
Tausent Tonnen Goldes vor.

208
Du siehst nicht auff den Schein der eusserlichen Sachen,
209
Der nur die Augen füllt vnd keinen gut kan machen,
210
Du thust was dir gefellt vnd hörest gäntzlich nicht
211
Den, der dich meistern wil vnd solch ein Vrtheil spricht,
212
So nimmer kan bestehn, der sich pflegt zu verwirren
213
Vnd doch für weise schätzt. Was? er sol dich nun irren?
214
Er, welcher wenig Witz in dem Gehirne helt,
215
Dich, der sein gantzes Thun auff solchen Grund gestellt,
216
Der bloß auff Weißheit steht, dich, der erst vberleget,
217
Erst auff das Ende sieht, dan nachzusetzen pfleget?
218
Ach stünd' es mir nur jetzt mit deinem Willen frey
219
Zu singen, was dein Lob vnd deine Tugend sey,
220
In was Volkommenheit dich deine Kunst genommen,
221
Ich wüste, was ich thät'; ich wolt' auff Dinge kommen,
222
Die mein Verhängnus mir auß Vngunst hat versagt
223
Vnd deinem Geist ertheilt, der in die Wolcken ragt
224
Vnd mich hierunten lesst nicht anders, als die Eichen
225
Vnd Tannen-Bäume sonst den kleinen Kattich-Sträuchen
226
Am frischen Haffe thun, du soltest mir allein
227
Zu einem schönen Lied' ein reicher Vorrath seyn;
228
Du aber bist, mein Freundt, auch dießfals zu bescheiden
229
Vnd gäntzlich nicht gewohnt dein eigen Lob zu leiden:
230
Kurtz, du beginnst, was dir hernach nicht leid seyn kan,
231
Vnd siehst der Sachen Lauff mit solchen Augen an,
232
Die Hertz seyn vnd Verstandt, vnd solttest allermassen
233
Dich eines jeden Wahn herumbher führen lassen,
234
Gerad' als sonst bey vns der zoticht-rauche Bähr
235
Den Maulkorb leiden muß vnd folget hin vnd her,
236
Wohin sein Leiter wil? O nein, such einzuschliessen
237
Des Pregels strengen Gang, er wird wol Wege wissen,
238
Zu kommen in die See, die Glut geht loß vnd frey,
239
Vnd springt darüber auch die Büchse gleich entzwey.
240
Es kan bey vns kein ding zwar vnberedet bleiben,
241
Du aber lessest es den starken Ost-Wind treiben
242
Hin auff die Wüste Fluth vnd thust, was gut vnd recht
243
Für weisen Augen scheint, bist keiner Thorheit Knecht.
244
Horch aber zu! was da? Es sind Appollos Seiten,
245
Der kompt vnd wil dich hin zu deiner Rhue begleiten,
246
In dem das Amor bloß auff Boltzen ist bedacht
247
Vnd tausent jetzt verscheusst, jetzt tausent wieder macht,
248
Vnd Hymen allbereit die Kertzen angezündet,
249
Dione beyder Hertz in einen Knohten bindet,
250
Beschleusst er, Cynthius, ein guter Künste-Mann,
251
Dieß Hochzeit-Fest vnd hebt sein kurtzes Braut-Lied an:

252
Wollt jhr nicht ein Ende machen,
253
Ihr verliebtes Seelen-Paar?
254
Seht, es ist mit allen Sachen,
255
Die dazu gehören, klar,
256
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
257
Glück vnd grossen Segen zu.

258
Meiner Sonnen Pferde trincken,
259
Hundert liechter Sterne Goldt
260
Seh ich euch zu Ehren blincken,
261
Nacht vnd alles ist euch hold.
262
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
263
Glück vnd grossen Segen zu.

264
O das selige Begnügen,
265
So jhr findet beyderseit!
266
Kan sich auch was besser fügen?
267
Was hat besser je gefreyt?
268
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
269
Glück vnd grossen Segen zu.

270
Deiner Liebsten Glantz vnd Gaben
271
Rahmen, Bräutgam, manchen ein,
272
Aber der sie muste haben
273
Soltest du vnd niemand seyn.
274
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
275
Glück vnd grossen Segen zu.

276
Diesen Mann von klugen Sinnen
277
Vnd von solcher hohen Kunst
278
Soltest du, Braut, nur gewinnen,
279
Du nur lindern seine Brunst.
280
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
281
Glück vnd grossen Segen zu.

282
Nun man fordert von euch Samen,
283
Den doch ich vor allen such',
284
Auff, vnd schreibet ewren Nahmen
285
In der späten Nachwelt Buch!
286
Kompt, der Himmel sagt euch Rhue,
287
Glück vnd grossen Segen zu.

288
Kompt jhr? ja, es sol nicht triegen,
289
Was ich sage, wird geschehn,
290
Das man jährlich in der Wiegen
291
Ewrer Liebe Frucht wird sehn.
292
Denn der Himmel sagt euch Rhue,
293
Glück vnd grossen Segen zu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Simon Dach
(16051659)

* 29.07.1605 in Klaipėda, † 15.04.1659 in Königsberg

männlich, geb. Dach

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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